Die Busse blieben im Depot: Auf dem Gelände der CVAG an der Werner-Seelenbinder-Straße streikten Mitglieder der Gewerkschaft Verdi für bessere Arbeitsbedingungen. Vielen Chemnitzern bereitete der Streik allerdings Probleme: Sie kamen nicht zur Schule oder zum Arzt. Auch Einzelhändler in der Innenstadt spürten die Streikfolgen: Es kamen weniger Kunden.
Foto: Toni Söll
Streik legt Nahverkehr in Chemnitz lahm
Ausstand bei der CVAG führte am Montag zu erheblichen Behinderungen
Chemnitz. Rund 450 Mitarbeiter der CVAG haben am Montag ihre Arbeit niedergelegt. Zwischen 2 Uhr nachts und 24 Uhr blieben alle Straßenbahnen und Busse des Verkehrsbetriebs im Depot. "Von einem Liniennetz konnte keine Rede mehr sein", sagte CVAG-Sprecher Stefan Tschök. Lediglich in einigen Gebieten am Stadtrand fuhren Busse auf einzelnen Linien, die von Subunternehmern betrieben werden.
Den meisten Fahrgästen nutzte das allerdings wenig: Sie mussten am Montag mit ihren eigenen Autos fahren oder standen im Schneematsch an den Haltestellen. "Wir finden es bedenklich, dass dieser Streik vor allem auf dem Rücken der Schüler ausgetragen wird", sagte CVAG-Sprecher Tschök. Bei der Schulaufsichtsbehörde des Landes, der Sächsischen Bildungsagentur, relativierte man die Auswirkungen allerdings: Der Anteil der fehlenden Schüler sei zwar höher als gewohnt, aber dennoch relativ gering. In einigen Schulen kam es trotzdem zu hohen Fehlzahlen: "In einer Klasse saßen nur noch 9 von 25 Schülern", sagte die Leiterin der Mittelschule "Am Flughafen", Kerstin Daniel.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versuchte indes, zu beschwichtigen: Sogar einige Busfahrer hätten ihre Kinder am Montag selbst in die Schule bringen müssen.
Für Verwirrung sorgten nicht nur die entfallenden Busse und Bahnen, sondern auch die digitalen Anzeigetafeln: Sie kündigten am Morgen die Ankunft von Bussen und Bahnen an, die wegen des Streiks aber nicht fuhren. Viele Fahrgäste blieben verunsichert ab Haltestellen zurück. "Es ist bedauerlich, dass unser System nicht funktionierte", sagte CVAG-Sprecher Tschök. "Wenn das System keine Standort-Daten von unseren Bahnen bekommt, zeigt es den üblichen Fahrplan an." Man habe den Server erst gegen 8 Uhr ausgeschaltet. Im Laufe des Vormittages habe er sich allerdings selbstständig hochgefahren und die Chemnitzer abermals irritiert.
Viele Fahrgäste vermissten detaillierte Aushänge und Informationen an den Bahnsteigen. "Die Haltestellen sind Eigentum der CVAG, wir dürfen dort keine Informationszettel aufhängen", erklärte Verdi-Fachbereichsleiter Sven Vogel. Bei der Nahverkehrsgesellschaft wollte man das am Montag weder bestätigen noch dementieren. Neben Bus- und Bahnfahrern hätten aber auch die Servicemitarbeiter des Unternehmens in der Geschäftsstelle gestreikt. "Sie haben den wartenden Fahrgästen also auch keine Auskunft gegeben", sagte Tschök.
Auch der Einzelhandel spürte die Auswirkungen des Streiks: "Wir haben auf jeden Fall weniger Frequenz im Haus", sagte der Geschäftsführer der Galeria-Kaufhof, Karl Doersch. Viele Taxifahrer hatten demgegenüber mehr zu tun. Sie waren am Morgen und Nachmittag vollständig ausgebucht. Über den Streik wollte sich der Taxiunternehmer Roland Bäßler allerdings nicht freuen, auch wenn er davon profitierte: "Von den paar Stunden Ausstand werden wir Taxiunternehmer doch auch nicht reich."
