Das Wahrzeichen Oberwiesenthals schwebt seinem Ende entgegen. 2012 sollen dort Achter-Gondeln die Gäste auf den Berg befördern. Was mit der Talstation wird, ist noch ungeklärt.
Foto: Brigitte Streek
Bahn am Fichtelberg schwebt dahin
Oberwiesenthals Rat entscheidet mehrheitlich gegen Wahrzeichen - Kontroverse Diskussion vor Beschlussfassung
Oberwiesenthal. Oberwiesenthal. "Ein Kapazitätserhöhung an der Stelle macht keinen Sinn. Dies sagen unabhängige Studien aus, das wissen wir alle." Die eindringlichen Worte des Bauamtsleiters Christian Grabner verhallten ohne Reaktion im Saal des Rathaushotels von Oberwiesenthal, das Gegenteil wurde beschlossen. Genau dort ist bei der von der CDU geforderten namentlichen Abstimmung am Dienstagabend das Ende der fast 86 Jahre alten Seilschwebebahn zementiert worden. Für das Aus stimmten die Vertreter von FDP/Bürger für Wiesenthal: Taulin, Gropp, Kuhnt, Bergner, Trinks, Drechsler und Kaden sowie Bürgermeister Ernst.
Die Gondeln schaffen im Verhältnis zur ehrwürdigen Bahn künftig mindestens doppelt so viele Skifahrer auf den Gipfel, in der Endstufe möglicherweise fast das Vierfache. Das wären dann allein durch die Achter-Kabinen 2000 Leute in 60 Minuten. Dafür ist laut Schwebebahn-Chef Wolfgang Schmiedl eine neue Talstation notwendig, für die alte ist laut Beschluss ein Konzept für die weitere Nutzung zu erarbeiten. Und: "Die Gesamtkosten sollen maximal 7 Millionen Euro (netto) nicht überschreiten." So die Fakten des Beschlusses 87/17ö/2010.
Die Entscheidung, die zuvor geführte Diskussion und ein offener Brief der privaten Liftfirma LGO zeigte eine Unmenge an Facetten auf, die es zu bedenken galt. Bedenken aber gibt es noch eine ganze Menge. Etwa die nach den künftigen Ausgaben für die neue Anlage. "Wie viel kostet deren Betrieb, wie viel Personal ist notwendig?", wollte Rat Jens Ellinger (CDU) wissen. Eine Antwort erhielt er nicht. "Wie geht die FDP damit um, dass sie jetzt dem jungen Unternehmen Konkurrenz macht", fragte Heinz-Michael Kirsten (CDU). "Wir können gut damit leben, wir sind die Wirtschaftspartei", meinte Siegfried Kuhnt (FDP). "Mit den Privaten ging es nie reibungslos", stellte Udo Kaden (Bürger für Wiesenthal) fest.
Und Gabriele Gropp (FDP) wiederum meinte an die Adresse der LGO, dass "der Bau des Vierersessellifts der größte Eingriff ins Skigebiet gewesen ist". Dem wiederum entgegnete Bauamtsleiter Grabner, dass die Stadt diesen Lift selbst geplant, aber den Bau der Privatfirma übertragen hat. Es müsse nicht nur an den Winter gedacht werden, sondern auch an den Sommer, sagte Uta Bergner (FDP). Dafür gab es Kopfschütteln von Vertretern der LGO. Grund: Der Sommeranteil an beförderten Gästen liege bei lediglich zwei Prozent.
In der Art ging es hin und her. Auch zu der von der CDU beantragten, aber abgelehnten Gesamtkonzeption blieb vieles im Diffusen. "Ich zweifle sie so lange an, bis ich sie nicht gesehen habe. Ich behaupte sogar, es gibt gar keine", wetterte Ellinger, nachdem Bürgermeister Mirko Ernst (FDP) gesagt hatte, dass es bereits mehrere gebe. "Wir haben alle Bauschmerzen, niemandem ist diese Entscheidung leicht gefallen. Aber jede andere Variante wäre nicht tragbar gewesen", zog Ernst sein Fazit, nachdem der Beschluss getroffen war.Kommentar


