Wildwest in Chemnitz: Fußgänger überfällt Autofahrer
Rentner und Taxifahrerin in ihren Fahrzeugen ausgeraubt - Vom Täter fehlt jede Spur
Chemnitz. Ein Unbekannter hat in der Nacht zu Freitag ein älteres Ehepaar in dessen Auto auf der Augustusburger Straße überfallen. Nach Polizeiangaben sprang der Täter vor das fahrende Auto, woraufhin der 78-jährige Fahrer eine Vollbremsung machte. Laut Fahrer habe sich der Mann wie ein "Breakdancer" auf der Fahrbahn bewegt. Der Täter riss die Fahrertür auf, nahm den Fahrer in den Schwitzkasten und raubte sein Handy. Er floh nach der Tat und versteckte sich laut einer Zeugin in Hauseingängen.
Gut zwei Stunden später überfiel ein Unbekannter eine 43-jährige Taxifahrerin. Der Maskierte bedrohte die Frau laut Polizeiangaben mit einem Messer an ihrer Fahrertür, als sie auf der Schüffnerstraße aussteigen wollte. Die Fahrerin stieß ihn mit der Tür zurück und floh. Der Täter nahm ihren Rucksack mit EC-Karte, mobilem Navigationsgerät und Schlüsseln. Die Fahrerin erlitt einen Schock. Die Opfer der beiden Überfälle alarmierten die Polizei. Der Mann soll 1,65 Meter groß und sehr schlank sein.
Noch in derselben Nacht wurde die Polizei über drei versuchte Einbrüche in der Schüffnerstraße im gleichen Stadtteil informiert. Der Täter soll gegen eine Wohnungstür gesprungen sein. An zwei anderen Türen stellte die Polizei Hebelspuren fest. Der Täter konnte keine Tür öffnen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um ein und denselben Täter handelt. Sie setzte noch in der Nacht Fährtensuchhunde ein, konnte den Täter aber nicht fassen.
Die Vorfälle haben am Freitag unter Chemnitzer Taxifahrern für Unruhe gesorgt. "Ich überlege, ob ich nachts noch fahren soll", sagt Taxifahrerin Marina Mühl. Sie fährt seit 18 Jahren Taxi. Sie und ihr Mann sorgten sich um ihre Sicherheit, wenn sie nachts arbeiten müsse. Dann könne man sich nie sicher sein, wer in das Taxi einsteige, sagt Mühl. Sie werde oft beleidigt oder obszön angemacht.
Viele ihrer Kollegen bestätigen, dass sie nachts öfter als tagsüber Probleme mit Fahrgästen hätten. "Ich gucke mir die Fahrgäste jetzt genauer an", sagt ein Taxifahrer, der nicht namentlich genannt werden will.
In diesem Jahr war es nach Angaben der Polizei der erste Übergriff auf eine Taxifahrerin in Chemnitz. "Chemnitz ist für Taxifahrer eigentlich ruhig", sagt Taxifahrer Axel Röder. "Aber aus der Sicht einer Frau mag das anders aussehen."
Manche von Mühls Kollegen erinnert der Vorfall an den brutalen Mord an der Chemnitzer Taxifahrerin Ines H. im Dezember 2007. Ein Jugendlicher stach die 36-Jährige damals während der Nachtschicht in der Nähe des Schloßteichs nieder und verletzte sie lebensgefährlich. Sie starb wenig später im Krankenhaus.
Die Polizei verzeichnete 2011 in Chemnitz insgesamt vier Fälle von Körperverletzung an Taxifahrern. Einer Taxifahrerin schüttete ein Fahrgast einen heißen Becher Kaffee über die Schulter. Danach schlug er ihr ins Gesicht. In zwei von vier Fällen, in denen es um Körperverletzung ging, habe der Fahrgast die Rechnung nicht bezahlen wollen.
Die Polizei bittet um Hinweise zum Täter unter der Telefonnummer 0371 3872279.


