Bus für Frühaufsteher fällt sonntags aus
Mit neuem Fahrplan fallen ganze Angebote weg - oder werden aufs Nötigste zusammengedampft
Annaberg-Buchholz. Frühaufsteher, die im Erzgebirgskreis den Bus nutzen wollen, werden sich ab dem 11. Dezember an Sonn- und Feiertagen die Augen doppelt reiben: Bei 15 der 28 sonn- und feiertags befahrenen Linien der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH (RVE) dreht sich dann vor 9 Uhr kein Buslenker mehr. Unter anderem sind die Strecken Chemnitz-Olbernhau, Chemnitz-Annaberg und Annaberg-Aue betroffen. Die Strecke Annaberg-Marienberg fällt sonn- und feiertags sogar ganz aus. "Deren Nutzung tendiert gegen null", nennt Lutz Zulauf, Leiter Verkehrsplanung, den Grund.
Der öffentliche Personennahverkehr steckt auch im Erzgebirgskreis in einem Dilemma. "Einerseits müssen wir sparen, andererseits wollen wir so wenig wie möglich Kunden verärgern", sagt Geschäftsführer Roland Richter. Schon dieses Jahr sei der Zuschuss vom Landkreis von 6 auf 5,5 Millionen Euro gesenkt worden. Für 2012 würden nochmals 500.000 Euro weniger überwiesen. "Damit stehen uns fast 20 Prozent weniger Mittel zur Verfügung", erläutert er. "Und das in einer Lage, wo nicht nur der Kraftstoff teurer wird."
Die Synergieeffekte durch die Bildung der RVE schmelzen zum Teil wegen anderer Probleme dahin. Zwar konnte übers Jahr die Mitarbeiterzahl durch Abbau der Doppelstrukturen bereits von 650 auf 640 reduziert werden. Gleichzeitig jedoch mussten sechs neue Fachkräfte eingestellt werden, um den kränkelnden RVE-Fuhrpark flott zu halten. Eigentlich müsste das Unternehmen jedes Jahr zirka 20 seiner 275 Busse erneuern. Doch die Fördermittel reichen auch 2012 nur für sechs. Deshalb wird seit November in Zschopau eine eigene Karosserieaufbereitungswerkstatt aufgebaut.
Weiterer Personalabbau ist auch deshalb schwierig, "weil ja irgendwer die Busse fahren muss", so Richter. Und ab 2013 müssen sogar massiv neue Busfahrer rekrutiert werden, weil dann Jahr für Jahr Mitarbeiter in großer Zahl in den Ruhestand gehen. Richter schließt nicht aus, dass dann selbst Bürokräfte umgeschult werden müssen.
"Wir hatten somit gar keine andere Möglichkeit, als an unsere Angebote ranzugehen", schätzt Lutz Zulauf ein. Doch das erklärte Ziel sei, aus dem wenigen noch das Beste herausholen. Am Schüler- und Arbeiterverkehr, der Hauptaufgabe des Öffentlichen Personennahverkehrs, werde nicht gerüttelt. So habe man beispielsweise in Zschopau zwar die Häufigkeit des Stadtverkehrs reduziert, doch durch Einbindung der Linien Chemnitz-Marienberg beziehungsweise Chemnitz-Olbernhau neue Angebote dazugebracht. In Stollberg wird jetzt die grüne Linie nochmals nachjustiert. Auch in Schwarzenberg wird es mit dem neuen Fahrplan vormittags neue Taktzeiten geben.
Am Wochenende habe man laut Lutz Zulauf den Samstag jedoch ganz bewusst außen vor gelassen, "weil da Leute noch arbeiten und viele einkaufen gehen". Sonn- und feiertags hingegen werde man auf rund der Hälfte der Linien am Morgen später beginnen und abends nicht mehr "bis in die Puppen" fahren. So eine Änderung trifft beispielsweise auch die Linie Annaberg-Dresden, die die RVE gemeinsam mit den Kollegen aus der Landeshauptstadt betreibt. Statt 6 Uhr wird es sonntags aber erst 10 Uhr losgehen, und in Brand-Erbisdorf heißt es dann umsteigen.
Eine Neuerung mit einem Hauch Zukunft hat Lutz Zulauf doch noch parat: Da die Bahn künftig sonn-- und feiertags nicht mehr von Pockau bis Marienberg fährt, kann ein (Klein-)Bus per Anruf geordert werden. "Ruft keiner an, fällt die Fahrt aus", so der RVE-Mitarbeiter. Laut Zulauf soll es ab Montag die neuen Fahrpläne geben.


