Volker Dietz von der Bildungswerkstatt Chemnitz erklärt den Neuntklässlern Fabian Malinowski und Lukas Kühnert (re.) aus der Gerhart-Hauptmann-Mittelschule Limbach-Oberfrohna ein mechatronisches System.
Foto: Andreas Truxa
Wenn Unternehmen Schüler umwerben
Mehr Lehrstellen als Bewerber - Folge: An Ausbildungsmesse in Limbach-Oberfrohna nehmen mehr Firmen teil
Limbach-Oberfrohna. Mit etwa 1000 Besuchern hat die Ausbildungsmesse am Samstagvormittag in der Stadthalle nach Schätzung der Veranstalter noch mehr Jugendliche und Eltern angelockt als im Vorjahr. Es war die 13. Auflage der Veranstaltung, die auf eine Initiative von Oberbürgermeister Hans-Christian Rickauer zurückgeht. 73 Aussteller, 19 mehr als zuletzt, gaben Interessierten die Möglichkeit, mit Geschäftsführern, Personalleitern und Azubis ins Gespräch zu kommen.
"Wir spüren die geburtenschwachen Jahrgänge deutlich: Es kostet uns viel Engagement, alle Stellen zu besetzen", sagte Jörg Müller, Ausbilder im Limbach-Oberfrohnaer Werk des Automobilzulieferers Continental. 2011 sei eine von 20 Ausbildungsstellen frei geblieben, auch momentan ist noch eine zum Werkstoffprüfer frei. Dabei werde Schulabgängern einiges geboten: Vergütung nach Tarif, also 807 bis 946 Euro im Monat je nach Lehrjahr, die Möglichkeit zu einem dualen Studium in den Bereichen Technik und Wirtschaft, sichere Übernahme für mindestens ein Jahr. Dementsprechend konnte sich der Betrieb zumindest auf der Messe über mangelndes Interesse nicht beklagen.
Am Stand des Limbach-Oberfrohnaer Restaurants Mirabeau kosteten viele Besucher die vor Ort von den Azubis zubereiteten Crostini und Cocktails. Interessierten rät Inhaber und Chefkoch Uwe Probst vor einer Ausbildung zur umfassenden Beschäftigung mit dem Berufsfeld. Bewerber hätten bei ihm gute Chancen: "Wir suchen noch je einen Auszubildenden für Service und Küche." Im Normalfall würden Lehrlinge nach der Ausbildung allerdings nicht direkt übernommen: "In der Gastronomie ist es wichtig, so viele verschiedene Erfahrungen wie möglich zu sammeln", sagt Probst.
Anders ist es bei der Sparkasse Chemnitz. "Wir bilden so viele junge Menschen aus, wie wir auch übernehmen können", erklärte Personalleiterin Michaela Schmalz. 2011 sei allen Absolventen eine Stelle angeboten worden. Bewerber sollten auf dem Realschulzeugnis Zweien in Mathematik, Deutsch, Gemeinschaftskunde und den Kopfnoten mitbringen, Abiturienten acht Notenpunkte, also eine sichere Drei. Das Lehrlingsgeld betrage zwischen 750 und 869 Euro im Monat.
Das Diakoniekrankenhaus Hartmannsdorf erwartet als Voraussetzung für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger von Realschülern einen Zensurendurchschnitt von 2,2, für Gymnasiasten liegt er bei 3,3. "Viel wichtiger als das Zeugnis ist aber der Mensch, der hinter den Noten steckt", sagte der Auszubildende Christoph Hengst. Jedes Jahr bilde das Krankenhaus zwölf junge Leute aus, wobei die Bewerbezahl auch hier sinke. Obwohl Mädchen nach wie vor die deutliche Mehrheit stellen, sei die Branche keine reine Frauendomäne mehr.
Lukas Kühnert von der Gerhardt-Hauptmann-Mittelschule Limbach-Oberfrohna möchte später entweder in der Metall- oder Computerindustrie arbeiten. "Die Messe war für mich sinnvoll, weil ich zum Beispiel herausgefunden habe, dass Mechatroniker etwas für mich wäre und welchen Notendurchschnitt ich dafür brauche", so der 15-Jährige. Die gleichaltrige Jessica Kruse zeigte sich dagegen enttäuscht: "Ich will auf jeden Fall etwas mit Kindern machen, habe für mich aber auf der Messe leider überhaupt keine passenden Angebote gefunden."


