Reflektoren wie diese sollen das Wild bei Crottendorf von der Straße fernhalten. Reflektoren wie diese sollen das Wild bei Crottendorf von der Straße fernhalten.

Foto: PF/Archiv

Blaues Licht soll Wildunfälle verhindern

431 Mal hat es bis Juli zwischen Mensch und Tier gekracht

Annaberg-Buchholz. Personenschaden, Sachschaden, verletzte oder verendete Tiere: Zunehmend machen Wildunfälle Mensch und Tier in der Region zu schaffen. 431sind es laut Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge im ersten Halbjahr 2012 gewesen, Tendenz leicht steigend. Einer, der etwas dagegen tut, ist Wilmar Schmiedel. 550 Euro hatte der Crottendorfer Jäger 2008 aus eigener Tasche bezahlt, um - in Absprache mit Straßenmeisterei und Polizei - einen damaligen Unfallschwerpunkt zwischen Crottendorf und Neudorf mit mehreren Dutzend blauen Spezial-Reflektoren besser gegen Wildunfälle zu sichern. Ihm gehe es darum, ein Beispiel zu schaffen, sagt er. Umso mehr ärgert es ihn, dass Randalierer mehrmals im Jahr Pfosten herausreißen und zerstören. "Das passiert immer wieder", so der 74-Jährige.

Dabei hilft die Technik nach seinen Beobachtungen sehr gut. "Seitdem die Reflektoren dort sind, hat es nachts von dieser Seite aus keine Unfälle mit Rot- und Rehwild mehr gegeben", erklärt Schmiedel. Bei Schwarzwild hingegen gebe es keinen Effekt. Schon länger werden ähnliche Reflektoren mit Erfolg in Österreich genutzt. Auch an der B173 in Oederan in Richtung Freiberg sind erst kürzlich alte gegen neue Reflektoren ausgetauscht worden. Dabei soll das blaue Licht, das in den Wald reflektiert wird, die Tiere zuverlässiger zurückschrecken lassen. An die üblichen weißen Scheiben hat sich das Wild offenbar gewöhnt.

Ob das neue Warnsystem tatsächlich funktioniert, vermochte Pressesprecher Frank Fischer von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge nicht zu sagen. "Darüber liegen uns derzeit keine Erkenntnisse vor." Auf jeden Fall aber findet er Prophylaxe in punkto Wildunfälle sehr wichtig. Seien solche in früheren Zeiten eher nur auf das Frühjahr und den Herbst beschränkt gewesen, seien sie jetzt das gesamte Jahr an der Tagesordnung. "Das liegt sicher auch am erhöhten Verkehrsaufkommen." Ein mutwilliges Entfernen von Reflektoren, aus Unwissenheit oder Boshaftigkeit, sei aber kein Kavaliersdelikt: "Das kann zur Anzeige gebracht werden, die von uns bearbeitet und verfolgt wird."

Reflektoren hin oder her: Gerade auch in der jetzigen Erntezeit auf den Feldern ist im Verkehr Vorsicht geboten, sagt Frank Schröder, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Annaberg. "Wenn die Erntetechnik den Tieren das Dach über dem Kopf wegsenst, rennen sie vor den Mähdreschern weg", so der 66-Jährige, der seit 40 Jahren jagt. Grundsätzlich sei man dort, wo Wald an die Straße grenzt, mit vorausschauender Fahrweise gut beraten. Ein Schwerpunkt nach seiner Erfahrung: der Buchholzer Stadtwald an der B 101. Schröder: "Es zahlt sich nicht zuletzt in der Dämmerungszeit sehr oft aus, den Fuß vom Gas zu nehmen. Und Warnschilder sollten Autofahrer nicht unbedingt ignorieren, wenn sie Unfälle vermeiden wollen."

Dabei liegt es Frank Schröder am Herzen, auf einen weiteren Aspekt von Wildunfällen zu verweisen, deren Dunkelziffer er weitaus höher schätzt als die offiziellen Zahlen. "Ein Kotflügel lässt sich ausbeulen, aber die Schmerzen der Tiere sind nicht messbar." Angefahrene Tiere würden sich oft noch tagelang durch die Gegend schleppen und jämmerlich verenden. Schröder: "Ich sage den Leuten immer, sie sollen an den eigenen Hund oder die eigene Katze denken." Oft genug sei er gerufen worden, um angefahrenes Wild zu erschießen. "Es wird kaum jemanden geben, den diese Aufgabe freut. Aber sie ist eine bittere Notwendigkeit." (mit er)

 
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erschienen am 31.08.2012 ( Von Michael Urbach )
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