Abgase, Lärm, zu Stoßzeiten Stau: In Geyers Zentrum gehört das zum Alltag. Denn gleich aus zwei Richtungen fahren viele Autos und Lastkraftwagen auf dem Weg zur Autobahn durch die Stadt - aus dem Raum Annaberg-Buchholz und der Region Marienberg.
Foto: Bernd März
Erzgebirgskreis und Geyer fordern Ortsumgehung
Belastung könnte durch Ausbau umliegender Strecken noch zunehmen
Geyer. Autolärm, Abgase, zu Stoßzeiten Stau: Einwohner und Gewerbetreibende in Geyers Zentrum können ein Lied davon singen. Tausende Fahrzeuge - darunter viele Lastkraftwagen - durchqueren täglich die Kleinstadt, wie Verkehrszählungen belegen. "Viele wählen diesen Weg in Richtung Autobahn A 72 oder kommen von dieser", sagt Bürgermeister Harald Wendler (Die Linke). Er und der Stadtrat befürchten wegen Straßenbauprojekten in der Umgebung und wegen langfristigen Planungen, dass sich die Situation noch verschlimmern könnte. Deshalb machen sie mobil. Fachleute des Erzgebirgskreises geben ihnen Recht.
Der Weg in die Region Stollberg und zur Autobahn führt gleich aus zwei Richtungen durch Geyer. Zum einen wählen viele Fahrer aus dem Raum Annaberg-Buchholz diese Verbindung. Zum anderen ist dies ebenso aus der Region Marienberg der Fall, bestätigt Landratsamtssprecherin Jutta Leonhardt. Gerade diese Verkehrsachse über Wolkenstein, Geyer, Zwönitz und Stollberg zur A72 würde durch den bevorstehenden Ausbau der Mönchsbadkreuzung sowie der Ortsumgehung des Wolkensteiner Ortsteils Falkenbach noch an Bedeutung gewinnen. Deshalb wäre eine Ortsumgehung für Geyer aus Sicht des Kreises und der Stadt äußerst wichtig.
Beide haben dies nun in Stellungnahmen zu Sachsens neuem Landesverkehrsplan deutlich gemacht. Ob die Hinweise berücksichtigt werden, ist noch offen. Der Kreis fordert konkret, die Ortsumfahrung in die Dringlichkeitsstufe 1 aufzunehmen. Bisher ist sie weder dort noch in der Dringlichkeitsstufe 2 enthalten. Derweil liegen Planungen für das Projekt seit Jahren vor. Die Strecke würde südlich an Geyer vorbeiführen und der Ausbau etwa 27,8Millionen Euro kosten. Dass ein solches Vorhaben auch Gegner auf den Plan riefe, ist dem Bürgermeister klar. Er und der Rat plädierten dennoch für die damit verbundene Reduzierung des Verkehrs in der Stadt.
Eine Ortsumfahrung würde unter anderem die Ehrenfriedersdorfer Straße deutlich entlasten. Bei der letzten Verkehrszählung 2005 wurden dort gut 6600Fahrzeuge in 24Stunden gezählt. Neuere Werte liegen nicht vor, da die Straße bei einer Zählung 2010 wegen Bauarbeiten gesperrt war. "Aber weniger Autos sind es sicher nicht geworden", sagt Harald Wendler. Auch Sonja Brunner, die Leiterin der Grundschule, kennt das Problem. Die Bildungsstätte liegt direkt an der Trasse. "Die Lärmbelastung ist wirklich sehr hoch", sagt sie. Es sei kaum möglich, ein Fenster mal länger geöffnet zu lassen. Ganz abgesehen vom Sicherheitsaspekt. "Wir haben eine Schülerlotsin, die Kindern vor der Schule über die Straße hilft." Dass Mädchen und Jungen sie allein überqueren, davon rät die Schulleiterin ab. Als Alternative gebe es die Variante, die etwas entfernte Fußgängerampel am Markt zu nutzen.
Die Verantwortlichen von Verwaltung und Rat wollen die Ortsumgehung aber noch aus anderen Gründen. Sie reagieren damit auf einen Vorstoß des Kreises, der vom Land einen Ausbau der Straße zwischen Zwönitz und Geyer fordert. "Das unterstützen wir - aber nur, wenn sich an diese Trasse dann die Ortsumgehung anschließt", sagt Bürgermeister Wendler. Sonst würden wegen der verkürzten Fahrzeit zur Autobahn und der besseren Bedingungen für Lastkraftwagen sicher noch mehr Fahrzeuge durch Geyer rollen. "Sollte nur die Strecke ab Zwönitz bis zum Stadtrand ausgebaut werden, wäre das für uns eine Katastrophe." In Sachen Straßenbau müsse zudem die eventuelle Wiederbelebung des Bergbaus in Geyer berücksichtigt werden.

