Niststätte Seit Jahren richten sich Störche auf dem Schornstein der ehemaligen Buntfärberei im Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Rußdorf eine Niststätte ein. Nach 2004 gab es in diesem Jahr erstmals wieder Nachwuchs.

Foto: Privat

Wieder Störche-Nachwuchs in Rußdorf

Sechs Nester sind im Landkreis Zwickau bewohnt

Limbach-Oberfrohna. Auf dem 38 Meter hohen Schornstein einer ehemaligen Buntfärberei an der Waldenburger Straße im Ortsteil Rußdorf hat ein Storchenpaar Nachwuchs bekommen. "Die zwei Jungtiere machen seit Tagen kräftige Flugübungen. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen", sagt Rosemarie Engelmann. Seit Anfang Mai hatte sie das Storchen-Paar von ihrem Haus aus beobachtet und immer gehofft, dass es mit dem Nachwuchs klappen würde.

Obwohl in den vergangenen zehn Jahren meist ein Storchenpaar in Rußdorf war, gab es lediglich 2004 eine erfolgreiche Brut auf dem Schornstein. Ein Jungvogel wurde flügge. Umso mehr freute sich Rosemarie Engelmann, dass in diesem Jahr zwei Jungtiere zur Welt gekommen sind. "Ich hatte schon im Vorjahr gedacht, dass es mit dem Nachwuchs funktioniert. Aber dann fand ich an der Esse Eischalen und vermutete, dass andere Vögel die Eier aus dem Nest der Störche zerstört haben", so Engelmann. Und was mögliche Feinde betrifft, so habe die Limbacherin auch in diesem Jahr ein paar Sorgenfalten bekommen. "Vor Tagen sind ständig zwei Bussarde um die Esse gekreist, und ich hatte Angst, dass sie sich an den Eiern oder den beiden Jungtieren vergreifen." Aber jetzt bestehe keine Gefahr mehr. Die Tiere sind größer geworden und können sich wehren.

So sieht es auch Jens Hering von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Zwickau. "Überhaupt haben Rabenvögel keine Chance, den Jungtieren etwas anzutun. Denn es ist immer ein Elternteil im Nest, der auf den Nachwuchs aufpasst." Eine viel größere Gefahr sei stark anhaltender Regen. "Zum einen wird dadurch die Nahrungssuche schwieriger und zum anderen können sich die jungen Störche schnell unterkühlen", erklärt der Mitarbeiter der Naturschutzbehörde. Da der Nistplatz in Rußdorf mit nahezu 40 Metern sehr hoch ist, sei hier auch ein starker Wind gefährlich für die Störche. Dieses Nest sei zudem das höchst gelegene im Landkreis Zwickau.

Wichtig für die Aufzucht und das Überleben der Jungstörche sei zudem eine ausreichende Nahrung. Deshalb würde sich die Untere Naturschutzbehörde nur dort für Nisthilfen aussprechen, wo auch das Nahrungsumfeld stimmt. "Die Storchen-Eltern ernähren sich von Mäusen und Fröschen. Aber die Jungstörche können in den ersten Wochenderartige Beutetiere nicht aufnehmen. Deshalb benötigen sie Grillen oder Heuschrecken", betont Hering. Und in Rußdorf finden die Störche diese Insekten vor allem im Vogelschutzgebiet Limbacher Teiche. In punkto Nahrung für die Störche sei es ebenso notwendig, dass man sich mit den Bauern vor Ort zusammensetzt. "Doch das ist nicht immer einfach, die Landwirte mit ins Boot zu holen. Es ist zum Beispiel notwendig, auf den Wiesen eine Staffelmahd vorzunehmen. Das heißt, die Wiese nicht mit einem mal zu mähen, damit die Störche über einen längeren Zeitraum noch genügend Nahrung finden", erklärt Hering.

Was viele nicht wissen, auch unter Störchen gebe es Machtkämpfe um Horste - so werden ihre Nester genannt. Und diese Auseinandersetzungen seien oftmals ganz schön heftig. "Der Kampf kann sogar tödlich enden", betont der Landratsamts-Mitarbeiter. Er spricht davon, dass dieses Storchenjahr zu den erfolgreichsten in der Region um Chemnitz zählt. "Sechs Nester sind derzeit im Landkreis Zwickau bewohnt. Das ist beachtlich." Der Grund sei unter anderem ein sehr gutes Mäusejahr. "Zudem kommen Weißstörche über viele Jahre an die gleiche Niststätte, auch wenn sie nicht brüten", so Hering.

Die "produktivsten Störche" im Landkreis gebe es in Schlunzig, einem Ortsteil von Zwickau. Hier hatten sich bereits 1974 auf dem Kirchendach Störche angesiedelt. Zwei Jahre später schlüpften erstmals Jungvögel. "Seither sind dort nahezu 80 Junge flügge geworden", sagt Hobby-Ornithologe Horst Fritsche aus Glauchau.

 
erschienen am 23.07.2012 ( Von Bernd Wild )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
OB-Kandidaten bei Twitter

 
Unsere Partner
aok
chursächsische