Kann zarte Spitzen aus Garn fertigen und Anton-Günther-Lieder singen - Maria Müller, die neue Annaberger Klöppelkönigin aus Schneeberg.
Foto: Bernd März
Maria Müller darf traditionelles Handwerk vertreten
Studentin aus Schneeberg gewinnt die Wahl zur 6. Annaberger Klöppelkönigin
Anaberg-Buchholz. Sie kann klöppeln, über historische Spitzen fachsimpeln und singen: die neue Annaberger Klöppelkönigin. Am Sonntagabend haben Jury und Publikum im Haus des Gastes "Erzhammer" Maria Müller zur neuen Repräsentantin der erzgebirgischen Spitzenkunst gekürt. Ihre kleine Gesangseinlage von Anton Günthers "Ich bi e Klippelmaadel" zur väterlichen Klavierbegleitung hatte der 22-Jährigen zum entscheidenden Vorsprung verholfen.
Rund 60 Zuschauer verfolgten das von den jungen "Fadelfitzern" um Dietmar Langer musikalisch begleitete Auswahlverfahren, bei dem sich die Kandidatinnen mit ihrer Fingerfertigkeit vorstellen und Fachkenntnis beweisen mussten. Neben Maria Müller traten zwei weitere Bewerberinnen an. Aus der Kreisstadt und dem Raum Annaberg hatte sich niemand um den Thron beworben. Sandy Stephani aus Seiffen beeindruckte vor allem durch Fachwissen.
Juliane Winter aus Chemnitz, die zum zweiten Mal kandidierte, wusste die teils verzwickten Fragen von Moderator Steffen Kindt mit Schlagfertigkeit zu nehmen. Unter anderem galt es, Spitzen unterschiedlichster Machart zu unterscheiden, als Erste Klöppelsack und Zubehör startklar zu machen und typisch erzgebirgische Spitzen wie Krone, Brille oder Kirsche zu benennen. "Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagte Jurysprecherin Margit Kreißl zum Ergebnis, bei dem sich die fünf Mitglieder des Fachgremiums mit dem Publikum einig waren.
Maria Müller, die sich mit dem "Klippelmaadel" schließlich noch singend bedankte, wird zu den 20.Erzgebirgischen Schnitzertagen am ersten Märzwochenende offiziell in ihr Amt eingeführt und dann für zwei Jahre Oberhaupt der laut Steffen Kindt 20.000 aktiven Klöppler in der Region sein. "Ich sehe diese Aufgabe als große Ehre an", sagte die angehende Grundschullehrerin nach ihrer Wahl, die auch von Oma Sieglinde Hempel mitverfolgt wurde: Bei ihr hatte Maria Müller als vierjähriges Mädchen die ersten Schläge gelernt und bei ihr holt sie sich noch heute Rat.
Die Weitergabe der traditionellen Handarbeit ist auch der Studentin selbst sehr wichtig: "Ich finde es schön, Kinder heutzutage mit dem Klöppeln mal für eine andere Freizeitbeschäftigung zu begeistern. Klöppeln hat eine interessante Geschichte und ist noch heute aktuell." Dass es dabei bleibt, dafür kann sie nun ihren Beitrag leisten.
Welche Aufgaben auf sie zukommen, das erklärte zuvor Amtsvorgängerin Heike Kluge aus Geyer: Bei 45 Auftritten warb sie fürs Klöppeln und das Erzgebirge, fast 5000Kilometer ist sie dafür durchs Land gereist. Und noch etwas hat sich in ihrer Amtszeit getan: Moderator Steffen Kindt hat das Klöppeln gelernt, was er dem Publikum mit einem Leinenschlag bewies.