Während an den Haltestellen am Montag nichts los war, sammelten sich an den Betriebshöfen an der Werner-Seelenbinder-Straße und in Adelsberg sowie der Straßenbahn-Abstellanlage an der Krenkelstraße in Altchemnitz Bus- und Straßenbahnfahrer, Werkstattmitarbeiter und Gewerkschaftsfunktionäre zum Streik. Sie blockierten die Ausfahrten der Depots. Zu den Motiven des Warnstreiks wollte sich trotz mehrerer Anfragen keiner der direkt Betroffenen öffentlich äußern. Vertreter des Betriebsrates gaben dagegen Auskunft: "Es geht uns nicht um höhere Löhne, sondern um einen ordentlichen neuen Manteltarifvertrag", erklärte CVAG-Betriebsratsvorsitzender Uwe Albert. Nicht hinnehmbar sei beispielsweise die Forderung der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände, den Jahresurlaub der Beschäftigten von 30 auf 26 Tage zu kürzen. "Außerdem sollen den Kollegen die Zuschläge für die Arbeit an den Oster- und Pfingstsamstagen gestrichen werden", so Albert. "Zudem müssen die Zuschläge für Nacht- und Feiertagsdienste endlich angehoben werden", berichtete Albert weiter. Und sein Stellvertreter Silvio Venus ergänzte: "Unsere jungen Kollegen brauchen jetzt noch 15 bis 16 Jahre, um in die höchste Lohngruppe zu kommen. Wir fordern, dass diese Zeit auf unter zehn Jahre verkürzt wird."
Während die meisten CVAG-Mitarbeiter sich dem Arbeitskampf anschlossen, gab es nach Gewerkschaftsangaben vier Streikbrecher. Laut CVAG-Sprecher Tschök seien mehr Mitarbeiter zur Arbeit erschienen.


19:22 Uhr
wuehlmaus: Ich hoffe, dass mit dem Streik die Ziele der Arbeitnehmer erreicht wurden, sonst kann ich die Entschuldigungen für das Fernbleiben meines Kindes von der Schule gleich als Serienbrief ausdrucken.
14:54 Uhr
kassbergwade: Ich kann die Argumente für den Streik gut nachvollziehen, finde aber die Dauer trotzdem unverhältnismäßig hoch, Steigerungen sind ja wohl kaum noch möglich. Aber man hätte mit einem Gespräch die Kunden vielleicht mit auf die Seite der Streikenden ziehen können, denn viele glauben wohl noch immer, es ginge um mehr Geld. Ich beneide die Busfahrer mit Sicherheit nicht, bei jeder Wetterlage zu fahren, Fahrkarten zu verkaufen und sich noch vollquatschen lassen zu müssen, wenn der Bus Verspätung hat. Was daran Stammtischgeschwätz ist, weiß ich leider nicht, aber ich lasse mich da auch mal belehren.
14:07 Uhr
Ebersdorfer: Bei dem gestrigen Streik standen einzig und allein die CVAG-Kunden unter Druck. Dem Unternehmen oder gar den Arbeitgebern wird es nicht geschadet haben. Die evtl. Einnahmeverluste durch Fahrkartenverkäufe sind sicher durch eingesparte Betriebskosten wieder eingespielt worden, wie es @Sachsenstolz schon erklärt hat.
14:06 Uhr
Frank67: Wenn sie genau der Werdegang bis zu diesen Tag verfolgt hätten würden sie nicht solches dummdoofes Stammtischgeschwätz erzählen.
Vielleicht machen sie sich erstmal kundig was im Vorgang alles gelaufen ist.
Sinn und Zweck ist es an der Arbeitsstätte den Streik durchzuführen und das ist nunmal das Depot.
13:36 Uhr
kassbergwade: Hier haben sich die Streikenden wohl selbst ins Knie geschossen. Ein paar Stunden Warnstreik hätten es ja auch erstmal getan, z.B. den Berufsverkehr füh "aufmischen". Was soll denn die nächste Steigerung sein? Drei Tage? Eine ganze Woche? Da kommt mit Sicherheit ganz schnell eine einstweilige Verfügung. Und schade, dass man nicht den Mut hatte, sich den Fragen der Kunden zu stellen, nämlich an der Zenti und nicht irgendwo im Depot, wo sie sowieso kein Mensch sieht.