Urne mit Asche eines Verstorbenen verschwunden
Sie ähnelt einer Vase, sieht blau aus und soll über Nacht aus einem Auto gestohlen worden sein
Hat ein Dieb im Beimlergebiet aus einem Auto eine Urne mit der Asche eines Toten gestohlen? Wie die Polizei mitteilte, erstattete eine 41-Jährige am Dienstag jedenfalls eine entsprechende Anzeige. Demnach soll die Urne mit der Asche ihres bereits 2007 verstorbenen und in Ungarn beigesetzten Vaters in der Nacht zu Samstag vergangener Woche (10. Dezember) auf der Artur-Strobel-Straße aus ihrem Landrover gestohlen worden sein. Dort hatte sie die Frau unter dem Beifahrersitz abgestellt.
Die 41-Jährige lebt den Angaben zufolge in Großbritannien und sei zu den Weihnachtsfeiertagen bei Verwandten in Chemnitz zu Besuch. Deshalb habe sie die Urne aus Ungarn mitgebracht. Die Ausfuhrpapiere ungarischer Behörden lägen vor, sagte Polizeisprecherin Heidi Hennig. Am Freitagabend gegen 18Uhr habe die Frau nach ihren Aussagen ihr Auto abgestellt und verriegelt, am Samstagvormittag dann aber festgestellt, dass die Beifahrertür nicht mehr verriegelt und die Urne verschwunden sei. Weitere Gegenstände fehlten offenbar nicht. Unklar blieb zunächst, warum sie die Urne über Nacht im Auto ließ.
Mit ihrer Anzeige hoffe die Frau nun vor allem, dass sie die Urne mit den sterblichen Überresten ihres Vaters zurückerhält, so die Polizei weiter. Denn möglicherweise sei sich der Dieb gar nicht dessen bewusst, was er da gestohlen hat. Die kobaltblaue Urne befindet sich in einer Schatulle aus hellblauem Samt. Sie soll wie eine oben verschlossene Vase aussehen, sei etwa zehn Zentimeter groß und rundherum mit einem Zickzackmuster graviert.
Die Polizei ermittelt nun wegen Diebstahls. Zugleich wird geprüft, ob die Frau mit der Urne überhaupt unterwegs sein durfte. Wie der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, Rolf Lichtner, auf Anfrage der "Freien Presse" sagte, ist es durchaus statthaft, Urnen mit der Asche Verstorbener aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen. Dies werde auch auf dem Postweg regelmäßig praktiziert. "Die Urne müsste dann allerdings auch beigesetzt werden." Denn eine private Aufbewahrung der Asche Verstorbener sei in Deutschland nicht erlaubt. Gleichwohl passiere es immer mal wieder, dass Urnen gestohlen werden. "Häufig tauchen sie dann aber auch wieder auf", so Lichtner. Zuletzt war Anfang November in Bayern eine Urne aus einem Auto gestohlen worden - auf dem Weg zur Beisetzung.
Hinweise auf die verschwundene Schatulle samt Urne nimmt die Polizei unter Telefon 03713872279 entgegen.


