"Allee erhalten!", steht auf dem Transparent, das Mitglieder des Stadtforums Chemnitz gestern am unteren Ende der Reichenhainer Straße befestigt haben. Um Fällungen zu verhindern, fordern sie, Alternativen zur geplanten Straßenbahntrasse entlang der Reichenhainer Straße zu prüfen. "Allee erhalten!", steht auf dem Transparent, das Mitglieder des Stadtforums Chemnitz gestern am unteren Ende der Reichenhainer Straße befestigt haben. Um Fällungen zu verhindern, fordern sie, Alternativen zur geplanten Straßenbahntrasse entlang der Reichenhainer Straße zu prüfen.

Foto: Andreas Seidel

Widerstand gegen Bahntrasse auf der Reichenhainer Straße in Chemnitz

Planungen für den Ausbau des Chemnitzer Modells über den Uni-Campus gehen weiter - Kritiker fordern Erhalt der Mittelallee

Chemnitz. Sie ist die einzige Allee dieser Art im Stadtgebiet und könnte in nicht allzu ferner Zeit bereits Geschichte sein. Pläne zum Ausbau des Chemnitzer Modells sehen vor, dass die Linden und Platanen in der Mitte der Reichenhainer Straße einer neuen Straßenbahntrasse weichen. Sie soll das Stadtzentrum direkt mit dem Uni-Campus verbinden, zunächst von der Bernsdorfer über die Turnstraße führen und jenseits des Technologiecampus in die bestehende Eisenbahnstrecke nach Aue münden.

Gegen die Pläne formiert sich Widerstand bei Anwohnern und Anliegern. Gerade die älteren unter ihnen fürchten um ein ihnen wichtiges Stück Lebensqualität vor der Haustür. "Ich wohne seit 1956 hier. Die Bäume gehören einfach dazu", sagt Gudrun Kadow. Ähnlich die Einschätzung einer Wohnungseigentümerin. "Als ich 1997 hierher gezogen bin, habe ich mich extra erkundigt, ob die Allee so bleibt", schildert sie. Und auch Regina Kreusel, einst selbst Straßenbahnfahrerin, spricht sich gegen die Pläne aus. "Nichts gegen eine neue Straßenbahn - aber nicht dort, wo die Bäume stehen."

Unterstützung erhalten die Anwohner vom Stadtforum Chemnitz, einem Bündnis, das sich seit Jahren intensiv mit der Entwicklung der Stadt auseinandersetzt. Am Dienstagabend lud die Initiative zu einem Gedankenaustausch an der Mensa ein. Zuvor waren an verschiedenen Stellen der Reichenhainer Straße Transparente für den Erhalt der Allee angebracht, bereits am Montag zahlreiche der 160 bedrohten Bäume mit Schleifen versehen worden.

"Wir sind nicht gegen das Chemnitzer Modell. Aber wir glauben, dass es Alternativen zur geplanten Trasse gibt und ein Erhalt der Bäume möglich ist", erläutert Architekt Gert Rehn. Zudem fordert das Stadtforum eine politische Diskussion in der Stadt zu den Investitions- und Folgekosten.

Eine Alternative zur Trasse über die Reichenhainer Straße stellt das Stadtforum selbst zur Debatte: Sie zweigt erst an der Gutenbergstraße von der Bernsdorfer Straße ab und würde über weitgehend unbebautes Gelände geradewegs bis zur Mensa führen und dort die Reichenhainer Straße queren. Diese Trasse, so rechnet das Stadtforum auf einem Flugblatt vor, wäre sogar 30 Prozent kürzer als die geplante.

Der für die Planungen zuständige Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) indes hält an seiner Vorzugsvariante fest. "Daran hat sich nichts geändert", bestätigt Sprecherin Silke Dinger und betont, dass im Anschluss an den geplanten Umbau mehr Bäume neu gepflanzt würden, als heute an der Reichenhainer Straße vorhanden seien. Der Alleecharakter solle wiederhergestellt werden. Derzeit bereite der VMS die Ausschreibung der Planungsleistungen vor, so Dinger. Im Zuge der sogenannten Entwurfsplanung sollen dann auch die Bürger aktiv einbezogen werden. Nach Ansicht der Kritiker ist das zu spät. "Alternativen zur Trasse werden dann nicht mehr diskutiert", so Gert Rehn.

