Lebensmittelmärkte rationieren Zucker - Kunden reagieren sauer

Angesichts einer Reihe von Hamsterkäufen schränken Handelsketten auch im Erzgebirge den Verkauf von Zucker ein

Annaberg-Buchholz. Die Familie Klemm aus Annaberg-Buchholz ist sauer: Am 18. Juli wollte sie in einem Netto-Markt 25 Kilogramm Zucker und am 19. Juli bei Penny 20 Kilogramm kaufen. Nicht, um ihn zu hamstern, sondern um für den privaten Verbrauch Fruchtwein herstellen zu können. "Bei Netto gab es nur vier Kilogramm, bei Penny fünf Kilogramm - obwohl genügend vorrätig war", schildert Peter Klemm die Situation und fragt: "Was soll dieser Blödsinn?" Eine sinnvolle Erklärung dafür habe ihm bisher keiner geben können. Das alles habe die Familie doch sehr erstaunt, sei doch nicht einmal zu DDR-Zeiten der Zucker rationiert gewesen.

Offiziell mag sich kaum jemand zu dem Thema äußern. Obwohl die Rationierung auch in anderen Handelsketten praktiziert wird. So verweist Kaufland - dort wird der Kunde in Marienberg beispielsweise am Regal darauf hingewiesen, dass die Abgabe "nur in haushaltsüblichen Mengen" (fünf Kilogramm) erfolgt - auf eine "erhöhte Nachfrage" und bittet um Verständnis, "dass wir hierzu keine weitere Stellung nehmen". Auch von Netto war bis Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. Lediglich die Rewe-Gruppe, zu der die Penny-Märkte gehören, erläuterte auf "Freie Presse"-Nachfrage die Hintergründe etwas ausführlicher: Seit einigen Monaten sei vor allem im Grenzgebiet zu Polen eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Zucker zu verzeichnen, daher habe man sich zu den Beschränkungen entschlossen, erläutert Rewe-Sprecherin Kristina Clausen. Es solle vermieden werden, dass es zu einer Art "preisbedingtem Zucker-Tourismus" einiger professioneller Käufer komme, die mehrere Dutzend Päckchen auf einmal kaufen möchten. Zudem dienten Einzelhandelsmärkte der Versorgung von Privathaushalten, argumentiert Clausen weiter. Für professionelle Einkäufer gebe es hingegen die Großhandelsmärkte beziehungsweise die sogenannten "Cash & Carry"-Formate. Allerdings überlasse man die Entscheidung darüber, was eine haushaltsübliche Menge ist, den Mitarbeiterin vor Ort.

Ein Hintergrund für die große Nachfrage nach Zucker: Ist das Kilo hierzulande aktuell für etwa 65Cent und damit so günstig wie seit Jahren nicht mehr zu haben, müssen Verbraucher in Polen zum Teil bis zu 1,50 Euro dafür zahlen. Als Grund für die rapide gestiegenen Preise werden vielfach umfangreiche Produktionskürzungen in Polen infolge der Zuckermarkt- Regulierung im Rahmen der Europäischen Union genannt - bei gleichzeitig steigenden Weltmarktpreisen. Die Preisunterschiede zwischen den Nachbarländern sind offenbar groß genug, dass Geschäfte mit Zucker aus deutschen Supermärkten auch bei längeren Lieferwegen attraktiv bleiben.

 
erschienen am 29.07.2011 ( Von Antje Flath und Michael Müller )
 
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