Die Ulmer Schwertkämpfergruppe "Gemini Fratres" sorgten auf dem Lotterhof für Unterhaltung, wie sie zur Zeit der Ritter üblich war.
Foto: B. Streek
Förderverein setzt ersten Meilenstein
30 Mitglieder starke Truppe präsentiert zum Fest "Lebendiger Lotterhof" den sanierten Gewölbekeller
Geyer. Geyer. Es war nicht allein der Duft von frischem Kaffee, der am vergangenen Samstag zahlreiche Besucher in den Gewölbekeller des Lotterhofs lockte: Zum ersten Mal konnten die Mitglieder des Fördervereins Kulturmeile Geyer-Tannenberg die frisch sanierten Räume einer breiten Öffentlichkeit präsentieren.
"Wir sind froh, dass die Bürger und etliche Firmen aus der Stadt das Anliegen unterstützen", erklärte Alexander Stoll, der im historischen Kostüm zahlreiche Gäste durch das fast 450 Jahre alte Gemäuer führte. Mit den renovierten Räumen im Erdgeschoss des einst vom kurfürstlichen Baumeister Hieronymus Lotter erbauten Renaissancehauses ist es aus Sicht des Fördervereins gelungen, einen ersten Meilenstein für die Erhaltung des Gebäudes zu setzen.
Seit 2004 bemühen sich die rund 30 Mitglieder der "Kulturmeile", den Lotterhof zu retten. Mittlerweile ist nach den Worten von Alexander Stoll die Gefahr gebannt, dass das wertvolle Baudenkmal abgerissen werden könnte: "Wir haben das Haus aus seinem Dornröschenschlaf geweckt", beschreibt der Kunsthistoriker das Anliegen des Fördervereins, der sich nicht nur um eine umfassende Sanierung bemüht, sondern gleichzeitig auch ein Nutzungskonzept für das repräsentative Gebäude erstellt hat. Dass es sich im Gewölbekeller gut feiern lässt, zeigten nicht nur die voll besetzten Tische am Samstagnachmittag: Erste Familienfeiern sind bereits fest gebucht, und es gebe etliche Nachfragen, freut sich Alexander Stoll.
In der ersten Etage könnte nach den Vorstellungen des Fördervereins ein Teil der "Sammlung erzgebirgischer Landschaftskunst" untergebracht werden. "Das hätte den Vorteil, dass es keine wesentlichen Eingriffe in die Bausubstanz geben würde", erklärt Stoll. Diese muss jedoch zunächst umfassend saniert werden - hier sieht auch der interessierte Laie auf den ersten Blick, dass dazu dringender Handlungsbedarf besteht. Doch mit etwas Phantasie erschließt sich der Charme der großzügig geschnittenen Räume: Unter vielen Farbschichten haben die Restauratoren schlichte Wandmalereien aus Lotters Zeiten entdeckt, und auch die aus dem 17. Jahrhundert stammende Holzbalkendecke zeigt noch die Spuren der einstiger Pracht.
In der zweiten Etage können sich Alexander Stoll und seine Mitstreiter entweder Wohn- und Praxisräume vorstellen oder aber Ferienwohnungen: Dazu seien jedoch in Absprache mit den Denkmalpflegern noch umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig, weiß der Kunsthistoriker.
All diese Pläne sind für den Förderverein Kulturmeile und die Stadt Geyer als Eigentümer der Immobilie aber nur realisierbar, wenn entsprechende Fördergelder der Europäischen Union fließen, immerhin liegen die geschätzten Kosten für die Sanierung der historischen Anlage bei rund zwei Millionen Euro. "Der Lotterhof ist als Ziel-III-Projekt klassifiziert. Wir arbeiten dabei eng mit unseren tschechischen Partnern in Korozluky zusammen, die ein ähnliches Objekt betreuen", erklärt Kunsthistoriker Alexander Stoll.
Chronologie
• 2003: Innenwände im Mittelflur des ersten Obergeschosses werden entfernt, der Einbau von 30 Notfenstern und einer provisorischen Eingangstür erfolgt, Untersuchungen zur Farbfassung im Mittelflur erfolgen, ein Baustromanschluss wird verlegt
• 2004: Förderverein Kulturmeile Geyer-Tannenberg übernimmt Betreuung des Lotterhofes, Dachrinne und Dach werden repariert, Sanierung des Mauerwerks an der Südost-Fassade erfolgt, im für Veranstaltungen genutzten Mittelflur wird eine Unterdecke als Rieselschutz eingezogen, der Förderverein organisiert regelmäßig Benefizveranstaltungen für die Erhaltung des Lotterhofs, das Gebäude ist zum Tag des offenen Denkmals geöffnet
• 2005: bauhistorische und restauratorische Untersuchungen beginnen im Ostflügel, im Dachgeschoss erfolgt der Holzanstrich
• 2006: Reparaturen am Mauerwerk, Dach, Dachrinnen, Dielung; Einbau von zwei Nebeneingangstüren, Instandsetzung der Bruchsteinmauer im Außengelände
• 2010: im Mai wird nach umfangreicher Sanierung der Gewölbekeller zur Nutzung übergeben (pet)


