Stadtfest Mehr als 200.000 Besucher haben die Veranstalter beim Chemnitzer Stadtfest von Freitag- bis Sonntagabend gezählt - trotz des Kälteeinbruchs und Regens am Samstag.

Foto: Andreas Seidel

Lob für Konzept, Kritik am Festtaler

Mehr als 200.000 Menschen haben Chemnitzer Innenstadt zum Stadtfest in Party-Zone verwandelt

Chemnitz. Stadtfest-Besucher, die am Wochenende an einem der zahlreichen Ausschankwagen ein Getränk erstehen wollten, schauten nicht selten verdutzt. Statt 2,50 Euro, so der einheitliche Preis für Bier oder Cola, mussten sie - beim ersten Getränk - 4,50 Euro berappen. Bei der Abgabe der Becher gab es aber nicht den gezahlten Aufpreis zurück. Stattdessen erhielten die Kunden einen Festtaler, den sie bis Ende Oktober beim Möbelhaus Ikea, dem Elektronikanbieter Saturn, der Firma Lucky Bike sowie dem Modehaus Peek und Cloppenburg für Rabatte einlösen können. Diese Unternehmen sind Partner der Wirtschaftsfördergesellschaft CWE, die das Stadtfest in diesem Jahr erstmals organisiert.

Von den Veranstaltern als Kulturabgabe bezeichnet, stieß der neue Aufpreis allerdings auf wenig Gegenliebe. "Für auswärtige Besucher macht das keinen Sinn, weil man den Taler nur in Chemnitzer Geschäften einlösen kann", sagte Patrick Schunk. Verärgert war auch Hendrik Gransee, der den Braustolz-Stand vor der Stadthalle gleich wieder verließ, nachdem er vom Festtaler-System erfahren hatte. "Da hätte man auch gleich Eintritt für das Stadtfest verlangen können", schimpfte er. Zudem frage er sich, warum nur große Handelsketten, nicht aber kleine Läden von der Kulturabgabe profitieren sollen.

Laut Michael Kratzer von der für das Catering zuständigen Stadthalle habe von den angefragten Innenstadt-Händlern aber niemand bei der Aktion mitmachen wollen. Er verteidigte den Festtaler: "Die qualitative Steigerung des Stadtfestes muss auch refinanziert werden." Um Eintritt zu erheben, sei eine Absperrung des gesamten Geländes Voraussetzung. "Das ist aber nicht möglich", so Kratzer. Steffen Hofmann vom Freiberger Brauhaus, das mit Radeberger die Schankrechte innehatte, kritisierte hingegen den Festtaler. "Wir haben dadurch definitiv weniger Bier verkauft."

Das spürten auch die Mitarbeiter in den Ausschankwagen, die übereinstimmend von rückläufigen Verkaufszahlen gegenüber dem Vorjahr berichteten. "Wir hatten mehr mit dem Erklären des Festtalers als mit dem Bedienen zu tun", sagte eine Mitarbeiterin, die ungenannt bleiben wollte. Beschimpfungen seien an der Tagesordnung gewesen, zudem seien Becher geflogen und Plakate abgerissen worden. CWE-Chef Ulrich Geissler versteht die Aufregung nicht. "Die Diskussion ist der Größe des Problems nicht angemessen. Die Alternative zum Festtaler wäre eine Erhöhung der Bierpreise gewesen, für die wohl kaum jemand Verständnis gehabt hätte."

Im Gegensatz zum Taler wurde das neue Konzept für das 17. Fest überwiegend positiv aufgenommen. "Mir gefällt die Ausrichtung gut", erklärte Besucher Steffen Schowin. Ein richtiger Schritt sei der Verzicht auf die, wie er sagte, "Ramschläden" in der Straße der Nationen sowie die Eingrenzung des Festes auf den inneren Stadtkern. Jens-Uwe Schlegel lobte die Trennung nach Themenbereichen. "Es ist einfacher, sich zurechtzufinden".

Bei den Beteiligten ging der Tenor in einer ähnliche Richtung. "Für die Premiere bin ich mit den Ansätzen zufrieden. Wir müssen aber noch mehr ein wirkliches Chemnitzer Fest entwickeln", so Urs Luczak, der die Wissenschaftsmeile auf dem Johannisplatz organisierte. Auch Schaustellerchef Klaus Illgen war zufrieden. "Der Sonntag hat ein bisschen was rausgerissen, nachdem wir am Samstag durch den Regen besonders bei den jüngeren Besuchern Einbrüche hatten."

Organisationschef Ulrich Geissler zeigte sich mit der Bilanz von 200.000 bis 250.000 Besuchern ebenfalls zufrieden. Auch Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig bewertete die Premiere des neuen Stadtfestes als gelungen. "Das Grundkonzept zu überdenken, hat sich gelohnt. Sowohl die Angebote für Familien als auch die größere Zahl an Bühnen waren ein Treffer", sagte sie am Sonntagabend. Auch Ludwig sah sich bei ihren Besuchen auf dem Fest mit der Kritik am Festtaler konfrontiert: "Das wird man überdenken müssen", kündigte sie eine Auswertung der Ergebnisse an.

 
erschienen am 28.08.2011 ( Von Jürgen Werner )
 

 
 
 
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