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Dieter Schönherr in seinem Funkraum, von dem aus der 69-Jährige weltweit mit Stationen befreundeter Funker kommuniziert.

Foto: Bernd März

Funken die Amateure den Profis dazwischen?

Funkamateure können ungeachtet von Gefahrenlagen weltweit Verbindung halten. Vertreter der Gilde sehen ihr Leistungsvermögen im Erzgebirge aber nicht nachgefragt.

Von Christof Heyden
erschienen am 16.02.2017

Niederschmiedeberg. Was nützt in Notlagen ein Vorratskeller mit Lebensmitteln, wenn ich in Notfällen mit der Umgebung nicht kommunizieren kann und meine Hilfe nicht ankommt? Mit dieser Frage verweist Dieter Schönherr auf sein Anliegen: Wie kann er als Funkamateur den Behörden in Krisensituationen tatkräftig Unterstützung leisten. Aus seiner Sicht verkennen Entscheidungsträger im Erzgebirge dieses Potenzial.

"Im Falle eines Blackouts durch großflächigen Stromausfall oder einer durch Wetterunbilden verursachten Havarie sind wir in der Lage, den Stationsbetrieb weiter fortzuführen. Wir könnten als Vermittler zwischen Krisenstab und den Rettungskräften operieren", sagt der Niederschmiedeberger. "Mittels Handy im 2-Meter-Funkbereich übergeben mir die Entscheidungsträger Informationen, die ich wiederum an Feuerwehr, THW oder Krankenhäuser unabhängig von öffentlicher Stromversorgung weiterleite."

In Sachsen seien 72 Ortsvereine mit mehr als 1000 Mitgliedern organisiert. Von den rund 100 Mitstreitern im Erzgebirgskreis seien etwa zehn bis 15 Funkamateure zur Mitarbeit bereit und auch technisch in der Lage dazu. "Der Meinungsaustausch der Fachleute vom Landratsamt, regionalen Wasser- und Energieversorgern aber auch Wirtschaftsvertretern im Rahmen des Comenius-Forums in Annaberg im Herbst 2016 hat mir gezeigt, dass unsere Möglichkeiten unterschätzt werden, vielleicht auch nicht bekannt oder gewollt sind", sagt der 69-Jährige. Er besitzt seit 1986 die Funklizenz und bildet Funker aus.

Diese Gesprächsrunde habe ihn darin bestärkt, was nationale Krisenstäbe voraussagen: Vielerorts sind Notstromaggregate oder Stromerhaltungsanlagen nicht verfügbar oder unterdimensioniert. Der Digitalfunk sei dann genauso beeinträchtigt. Funkamateure könnten aber im Batteriebetrieb im Kurzwellenbereich weiterarbeiten. "Daher habe ich auch einen Notfallkoffer zusammengebaut. Mit dem kann ich mobil an jedem Ereignisort agieren, er verfügt über autark zu betreibende Technik." Er wünscht sich, dass hiesige Entscheidungsträger einmal den Draht zu den Funkamateuren suchen. "Dann könnten wir beraten, wie die Zusammenarbeit zu organisieren wäre." Auch die Nutzung der Frequenzen in einem Notfall stehe für ihn zur Diskussion. "Denn die sogenannten BOS-Frequenzen sind den Behörden vorbehalten, da läuft die Kommunikation der Polizei und Feuerwehr darüber, da dürfen wird nicht dazwischenfunken." Aber im Krisenfall seien Ausnahmeregelungen zulässig. Dieter Schönherr verweist dabei auf das jüngste Beispiel in Italien, wo Amateurfunker beim Erdbeben tatkräftig geholfen haben.

Auch Harald Schönwitz, Mitglied im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) und Vorsitzender des Arbeitskreises Amateurfunk in der Schule in Deutschland sieht Nachholebedarf in der Zusammenarbeit in der Region. "Kontaktanfragen zu Verantwortungsträgern im Erzgebirgskreis sind bislang mit Hinweis auf die Kompetenz der regulären Einsatzkräfte abgelehnt worden", so der Börnichener. "Es gibt aber gute Beispiele, wie Funkamateure und Behörden sowie Einsatzkräfte wie THW, DRK und Katastrophenschutz in einigen Bundesländern eng zusammenarbeiten. In Sachsen gibt es einen Ansprechpartner des DARC für Notfunk, der selbst im Katastrophenschutz tätig ist." Und er verweist auf das Miteinander in Österreich. "Hier gibt es gemeinsame Katastrophenschutzübungen von staatlichen Stellen, Heer und Funkamateuren. Auch in den USA genießen die Funkamateure ein hohes Ansehen. Beim Wirbelsturm Katrina stellten sie beispielsweise die Erstkommunikation sicher." Und: Das Gesetz über den Amateurfunk erlaube gerade in Notsituationen den Einsatz der Funkamateure.

"Im allgemeinen Katastrophenschutzplan des Erzgebirgskreises ist die Einbindung von Amateurfunkern nicht vorgesehen. Daher bestehen zum jetzigen Zeitpunkt keine Kontakte zu Funkern." Das sagt Stefan Pechfelder, Pressesprecher des Landkreises auf Nachfrage von "Freie Presse". Seit Juli 2015 stehe im Freistaat Sachsen der BOS-Digitalfunk flächendeckend zur Verfügung. Regelmäßig würde die Grundversorgung besser abgesichert und die Netzmodernisierung systematisch vorangetrieben, um auch bei großflächigen Stromausfällen agieren zu können.

"Die Technische Einsatzleitung sowie der Verwaltungsstab sind mit Netzersatzanlagen ausgestattet." Und da in diesem Jahr für diese verantwortlichen Stellen Satellitentelefone ohne bodengebundene stromabhängige Vermittlungsstation beschafft würden, gebe es keine konkreten Szenarien für eine Zusammenarbeit mit Funkamateuren.

 
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