Azubis Auszubildende Steffen Gromoll, Sandy Schleußing, Jeanette Krawolitzki, Sarah Boumaza und Alisa Morgenstern (von links) haben als künftige Mediengestalter, Kaufleute im Einzelhandel und Bürokräfte eine Broschüre über den England-Aufenthalt zusammengestellt.

Foto: Andreas Truxa

Zurück von der Insel

Berufsschüler absolvieren vierwöchiges Praktikum in England

Burgstädt. Für einige der 15 Auszubildenden war es die erste längere Reise, manche waren noch nie im Ausland. Für vier Wochen absolvierten künftige Mediengestalter, Bürokaufleute und Einzelhandelskauffrauen ein Praktikum in Burnley, einer Textilarbeiterstadt im Norden Englands. "Das war eine einmalige Chance für unsere Lehrlinge", sagt Mitarbeiterin Kathleen Reimann vom Don-Bosco-Jugend-Werk Burgstädt.

In Workshops und Sprachkursen seien die Jugendlichen auf den Aufenthalt vorbereitet worden. Mit tollen Eindrücken, einem gesteigerten Selbstwertgefühl und viel Optimismus seien die Azubis des ersten bis dritten Lehrjahres heimgekehrt. Außerdem erhielten sie einen Euro-Pass, der den Azubis Mobilität bescheinigt und bei der künftigen Berufswahl hilfreich sein kann.

Motivation war ausschlaggebend

"Das Programm heißt lebenslanges Lernen und wird von der Europäischen Union finanziert", erklärt die Mitarbeiterin der Bildungseinrichtung. Viel mehr als 15 Mädchen und Jungen hätten sich für das Praktikum beworben. Am Ende wurden die Azubis mit der größten Motivation ausgewählt, sagt Kathleen Reimann. "Unsere Schüler hatten Lernprobleme in der Schule oder haben körperliche Einschränkungen. Deshalb geben wir ihnen eine Chance, eine Ausbildung zu erhalten und fit für das Berufsleben zu werden", sagt der Chef des Jugendwerkes, Jens Klafki. Die Defizite würden viele Schüler durch besonderes Engagement und viel Motivation wettmachen, weiß er.

In den nächsten Wochen sollen die Heimkehrer ihren Mitschülern durch Flyer, Ausstellungen und Gespräche einen Einblick in ihren Auslands-Aufenthalt geben. "Viele sind über sich hinaus gewachsen, von diesen Erfahrungen sollen andere profitieren", sagt Reimann. Nicole Schmidt aus Chemnitz beispielsweise ist im zweiten Lehrjahr Mediengestalterin: "Ich habe sehr viel gelernt, die Verständigung hat von Tag zu Tag besser geklappt." Auch das gemeinsame Wohnen in einer Jugendherberge mit eigener Verpflegung sei eine neue Erfahrung gewesen. Freizeitveranstaltungen und Küchendienste wurden gemeinsam geplant. Sie wolle später mal in der Schweiz arbeiten, da sei das Praktikum eine gute Schule gewesen.

"Ich musste in einem Kinderhilfszentrum Verwaltungsaufgaben erledigen", erklärt Alisa Morgenstern aus Neukirchen. Sie habe gelernt, selbstständig zu arbeiten.

Ängste wurden abgebaut

Jeanette Krawolitzki erzählt von ihrer Arbeit in einem großen Kaufhaus. Sie habe sich mit anderen Mitarbeitern gut auf Englisch verständigen können und erfahren, dass diese ähnliche Probleme wie die Menschen in Deutschland hätten: beispielsweise die Sorge um den Arbeitsplatz und schlechte Bezahlung im Job. Steffen Grommoll schwärmt von seinem Job in einer Werbefirma: "Ich hatte voll zu tun. Zum Abschluss habe ich sogar ein Trikot geschenkt bekommen", sagt der 24-Jährige. Das sei eine große Anerkennung gewesen.

Auch für die Jüngste in der Gruppe, Sarah Baoumaza, sei die Arbeit in einem Textilmuseum sehr interessant gewesen. "Sie ist über sich hinausgewachsen", sagt Ausbilderin Gudrun Edelmann. Manche Ängste und Hemmungen, die im Vorfeld bestanden, seien abgebaut worden. "Ich traue den jungen Menschen jetzt zu, sich allein in der Welt zurechtzufinden."

 

Das Don-Bosco-Jugendwerk bildet in 44 Berufen aus

Die Salesianer Don Boscos sind eine internationale katholische Ordensgemeinschaft, die sich für benachteiligte, schwache und gefährdete Jugendliche einsetzt. Ordensgründer war der 1934 heilig gesprochene italienische Pädagoge und Priester Don Giovanni Bosco (1815 bis 1888). Das Don-Bosco-Jugend-Werk Sachsen bietet in Burgstädt und Hartmannsdorf jungen Menschen mit Lernproblemen oder körperlichen Einschränkungen berufliche Vorbereitung und Ausbildung sowie Freizeitgestaltung an. Medizinische, psychologische, heil- und sozialpädagogische Fachdienste unterstützen die Ausbildung. Hilfe gibt es auch bei der Eingliederung ins Berufsleben. Lehrlinge können sich in 44 verschiedenen Berufen ausbilden lassen.

Ihre Ausbildung haben dieses Jahr 105 neue Lehrlinge begonnen. 87 Mädchen und Jungen befinden sich in einem berufsvorbereitenden Jahr. Dabei haben sie die Möglichkeit, erst einmal einen für sie geeigneten Beruf zu finden. Damit betreut Don Bosco insgesamt rund 400 Azubis. Da einige Jugendliche aus anderen Regionen kommen, wohnen etwa 240 von ihnen in Internaten oder Wohngemeinschaften. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gestiegen. Unter ihnen sind auch junge Mütter mit ihren Kindern. (bj)

 
erschienen am 14.12.2011 ( Von Bettina Junge )
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