Agrarflieger von der FSB Airservice aus Kyritz sind derzeit bei Jahnsbach im Einsatz. Sie versorgen den Waldboden beim Geyerischen Fernsehturm mit Kalk.
Foto: Brigitte Streek
Agrarflieger bringen nicht nur Kalk aus
Im Minutentakt starten und landen Agrarflieger bei Jahnsbach - Sie bringen Medizin für den Wald - Und verursachen Ärger
Jahnsbach/Geyer. Jahnsbach/Geyer. Der Wald kriegt was aufs Dach. Auch in der Annaberger Region. Tonnenweise Kalk wird über den Bäumen im Erzgebirge ausgeschüttet. Das mag dem Waldboden gefallen - den Anwohnern in Jahnsbach ist es lästig. Wegen des Lärms, den die beiden Agrarflieger seit etwa einer Woche täglich machen, bei Hunderten Starts und Landungen. "Es ist wirklich schrecklich, im Fünf-Minuten-Takt kommen die hier mit einem ohrenbetäubenden Lärm an", beschreibt Edgar Reuter aus dem Thumer Ortsteil. Er habe sogar mit Urlaubern gesprochen, die ihren Aufenthalt im Erzgebirge wegen der Flieger abbrechen wollten. "In der Stadtverwaltung läuten die Telefone am Band", bestätigt auch der Thumer Bürgermeister Michael Brändel (Bürgerliste).
Da hilft es nur wenig, dass die Kalkung im Geyerischen Kommunalwald noch in dieser Woche abgeschlossen werden soll. "Wir haben das im vergangenen Jahr vier Monate lang ertragen, jetzt ist das Maß voll", sagt Reuter. Denn es sind lediglich Restarbeiten, die vom Forstbezirk Neudorf in der Nähe des Fernsehturms bei Geyer in Auftrag gegeben wurden. "Da der August und September so verregnet waren, müssen wir noch etwa 200 Hektar Waldfläche aus dem alten Jahr abarbeiten", erklärt André Berger, der beim Staatsbetrieb Sachsenforst für die Bodenschutzkalkung zuständig ist.
Nur in der Zeit zwischen Juli und Oktober soll überhaupt gekalkt werden, das Zeitfenster für die Agrarflieger ist eng. Insgesamt haben sie sich in diesem Jahr 1048 Hektar vorgenommen - nach Geyer sind die Waldflächen in Neudorf, Elterlein, Grünhain, Waschleithe und Beierfeld dran. Dort verhandelt die Flugfirma noch wegen eines Start- und Landeplatzes. "Für die luftfahrtrechtlichen Genehmigungen ist die Firma selbst zuständig", erklärt Berger.
Es sei aber nie ganz einfach: Immerhin brauchen die Flugzeuge, die mit 1000 Pferdestärken durch die Lüfte sausen, eine Einflugschneise von etwa 600 Metern Länge. Ein bisschen Gefälle muss da sein, um die mit jeweils etwa 1,7 Tonnen Kalk beladenen Maschinen nach oben zu bekommen.
Die "Medizin" für den Waldboden muss angeliefert werden können, ohne anderen Forstarbeitern in die Quere zu kommen. Und auf die Anwohner muss Rücksicht genommen werden - obwohl Fliegen ganz ohne Lärm nicht möglich ist. "Aber die meisten zeigen sich doch verständig, wenn man erklärt, warum das notwendig ist", sagt André Berger.
Immerhin hätten ja alle was davon - gerade den Erzgebirgern sei ihr Wald lieb und teuer. "Durch die Schadstoffeinträge wird der Boden sauer. Mit der Kalkung werden Nährstoffe wie Magnesium und Calzium eingebracht, um das abzupuffern", erklärt Berger. Der positive Effekt sei schon jetzt sichtbar. Deshalb könnte auch das Intervall der Kalkung mittlerweile "verlängert" werden. Ein und dieselbe Fläche ist nur alle zehn Jahr dran. "Dann hätten wir ja immerhin für längere Zeit Ruhe", sagt Anwohner Edgar Reuter zumindest ein wenig versöhnt.


14:10 Uhr
ThorstenS: Diese Reaktion einzelner Jahnsbacher auf die notwendigen Flüge ist wieder mal typisch Deutsch. In Tschechien z.B. wird noch großflächig mit Flugzeugen gestreut und gekalkt, aber dort gibt es solche Reaktionen nicht. Im Gegenteil, da werden die Piloten noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen.
Dem Herrn Reuter sei gesagt, daß es auch Leute gibt, die extra wegen der seltenen Flugzeuge nach Jahnsbach kommen wie wir letztes Jahr. Wir sind dort eingekehrt, haben gegessen und getrunken und auch sonst einiges Geld dagelassen. Am "Flugfeld" oberhalb Jahnsbach hatten sich auch einige Leute mit zum Teil auswärtigen Autokennzeichen eingefunden um die Flugzeuge zu beobachten. So viel zum Thema flüchtende Urlauber.