Kein Problem für die Makaken ist das Erzgebirgsklima.
Foto: Bernd März
Anzeige wegen nicht artgerechter Haltung von Affen
Affen sorgen für Ärgerim Annaberger Rathaus
Annaberg-Buchholz. Darf man wild lebende Tiere einsperren? Mit einem einfachen Ja oder Nein ist diese Frage nur schwer zu beantworten. Auch deshalb nicht, weil hinter ihr eigentlich ein ziemlich komplexes Thema steht, das polarisiert. Immer wieder fallen in dem Zusammenhang Worte wie artgerecht - also eine Haltung, die sich an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere orientiert. Das soll im Tiergehege am Pöhlberg, das von der Stadt Annaberg-Buchholz betrieben wird, in 80 Prozent der Fälle nicht gegeben sein, sagt jedenfalls Stadträtin Grit Weiß (Wir für unsere Stadt). Und deshalb hat sie beim Landratsamt Anzeige erstattet.
Die Behörde hat die Kreisstadt inzwischen aber weitestgehend rehabilitiert. Nach einer Begehung unter anderem von Vertretern des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes des Kreises wurden laut "Freie Presse" vorliegendem Protokoll lediglich die Volierengröße der vier Schleiereulen bemängelt und eine Reduzierung dieser Tiere um die Hälfte vorgeschlagen. "Bezüglich der in der Anzeige als nicht artgerecht bezeichneten Haltungsbedingungen der Uhus, Luchse, Makaken, des Esels und der Ponys konnten tierschutzrechtlich keine Mängel festgestellt werden", heißt es weiter in dem Protokoll.
Aussagen, die Grit Weiß jedoch keineswegs zufrieden stellen. "Wir als Stadt erfüllen vermutlich irgendwelche Mindeststandards. Von artgerechter Haltung sind wir allerdings meilenweit entfernt. Dabei haben wir hier Platz ohne Ende, um den Tieren mehr einzuräumen. Als öffentliche Hand obliegt uns eine gewisse Vorbildfunktion. Das heißt, wir sollten entsprechende Finanzen in den Haushalt einstellen, um eine artgerechte Haltung der Tiere zu ermöglichen", fordert die Stadträtin.
Eine gewisse Rückendeckung erhält Weiß von Tierärztin Brigitte Weigelt. "Wenn es heißt, dass die geforderten Bedingungen erfüllt sind, bedeutet das noch lange nicht, dass es optimale sind", sagt sie. Die Entscheidung, die Affen aufzunehmen, bezeichnet Weigelt als "schon etwas gewagt". Bei einem Tiergehege denke sie vordergründig an einheimische Tiere. Sie wünsche sich, dass die Stadt schon etwas mehr Geld für das Areal zur Verfügung stellt.
Doris Herrmann, betreuende Tierärztin im Tiergehege, stimmt insofern zu, "dass man sicher immer mehr machen kann, wenn dafür das Geld vorhanden ist". Unabhängig davon müsse man aber auch wissen, dass in dem Gehege viele Tiere zu sehen sind, die quasi aus Mitleid aufgenommen wurden. Darunter sei beispielsweise ein Eichhörnchen. Das stamme aus einer Handaufzucht, sei demzufolge nicht wieder auszuwildern gewesen. Auch einer der Luchse sei aus einer schlimmen Situation heraus an den Pöhlberg gekommen. Nicht zuletzt habe man auch die Affen nach einem Hilferuf aus dem Tiergehege Hohenwendel in der Kreisstadt aufgenommen.
Deren Gehege ist reichlich 25Quadratmeter groß. Laut dem Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren müsste es für bis zu fünf Tiere aber mit Innen- und Außenbereich mindestens 35 Quadratmeter groß sein, sagt Matthias Hendel, Kurator im Zoo Dresden. Um die Tiere artgerecht zu halten, fordert Grit Weiß sogar 1000 Quadratmeter. "Das ist nicht machbar", sagt Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch. Sie plädiert deshalb dafür, die Affen weiterzuvermitteln. Gelingt das nicht, soll die Größe des Geheges in etwa verdoppelt werden. Bis zum Ende der Sommerpause im Stadtrat müsse das Thema abgeschlossen sein, betont Klepsch und fügt hinzu, dass man künftig keine weiteren exotischen Tiere mehr aufnehmen werde. Insgesamt sind am Pöhlberg derzeit mehr als 100 Tiere zu sehen.


13:32 Uhr
Nixe: Das ist ja mal was! Hut ab! Was Frau Weiß da bemängelt, ist schon lange überfällig, nicht nur in Annaberg, das betrifft auch viele andere Tiergehege und Tierparks.
Die Veterinärämter drücken wie immer gerne die Augen zu, Tiere können sich ja nicht beschweren, und um die Schererreien mit den anderen Beteiligten zu vermeiden, wird Ja und Amen gesagt.
Das ist also die billigste und bequemste Variante!
Aber man muss auch sagen, dass es wirklich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist! Zu kleine Gehege, die meistens nicht mal artgerecht ausgestaltet sind, sprich Betonboden, keine ausreichende Vegetion, viel zu wenig Bewegungsfreiheit und Versteckmöglichkeiten! Solche armen Kreaturen will doch heute keiner mehr sehen! Die Zeiten sind vorbei. Ich denke, Tierparks und Tiergehege müssten dahingehend sowieso einmal generell überdacht werden, von jeder Kommune. Gelder sollten nicht nur in den Straßenbau, in Gewerbegebiete und in Kitas investiert werden, dieses Denken ist vielleicht für Senoiren angemessen. Aber eine moderne Region/Stadt legt auch Wert auf ihr Umfeld, auf ihre kulturellen Einrichtungen, sprich u.a. auch den Tiergehen. Wenn alles so verknorxt ist, braucht man sich nicht wundern, wenn keiner zu Besuch kommt! Die Zeichen der Zeit sind eben weniger Tiere und dafür mehr schönere Fläche, so dass man es als schönen Wochenendausflug nutzen kann und nicht mit traurigen Erlebnissen nach Hause kommt. Deshalb ist auch Frau Grit Weiß eine wirklich moderne couragierte Stadträtin, die der Stadt sicherlich viel positiv frischen Wind bringen könnte. Also Stadt: bitte nochmal überdenken! Setzen Sie Zeichen, bauen Sie einen ansprechenden modernen Tierpark, holen Sie evtl. einen guten Planer ins Boot wie der Tierpark Hirschfeld!