Sonja Schulze hat Wildkräuter und Blüten von Wiesen und Gärten nahe ihres Gehöftes in Garnsdorf gesammelt und für einen Salat vorbereitet. Selbst gezogene Sprossen aus Luzerne- (Alfalfa) und Rettich-Samen verkauft sie erst seit wenigen Tagen wieder. Wegen der Ehec-Krise blieben die Kunden weg. Sonja Schulze hat Wildkräuter und Blüten von Wiesen und Gärten nahe ihres Gehöftes in Garnsdorf gesammelt und für einen Salat vorbereitet. Selbst gezogene Sprossen aus Luzerne- (Alfalfa) und Rettich-Samen verkauft sie erst seit wenigen Tagen wieder. Wegen der Ehec-Krise blieben die Kunden weg.

Foto: A. Seidel

Unternehmen aus Garnsdorf produziert ein Jahr nach Ehec-Krise wieder Sprossen

Verkauf läuft schleppend an - Nachfrage nach Wildkräutern deutlich gestiegen

Garnsdorf. In einem Nebengebäude des ehemaligen Vierseithofes hat Sonja Schulze im Lichtenauer Ortsteil Garnsdorf wieder mit der Ernte von Sprossen begonnen. Aus Rettich-, Bohnenkraut-, Luzerne-, Kichererbsen-, Linsen- und anderen Gemüse-Samen zieht sie Sprossen. Doch der Vertrieb läuft langsam an. Denn nach der Ehec-Krise, als seit Mai 2011 mehr als 4000 Menschen in Deutschland an einer Darminfektion erkrankten, hat sich das Geschäft noch nicht erholt.

"Einige Bioläden nehmen wieder meine Sprossen ab", sagt die Chefin und einzige Mitarbeiterin der Firma Landsprosse. Aber der Umsatz sei total eingebrochen. Jetzt produziere sie nur noch 20 Prozent der Menge, die vor der Krise ausgeliefert wurde. Ähnlich sei es weiteren 14 Sprossen-Herstellern in Deutschland ergangen. "Doch die Sprosse war nicht die Ursache", fügt Sonja Schulze hinzu. Eine Mikrobe namens Ehec versetzte Forscher und Gesundheitsbehörden in Alarmbereitschaft. Der Erreger rief lebensbedrohliche Darmentzündungen mit blutigen Durchfällen und Nierenversagen hervor. Der Mensch sei der Überträger der Krankheit gewesen, ergänzt Sonja Schulze. Ihrer Meinung nach sei nie eindeutig geklärt worden, ob wirklich der ägyptische Bockshornklee-Samen der Auslöser der Epidemie gewesen sei. Dieser war in einem Biohof in Niedersachsen nachgewiesen worden. Dort blieben von einst 15 Mitarbeitern nur eine Teilzeitkraft und eine Aushilfe übrig. Nach der Ehec-Epidemie war der Umsatz auf fünf Prozent des vorherigen Wertes eingebrochen. Mittlerweile liege man wieder bei fast 15 Prozent, sagt der Firmen-Chef.

In Sachsen, erklärt Frank Meyer vom sächsischen Landwirtschaftsministerium, haben 16 Betriebe eine Ausgleichszahlung durch die Europäische Union in Höhe von knapp 60.000 Euro erhalten. Der Schaden sei aber doppelt so hoch gewesen. In Deutschland habe er rund 16 Millionen Euro betragen, in ganz Europa sogar 227 Millionen Euro.

Sonja Schulze aus Garnsdorf bekam keine Entschädigung, weil nur Erzeuger von Salat, Gurken, Tomaten, Paprika und Zucchini einen Verkaufs-Ausfall erhielten. Sie trauert dem Verlust aber nicht nach. Sie habe mit ihrem zweiten Standbein - die Lieferung von Wildkräutern an Restaurants - eine Marktnische getroffen.

"Das Geschäft ist enorm gestiegen", sagt sie. 30 bis 50 Restaurants in Chemnitz, Leipzig und Dresden bestellen beispielsweise essbare Gänseblümchen, Ackerstiefmütterchen und Margeriten, um Braten zu verschönern. Sie verschicke Wildkräuter-Mischungen in 100-Gramm-Packungen. Außerdem liefere sie beispielsweise an eine Bio-Eisdiele in Leipzig Wildrosen, die diese zu einem Eis verarbeitet. Zurzeit werde probiert, ob auch die Blüten des Krautes Mädesüß dem Eis beigemischt werden könnten. Außerdem habe die Produktion von Bio-Gemüse im neu erbauten Folienzelt zugenommen, ergänzt sie. Sie liefere an Bio-Höfe und -Handel.

Zudem bietet die gebürtige Leipzigerin seit April freitags und samstags Wildkräuter-Wanderungen im Chemnitztal an. Interessierte könnten mit ihr auf eine zwei Kilometer lange Tour gehen und von Wiesen und Waldrändern essbare Blüten und Wildkräuter sammeln. "Anschließend wird ein Salat zubereitet und gemeinsam verkostet. Dazu gibt es Hinweise und Rezepte", sagt die Fachfrau. Für viele Teilnehmer sei es ungewöhnlich, wenn man beispielsweise das Unkraut Giersch oder Löwenzahnblüten zu einem Salat verarbeitet.

Den ehemaligen Kuhstall des Gehöftes in Garnsdorf hat Sonja Schulze innerhalb eines Jahres zu einem Seminar-Raum umgebaut. Unter dem Rundbogengewölbe des Fachwerkhauses aus den 1820er-Jahren finden nach der Wanderung Vorträge und Verkostungen statt.

 
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Unternehmen aus Garnsdorf produziert ein Jahr nach Ehec-Krise wieder Sprossen
Ehec-Keime forderten 53 Todesopfer in Deutschland
 
erschienen am 25.05.2012 ( Von Bettina Junge )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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