Anfang 2012: Kai Schulze, Direktor des Hotels an der Oper, in einem der 91modern eingerichteten Zimmer mit Blick auf den Theaterplatz.
Anfang 2012: Kai Schulze, Direktor des Hotels an der Oper, in einem der 91modern eingerichteten Zimmer mit Blick auf den Theaterplatz.

Foto: A. Seidel

Vom Interhotel zum Vier-Sterne-Haus

Der vielleicht schönste Blick auf den Theaterplatz - vor 50 Jahren wurde das Hotel an der Oper unter dem Namen Moskau eröffnet

Chemnitz. Es beherbergte DDR-Stars wie Gisela May, den damaligen sowjetischen Botschafter Pjotr Abrassimow, und auch Walter Ulbricht soll hier genächtigt haben anlässlich der 800-Jahrfeier im Sommer 1965: Das Interhotel Moskau an der Straße der Nationen gehörte zu den ersten Adressen in Karl-Marx-Stadt. Nach 1989 umbenannt in Hotel Europa, firmiert es heute als Vier-Sterne-Haus unter dem Namen Hotel an der Oper.

Geplant worden war der siebenstöckige Nachkriegsneubau zunächst als eine Art Appartementhaus. "Die Umprofilierung", vorgenommen offenbar erst in der letzten Bauphase, "brachte für den technologischen Ablauf des Hotels Probleme mit sich, die auch bis heute noch nicht restlos überwunden sind", heißt es in einem anlässlich des zehnjährigen Bestehens veröffentlichten zeitgenössischen Bericht.

Das Moskau gehörte zu dieser Zeit bereits seit mehreren Jahren zur Interhotel-Kette und damit zur gehobenen Klasse des DDR-Beherbergungswesens. Gäste aus "nichtsozialistischen Wirtschaftsgebieten" waren besonders willkommen. Mehr als eine Million Übernachtungen wurden unterm Strich allein in den ersten 20Jahren gezählt.

"Sie werden platziert"

Bei den Karl-Marx-Städtern war das Haus besonders für seine Nachtbar bekannt. Zunächst als Weinlokal geführt, wurde der Bereich bereits in den ersten Jahren nach der Hoteleröffnung wieder umgestaltet. "Balalaica" und "Leningrader Nacht" hießen damals die Cocktails, serviert von einem der besten Serviermeister der gesamten Interhotel-Kette, ausgezeichnet mit dem Wettbewerbsabzeichen "Goldenes I".

Doch es herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. "Sie werden platziert", lautete über Jahre hinweg die Regel am Eingang des Tanzcafés. "Wir wollen mit Bekannten hier Mittagessen und brauchen neun Plätze", schilderte eine Besucherin aus Hartmannsdorf Ende Dezember 1978 einem Reporter der "Freien Presse". "Sechs von uns sind schon drin. Unser Vater stand bereits vor einer Dreiviertelstunde an."

Anfang der 1990er-Jahre wurde das Haus erstmals umfassend modernisiert. Alle der damals 109 Zimmer böten nunmehr "West-Komfort", hieß es. "Angefangen bei der Raumausstattung, über Telefon und Farbfernseher bis hin zum Neuen Testament." Wochentags war das Haus zeitweise zu fast 100 Prozent belegt, schilderte seinerzeit der damalige Geschäftsführer Peter Klingst. "Wenn sich diese Zahl in Zukunft halten lässt, dann wären wir sehr zufrieden."

Heute ist Kai Schulze Direktor des Hotels an der Oper. Und er zeichnet ein ganz ähnliches Bild. "Besonders unter der Woche läuft es richtig gut, 90 Prozent unserer Gäste sind Geschäftsreisende." Aber auch Individualtouristen spreche das Hotel an. "Chemnitz hat kulturell einiges zu bieten. Freuen würden wir uns, wenn die Stadt sich noch stärker als Standort für Tagungen und Kongresse etablieren könnte", meint Schulze. Mit rund 20.000 Gästen rechnet der Hotelchef in diesem Jahr. "Und es gibt durchaus immer wieder Fragen, ob wir nicht das frühere Interhotel Moskau sind."

Der Name lebt weiter

Seit der Übernahme der Immobilie durch eine überaus wohlhabende bayerische Unternehmerfamilie wurde in das Haus in den vergangenen Jahren noch einmal kräftig investiert. Das Hotel ist mittlerweile voll klimatisiert und hat eine eigene Zufahrt erhalten. Noch in diesem Monat soll ein hoteleigener Sauna- und Fitnessbereich in Betrieb gehen.

Der Name Moskau lebt unterdessen im gleichnamigen Café nebenan weiter. Für Betreiber André Donath, der es im Frühjahr 1999 eröffnete, war von Beginn an klar, auf die Tradition des Hotels nebenan zu setzen. "Da gab's nix zu überlegen. Alles andere wäre sträflich gewesen", meint der 47-Jährige rückblickend. Und hinter einigen, hierzulande altbekannten Einträgen in seiner Speisekarte, wie Steak au four, Würzfleisch oder Soljanka, prangt das Logo des einstigen Interhotels Moskau bis heute. "Und diese Gerichte sind auch heute richtige Renner", so Donath.

Für Mai, den Saisonbeginn der Freiluftgastronomie, planen der Café-Chef und Hoteldirektor Schulze ein zehntägiges Spektakel zum Fünfzigsten des Moskau. Mit einer Bühne, Livemusik und Show-Auftritten. Eine Zeitreise durch 50 Jahre Hotel-Geschichte kann man unterdessen schon heute erleben: In einer kleinen Ausstellung im Billard-Bereich des Café Moskau erinnern vergrößerte Ansichtskarten und allerlei Zeugnisse an Interhotel, Nachtbar und Tanzcafé.

 
erschienen am 31.01.2012 ( Von Michael Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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