Nachbar Achim Ziegler, im Hintergrund das Unglückshaus. Er glaubte zunächst an einen Unfall auf der Straße.
Foto: Andreas Truxa
Wohnhaus nach Explosion einer Gasflasche teilweise gesperrt
Einem Hobbybastler ging am Dienstagvormittag die eigene Werkstatt in die Luft
Chemnitz. Es klang, als sei ein Lastwagen gegen einen Baum gefahren. "Das wäre ja nicht das erste Mal auf unserer Straße", dachte sich Achim Ziegler am Dienstagvormittag kurz nach 11 Uhr. Von einem Unfall aber war nichts zu sehen.
Dass eine Explosion im Dachgeschoss des Hauses gegenüber die Ursache des dumpfen Knalls gewesen ist, das erschloss sich dem 65-jährigen Anwohner erst auf den zweiten Blick: Kein klaffendes Loch in der Wand, keine geborstenen Scheiben, keinerlei Rußspuren an der Fassade. Nur an der Giebelseite ein Fenster, das es ein wenig aus der Wand gedrückt hat - samt Einfassung. Unten im Schnee liegen mehrere Mauerziegel und ein größerer Sandsteinblock.
Glück im Unglück: Personen sind bei der Explosion nicht zu Schaden gekommen. Der 66-jährige Hausbesitzer, der selbst die Polizei informierte, und seine acht Jahre jüngere Ehefrau hätten das von ihnen allein bewohnte Mehrfamilienhaus unverletzt verlassen können, so die Polizei später.
Im Inneren des Hauses allerdings muss sich Feuerwehrleuten und Spezialisten der Kriminalpolizei ein beeindruckendes Bild geboten haben. "Im Dachgeschoss stürzten durch die Explosion zwei Trennwände ein. Es bildeten sich Risse im Dach sowie in der restlichen Giebelwand", schilderte Polizeisprecherin Jana Kindt am Nachmittag. Ein Statiker des Bauamtes der Stadtverwaltung habe überprüft, ob das Haus weiterhin bewohnbar ist. Ergebnis: Das Dachgeschoss darf nicht mehr genutzt werden, die anderen Wohnbereiche aber stehen den Eigentümern weiterhin zur Verfügung. Die Höhe des entstandenen Schadens stand am Dienstag noch nicht fest.
Wie es zu dem Unglück kommen konnte, dazu dauern die Untersuchungen der Kriminalpolizei noch an. Nach ersten Erkenntnissen war der Hauseigentümer in seiner Hobbywerkstatt im Dachgeschoss mit Lötarbeiten beschäftigt. Dabei soll der 66-Jährige auch mit einer handelsübliche Butangasflasche hantiert haben.
"Aus bisher unklarer Ursache kam es dabei gegen 11.15 Uhr zur Explosion", schildert Polizeisprecherin Kindt. "Gebrannt hat es nicht." Die Kriminalpolizei ermittle nun wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. "Wir gehen dabei von Fahrlässigkeit aus", so Kindt.
Wenngleich die Erfenschlager Straße während der Untersuchungen des Unglückshauses nicht gesperrt werden musste und der Verkehr weitgehend ungehindert fließen konnte, sorgte das Aufgebot an Polizei, Feuerwehr und Brandermittlern am Dienstagvormittag für Aufsehen. "Wir haben anfangs gar nichts mitbekommen, da es in unserem Geschäft ziemlich laut zugeht", wunderte sich Anlieger Michael Köhler beim Blick vor die Ladentür.


