Ausgrabungsstücke in Kisten Grabungsleiter Ralph Kretzschmar hat Mühe, den Überblick zu behalten: In rund 860 Kisten, die in einem Fabrikgebäude am Sonnenberg lagern, werden die Fossilien der Hilbersdorfer Grabungen aufbewahrt. Das Geld für die Auswertung und Erforschung der Fundstücke ist jedoch bald aufgebraucht.

Foto: Härtelpress

Versteinerter Wald: Ab Herbst kein Geld mehr für Auswertung der Grabungsfunde

Naturkundemuseum muss Forschung an Fundstücken einstellen

Chemnitz. Ab Herbst dieses Jahres kann sich das Naturkundemuseum die Erforschung der Fundstücke aus der Grabungsstätte in Hilbersdorf nicht mehr leisten. Die Förderung durch die Volkswagen-Stiftung läuft aus, eine Anschlussförderung ist ungewiss. Die Stiftung finanziert noch bis September zwei Wissenschaftler, die die Funde auswerten. Ohne den Zuschuss können die beiden nicht mehr beschäftigt werden.

Wie der Direktor des Naturkundemuseums, Ronny Rößler, der "Freien Presse" sagte, seien bisher erst zehn Prozent der Fundstücke ausgewertet. "Die Ergebnisse sind von internationaler Bedeutung", fügte er hinzu. Mit den Fossilien könne man erstmals ein ganzes Ökosystem rekonstruieren.

Von 2008 bis 2010 hatten Mitarbeiter des Naturkundemuseums und mehr als 200 freiwillige Helfer Fossilien aus der Grabungsstätte an der Frankenberger Straße geborgen. Darunter waren ein versteinerter Geißelskorpion und ein Schachtelhalm, der später von der deutschen Paläontologischen Gesellschaft zum Fossil des Jahres gekürt wurde.

Sorgen macht Museumsleiter Rößler auch die Lagerung der Fundstücke. Die 860 Kisten mit den Grabungsfunden stehen derzeit in einer ehemaligen Fabrikhalle am Sonnenberg. Das Gelände hat das Naturkundemuseum laut Rößler zu günstigen Konditionen von der Stadtverwaltung gemietet. Die Miete sei bisher aus den Fördergeldern der Volkswagen-Stiftung bezahlt worden. "Jetzt muss ich sehen, dass ich das aus dem Budget des Naturkundemuseums heraushole", so Rößler. Dafür müsse er an anderer Stelle Ausgaben streichen. Wo er kürzen soll, wisse er nicht. Die Stadtverwaltung werde ihr Budget fürs Museum wahrscheinlich nicht aufstocken. Die Förderung der Volkswagen-Stiftung sei lediglich als Anschub für die Forschung gedacht, sagt er. "Jetzt muss die Stadt ihrer Verantwortung gerecht werden."

Einige der gelagerten Fundstücke sind empfindlich. Bestimmte Steine könnten laut Grabungsleiter Ralph Kretzschmar einfach schrumpfen, wenn sie falsch gelagert werden. "Wir haben das im Griff", sagt er. "Aber wir wüssten gerne, ob wir bleiben können." Der Stellplatz sei bisher nur provisorisch.

In der Stadtverwaltung hofft man derweil auf eine erneute Förderung von außerhalb. "Die besondere Qualität der Arbeit" habe schon einmal zu einer erfolgreichen Mitteleinwerbung geführt, erklärte Rathaus-Sprecherin Katja Uhlemann. "Wir gehen davon aus, dass das wieder gelingen wird", ergänzte sie.

Museumsdirektor Rößler will bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft für 2013 neue Fördermittel beantragen. Das ist ein Verein, der bundesweit wissenschaftliche Projekte unterstützt. Um die Chancen für eine Zusage zu erhöhen, will das Chemnitzer Museum laut Rößler mit den Universitäten Freiburg und Tübingen kooperieren. Von den DFG-Fördermitteln will das Naturkundemuseum zwei neue Wissenschaftler einstellen. Wird der neue Förderantrag abgelehnt, könnte es dagegen eng werden. "Wir haben keinen Plan B", sagt Rößler.

Die Arbeit an den Fundstücken ist noch lange nicht abgeschlossen. "Wir haben noch zehn Jahre Arbeit für fünf Männer", sagt Grabungsleiter Ralph Kretzschmar. Die Auswertung einzelner Fundstücke könne mehrere Jahre dauern.

Trotz der schwierigen Finanzierung weiß Rößler bereits, was mit den Fundstücken passieren soll, sobald sie ausgewertet sind. "Wir haben die Vision eine Dauerausstellung im Naturkundemuseum einzurichten", sagt er. "Aber das hängt an den Finanzen." Bis dahin hofft sein Kollege Ralph Kretzschmar auf den Unesco-Welterbetitel. "Dann muss sich die Stadt klar zum Versteinerten Wald bekennen."

 
erschienen am 21.02.2012 ( Von Timo Stukenberg )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
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  • 24.02.2012
    14:13 Uhr

    Grabungsteam: @"Gruselkäfer":
    Wir haben im Moment keinen speziellen Spendenaufruf laufen, freuen uns aber immer über Unterstützung. Uns ist das mit den Spenden bewusst, wer hat schon richtig Geld übrig? Andererseits haben wir unsere Grabung von 2008-2011 nur mit Hilfe von Sposoren, Spenden und freiwilligen Helfer/Studenten gemacht. Ein Millionär kam da aber auch nicht angeritten auf einem weissen Pferd. Wir hätten auch die Stadt fragen und auf Geld von da warten können, vermutlich hätten wir dank klammer Kassen aber nie mit graben angefangen. Eigeninitiative ist uns da wichtiger.
    Auch ohne Geld kann man das Projekt unterstützen, zum Beispiel indem man für den UNESCO-Welterbetitel stimmt. Wenn wir mal wieder konkret Unterstützung brauchen, melden wir uns. Aber danke für das Interesse!

    0 1
     
  • 23.02.2012
    12:06 Uhr

    HorrorBeetle: @Grabungsteam:
    In welcher Größenordnung reden wir denn hier?
    Spenden sind schön und gut. Die Summe muss aber für den Spender erreichbar sein. Denn, verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich zu viel Geld hätte, so dass ich spenden könnte, dann sicher nicht an die Auswertung von ausgegrabenen Dingen, sondern nach Kenia oder in Katastrophengebiete. Besonders nicht wenn der Staat dafür aufkommen müsste.

    0 0
     
  • 22.02.2012
    08:58 Uhr

    Grabungsteam: Irgendwie ist einiges nicht mehr zu verstehen...
    Das Spendenkonto gibt es übrigens schon, beim Freundeskreis des Museums. Da kann sich jeder engagieren, der mag. Wir würden uns freuen, denn ohne geht leider nicht viel.
    Ralph Kretzschmar

    0 1
     
  • 22.02.2012
    07:16 Uhr

    BesucherNRW: Es ist nicht zu verstehen, es werden Milliarden für Griechenland rausgeschmissen und für die eigene Geschichte ist kein Cent da. Das ist nicht zu verstehn.
    Vielleicht findet sich eine Privatperson o.ä. und richtet ein Spendenkonto ein. Ich wäre beim Spenden dabei, Ihr auch????

    0 3
     

 
 
 
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