 

 
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Widerstand gegen Bahntrasse auf der Reichenhainer Straße in Chemnitz
Ohne Umsteigen in die City
 
erschienen am 10.07.2012 (Von Michael Müller)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
23
(Anmeldung erforderlich)
  • 14.07.2012
    08:15 Uhr

    Danrose: Mir fehlt bei der Planung ein gutes Gesamtkonzept. Es ist natürlich richtig, dass Studierende besser durch eine Straßenbahn auf der Reichenhainer Straße von Mensa und Neuem Hörsaalgebäude weg kommen, als 500 m zur existierenden Bahntrasse laufen zu müssen.

    Was mir nicht einleuchtet:
    - Die Linie 51 verbindet nicht nur drei Unistandorte. Auch der Stadtteil Reichenhain mit einem hohen Anteil an Familien (Schulkindern) wird angebunden. Durch den Bahnbau entfällt die bisherige Buslinie und die Verkehrsanbindung des Stadtteils wird verschlechtert! Wird beim Chemnitzer Modell nur eine Anbindung des näheren Umlandes an Chemnitz gesehen? Sollen Bewohner der Stadt also lieber dorthin ziehen?
    - Die Anbindung nach Thalheim kann acuh über die bestehende Bahntrasse erfolgen.
    - Ein Teil der Unieinrichtungen soll ins Stadtzentrum verlagert werden, m.E. sind insbesondere östlich der Reichenhainer Straße gelagerte Institute/Einrichtungen betroffen. Von Stadtorten westlich der Reichenhainer Straße aus, ist die bisherige Bahntrasse gut zu erreichen, vom smart-Campus-Gelände, und dem Frauenhofer Institut ENAS sogar besser.

    - Das Chemnitzer Modell ist eine Insellösung, die in erster Linie dem Umland dient und nicht der Stadt - Pendler können vom Umland aus nach Chemnitz kommen und müssen nicht in die Stadt ziehen, wo sie dann Steuern zahlen würden. Chemnitz als Stadt bräuchte viel dringender ein Fernverkehrskonzept mit guten Verkehrsanbindungen. IC sind leider immer noch Fehlanzeige und es soll noch schwieriger werden, weil selbst der IRE auf der Strecke DD-N entfallen soll. Die Autobahn nach Leipzig wird sehr langsam gebaut, der Umbau der Bahnstrecke immer wieder verzögert (Taktik der Leipziger, inkl. Herrn Teifensee ehemals OB L - Chemnitz ist ein wirtschaftlicher Konkurrent). Damit keiner sich engagiert, werden wir mit dem Chemnitzer Modell abgespeist und beschäftigt???

    Die Argumente bzgl. einer Gefährundung der Fußgänger durch ein hohes Verkehrsaufkommen auf der REichenhainer Straße sind nciht richtig. Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen sind die Zwickauer Straße, Leipziger Straße und ggf. noch die Zschopauer Straße, sowie die Annaberger Straße. Auf der Reichenhainer Straße gibt es immer wieder Lücken. Es ist ein weitgehend funktionierendes Miteinander von Fußgängern und Autofahrern. Die Radfahrer bräuchten eine bessere Anbindung am Sportforum entlang und vom Südbahnhof Richtung Innenstadt. Der Straßenbelag ist an sich schlecht. Sonst gibt es aber keinen Bedarf einer Veränderung.

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  • 13.07.2012
    11:06 Uhr

    keko: Also mal ehrlich. Glaubt hier wirklich jemand, dass der Bund Fördermittel zusichert für ein Projekt, wo jemand einfach mal so, ohne groß zu überlegen, einen Strich über die Reichenhainer Straße gezogen hat? Da müssen sicher eine Menge Nachweise erbracht werden, dass das Projekt auch sein Geld wert ist und das auch noch in 20-30 Jahren.
    Im Mai letzten Jahres wurden in der Mensa die Varianten vorgestellt und auch ziemlich plausibel dargestellt, warum die Bäume eine Baumaßnahme nicht überleben würden. Ich konnte das nachvollziehen. Außerdem waren in den Plänen überall Bäume als Neupflanzung drin.
    Ich gehe mal davon aus, dass die dann auch gepflanzt werden. Wenn man das von vornherein anzweifelt, was in der Planung steht (neue Bäume), könnte man ja auch anzweifeln, dass die vorhandenen Bäume gefällt werden und spätestens dann würde ich mich doch mal fragen, warum jemand so viel Papier bedruckt, wenn er gar nicht bauen will? Also gehe ich mal davon aus, dass entweder alles, was auf dem Plan ist umgesetzt wird oder nichts davon!

