Diesen 290 Millionen Jahre alten, verkieselten Ast will Thorid Zierold, Biologin im Naturkundemuseum, am Dienstag mit nach Dresden nehmen.
Diesen 290 Millionen Jahre alten, verkieselten Ast will Thorid Zierold, Biologin im Naturkundemuseum, am Dienstag mit nach Dresden nehmen.

Foto: A. Truxa

Welterbe: Chemnitz setzt zum Sprung an

Am Dienstag entscheidet sich, ob der Versteinerte Wald im Rennen bleibt

Chemnitz. Die Konkurrenz ist groß. Insgesamt zehn Welterbe-Bewerbungen liegen dem Innenministerium vor, darunter die Meißner Albrechtsburg mit Dom, die Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz und Schloss Hartenfels in Torgau. Zwei davon kommen auf die Vorschlagsliste des Freistaates - und nur diese können sich Hoffnung machen, am Ende tatsächlich auf der Unesco-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt zu stehen.

Zur Präsentation der Bewerbung, die am Dienstagmittag in Dresden stattfindet, ist die Stadt Chemnitz mit einer sechsköpfigen Delegation vor Ort. Dieser gehören Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Kulturdezernent Philipp Rochold, Tietz-Chef Bernd Ruscher, CDU-Stadtrat Bernd Reinshagen sowie Ronny Rößler und Thorid Zierold vom Naturkundemuseum an. Die Biologin wird einen 20-minütigen Vortrag halten, anschließend findet eine ebenso lange Fragerunde statt.

Mit im Gepäck hat die Delegation einen etwa einen halben Meter langen, verkieselten Ast, der aus der 2010 beendeten Grabung an der Frankenberger Straße stammt und rund 290 Millionen Jahre alt ist. "Uns ist es bislang nicht gelungen, die Spezies eindeutig zu klassifizieren", so Zierold. Das Objekt sei aber etwas Besonderes, da auf einer Seite deutliche Abrissspuren zu erkennen seien. Insgesamt besitzt das Chemnitzer Naturkundemuseum einen Fundus von etwa 25.000 versteinerten Pflanzen und Tieren. Annähernd 2000 davon stammen aus dem Boden des 18 mal 24 Meter großen Grundstücks im Stadtteil Hilbersdorf, auf dem die Grabungen im Jahr 2008 begonnen hatten.

Skorpion ist Höhepunkt

Zu den infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs konservierten Funden, die in 850 Sammlungskisten im Museumsarchiv liegen, zählen unter anderem 53 Baumstämme, fünf Saurierabdrücke, vier Abdrücke von Tausendfüßlern und sechs von Spinnen. Eine Auswahl davon ist seit einer Woche in einer Sonderausstellung im Naturkundemuseum zu sehen, die den Titel "Die Kunst des Sammelns" trägt. Höhepunkt ist der Abdruck eines Geißelskorpions. Laut Sammlungstechniker Ralph Kretzschmar handelt es sich dabei um das weltweit erste nachgewiesene Tier dieser Art aus der Zeit des Perm, die vor annähernd 299 Millionen Jahren begann und vor rund 251 Millionen Jahren endete.

Im Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme wurde "Bruno", so der Name des erst vor wenigen Wochen gefundenen Tieres, bereits mit dem Computertomografen durchleuchtet. 1000 Bilder aus unterschiedlichen Drehwinkeln fügten die Wissenschaftler anschließend zu einer dreidimensionalen Darstellung zusammen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass der etwa drei Zentimeter lange Skorpion Scheren mit winzigen Stacheln besessen haben muss.

Weitere Grabungen noch 2012

Nach Einschätzung von Museumsleiter Ronny Rößler ist die Durchforstung sämtlicher Materialkisten eine "Aufgabe für Jahre", die zum Großteil neben der Museumsarbeit vonstatten gehen muss. Und weitere Funde dürften hinzukommen. Denn noch 2012 sollen die Grabungen auf dem Gelände des einstigen Europa-Kinos an der Hainstraße beginnen - die Probebohrungen am sogenannten "Fenster in die Erdgeschichte" seien erfolgreich verlaufen. Laut Thorid Zierold ist das auch kein Wunder. "Vermutlich, so die Biologin, "würden wir auf dem Sonnenberg und in Hilbersdorf an fast jeder Stelle fündig werden".

Die Ausstellung im Naturkundemuseum im Tietz, Moritzstraße 20, ist wochentags von 10 bis 20 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr geöffnet. Mittwoch ist Ruhetag.

 

 

 

 

 

 
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Welterbe: Chemnitz setzt zum Sprung an
Ein schwieriger Parcours
 
erschienen am 26.03.2012 ( Von Jürgen Werner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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