Nils, Lenny, Cecile und Hannes (von links) aus der Kindertagesstätte Pusteblume waren am Montag bei der Feuerwehr Neudorf zu Besuch. Während ihnen Steve Kreische (links) den schweren Atemschutz demonstrierte, erklärte Wehrleiter Andreas Koch das Fahrzeug und führte die Nebelmaschine vor.
Foto: Bernd März
Alarm: Wehren im Erzgebirge geht der Nachwuchs aus
Sachsens Brandbekämpfer werden immer weniger
Annaberg-Buchholz. Den freiwilligen Feuerwehren in Sachsen gehen kontinuierlich Mitglieder verloren. Dabei verringert sich seit Jahren vor allem die Zahl derer, die aus den Jugendfeuerwehren in den aktiven Dienst wechseln, erläutert Karsten Saack vom Landesfeuerwehrverband. "Der erste große Abgang setzt bei den 16-Jährigen ein, wenn sie für die Berufsausbildung wegziehen. Der zweite folgt mit Anfang 20, wenn die Jugendlichen auswärts eine Arbeit finden", betont Saack.
Eine Entwicklung, die auch Helmar Schmiedel vom Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge bestätigt. Zwar wechseln derzeit in der Region noch mehr als 75 Prozent der Jugendfeuerwehrmitglieder beim Erreichen des Eintrittsalters in die jeweils aktive Mannschaft im Ort. Doch spätestens mit Beginn der Lehre oder des Studiums gehen den erzgebirgischen Feuerwehren viele Mitglieder verloren. Gleiches gelte für einen Umzug aus beruflichen Gründen.
Mittlerweile hat auch nicht mehr jeder Ort eine eigene Jugendfeuerwehr. "Es gehen Jugendfeuerwehren wegen mangelnder Stärke zusammen", weiß Helmar Schmiedel. Gleichzeitig gebe es auch Gemeinde- beziehungsweise Stadtfeuerwehren mit mehreren Ortswehren, in denen nur eine Nachwuchsgruppe existiert. Insgesamt weist die Statistik des Kreisverbandes derzeit 124 Jugendwehren mit annähernd 1550 Mitgliedern aus.
Die angesprochenen Fakten wirken sich direkt beziehungsweise etwas zeitversetzt auf die Einsatzbereitschaft aus. "So gibt es bei 90 Prozent der Wehren Probleme bei der Tageseinsatzbereitschaft", konstatiert Christian Brendler, zuständiger Abteilungsleiter im Landratsamt des Erzgebirgskreises. Deshalb müssten auch bei kleineren Bränden immer mehrere Feuerwehren alarmiert werden. Insgesamt aber könne die Einsatzbereitschaft in den Wehren gewährleistet werden, sagt Helmar Schmiedel. Zum Glück noch die Ausnahmen seien Auflösungen einzelner Feuerwehren, bei denen der Personalbestand nicht gehalten werden kann.
Kein Problem sieht Christian Brendler dagegen in der zunehmend anspruchsvolleren Technik beziehungsweise den immer vielfältigeren Anforderungen bei den Einsätzen. "Das Ausbildungsniveau wird ständig erhöht", sagt er. Zusätzlich zur zentralen Grundausbildung in fünf Modulen gebe es Sonderlehrgänge, zum Beispiel an der Baggerschadensübungsanlage in Freiberg. Die Landesfeuerwehrschule bietet Fachlehrgänge an, deren Teilnehmer dann wieder die Brandbekämpfer vor Ort ausbilden - zum Beispiel an Spreiz- und Schneidgeräten.
Bei allen Bemühungen um den Nachwuchs verliert der Verband aber auch seine langjährigen aktiven Mitstreiter nicht aus dem Blick. Für sie gibt es am Wochenende den Tag der Alters- und Ehrenabteilungen. Gastgeber für den Bereich Annaberg sind in diesem Jahr die Brandbekämpfer aus Neudorf, die am Wochenende das 135-jährige Bestehen ihrer Wehr feiern. "Dort treffen sich vorrangig Feuerwehrleute, die nicht mehr im aktiven Einsatz sind", erläutert Helmar Schmiedel. Der Verband seinerseits nutzt die Veranstaltung, um langjährige Einsatzkräfte auszuzeichnen. Im Bereich Annaberg wird das Ehrenkreuz elfmal für 60 Jahre, zwölfmal für 50 Jahre und sechsmal für 40 Jahre vergeben. Im Erzgebirgskreis gibt es die Auszeichnung 31-mal für 60 Jahre, 40-mal für 50 Jahre und 29-mal für 40 Jahre. (mit dapd) Seite 11
Kreisfeuerwehrtag: Für 2012 bereitet der Kreisfeuerwehrverband den 1. Kreisfeuerwehrtag im Erzgebirge vor. Der findet am 15. und 16. September in Annaberg statt.