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  • 12.07.2012
    21:39 Uhr

    Sosika: Ich fahre jeden Tag morgens die Reichenhainer Straße runter und am Nachmittag oder abends wieder rauf. Ich könnte auch die Annaberger Straße fahren - aber ich genieße diese schöne Strecke, die sich noch dazu recht flott fahren lässt. Noch nicht einmal habe ich dort einen Stau erlebt und ich fände es ganz furchtbar, wenn diese wunderbaren Bäume einer Straßenbahn weichen müssten. Das wäre dann so wie auf der Annaberger Straße - gräßlich. Warum kann die Straßenbahntrasse nicht über die Fraunhofer Straße - hinter der Uni lang führen. So kommen die Studenten auch von der Innenstadt zum Unigelände. Ich wünschte mir man würde mit ein wenig mehr Kreativität und Weitsichtigkeit planen. Aber wer macht sich denn heute wirklich noch Gedanken über Sinn und Unsinn einer Sache. Es ist sehr traurig, was mit unserer Stadt in den letzten Jahren so passiert ist. Kann sein, dass ich schon alt bin und das deshalb nicht mehr verstehe - aber eine attraktive Stadt, sinnvoll geplant, stelle ich mir anders vor.

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  • 12.07.2012
    15:18 Uhr

    max142: @annemuh: Welche Studenten nutzen denn den Mittelstreifen als Pausenaufenthalt? Immer wenn ich an der Uni vorbeikomme sind dort nur Studenten anzutreffen die hektisch die Straßenseitewechseln. Ich denke da sind schon wesentlich mehr Studenten von völlig überfüllten Bussen betroffen.

    Die Straßenbahnschinen in die Straße zu integriern funktioniert leider nur, wenn eine Straße nicht so stark befahren ist. An der Reichenhainer Straße staut sich jedoch bereits jetzt der Verkehr in den Berufs-/Univerkehrszeiten und es würde ein heilloses Caos enstehen da noch eine Straßenbahn unterzubringen. Mal abgesehn, dass dies an den Haltestellen zu großen Probleme führen würde.

    @Emma0815: In einem Kraftwerk kann man Energie auf jeden Fall effizienter aus Fossilen-Brennstoffen gewinnen als dies im Auto geschieht und außerdem hoffen wir ja mal auf den weiteren Ausbau von alternativen Energien, ansonsten kann man sich auch die Einführung von Elketrofahrzeugen sparen. Dort ist der Wirkungsgrad sowieso noch geringer weil Enerige beim speichern im Akku verlorgen geht.

    Das Prestigio was eine Straßenbahn mit sich bringt klingt zwar im ersten Moment sehr weit hergeholt, jedoch zeigen Studien aus vielen anderen Städten, dass die Anzahl der Fahrgäste um circa 20 Prozent steigt, wenn man eine Strecke von Bus- auf Straßenbahnbetrieb umstellt.

    @ irgend jemaden aus einen weiter zurück liegenden Kommentar:
    Dort ging es darum, dass wir Einwohner ein Leben lang damit leben müssen und die Studenten nach fünf Jahren wieder verschwunden sind. Diese Einstellung halte ich führ sehr fraglich, da hoffenltich immer wieder neue Studenten kommen werden und somit das Problem dauerhaft besteht. Wenn man den Studenten aber keinen aktrativen Verkehrsanschluss bietet, werden diese entweder mit dem Auto kommen, was nicht das Ziel sein kann, oder sie nehmen gleich eine andere Uni und dann können wir die Stadt ganz vergessen.
    Außerdem möchte ich erneut darauf hinweisen, dass überall davon die Rede ist, dass der Alleecharakter erhalten bleiben soll und somit auch wir Bewohnern nur vorübergehend von dem Problem betroffen sind.

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  • 12.07.2012
    14:21 Uhr

    HorrorBeetle: Emma0815: Ich meinem Vergleich vom CO²-Ausstoß meine ich, dass es umwelttechnisch egal ist, welche Art von Fortbewegungsmittel auf der Straße verkehrt. Daher meine ich, dass dies kein Argument gegen (oder für) die Straßenbahn ist.

    Zur Aussage 2 - Prestige einer Straßenbahn - gibt es mehrere statisitische Erhebungen, wonach Menschen lieber mit der Bahn fahren, als mit dem Bus.

    Und das Argument des Lärmschutzes sollte man bitte auch nicht außer Acht lassen, gerade an großen, viel befahrenen Straßen ein wichtiges Thema.

    Ihr habt alle Recht, dass die Bäume sehr schön sind und es sehr traurig ist, dass sie weichen müssen. Aber auch bei einer Fahrbahn auf der Straßen müssten sie gefällt werden. Einziger Ausweg ist die Streckenführung zu verändern und ob das wirklich wirtschaftlicher ist, wage ich stark zu bezweifeln (siehe eines frühen Posts von mir).

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