Der Windpark in Jöhstadt - im Altkreis Annaberg die bisher einzige bestätigte Fläche für Windkraftanlagen. Foto: Brigitte Streek/Archiv
Pläne für neue Windkraftanlagen liegen auf mehreren Tischen
Sachsen setzt bei der Landesentwicklung auf den Ausbau der Nutzung der Windenergie
Crottendorf/Sehma. Zwischen Walthersdorf und Sehma könnten in naher Zukunft Windkraftanlagen errichtet werden. Pläne dafür wurden jetzt in Crottendorf erstmals öffentlich vorgestellt. Danach sollen bis zu vier Anlagen mit einer Leistung von jeweils 3,2 Megawatt entstehen, die nach den Berechnungen von Fachleuten einen jährlichen Ertrag von rund neun Millionen Kilowattstunden bringen und damit den Strombedarf von etwa 2500 Haushalten absichern könnten. Doch bis es soweit ist, muss nach den Worten von Bürgermeister Bernd Reinhold (parteilos) zunächst ein gültiger Regionalplan vorliegen. Damit sei nicht vor Ende dieses Jahres zu rechnen. Erst dann könne der Gemeinderat verbindliche Beschlüsse zum Bau von Windkraftanlagen fassen.
Als Standort steht eine Fläche an der Ortsgrenze zwischen Walthersdorf und Sehma zur Diskussion. Dort verlaufen der bei Wanderern beliebte Firstenweg, eine Bahnlinie und eine Kreisstraße. Laut Karsten Tietz, Regionalleiter der Firma Juwi Wind, ist diese Nähe zu befahrenen und begangenen Wegen kein Problem: Die Anlagen seien in den zurückliegenden Jahren sicherer geworden, zudem müssten Sicherheitsabstände eingehalten werden.
"In der Vergangenheit sind bei der Genehmigung von Windparks Fehler gemacht worden. Unter anderem wurden Anlagen zu nahe an Siedlungen errichtet", räumt Tietz ein, erklärt aber auch, dass der Gesetzgeber darauf mit deutlich höheren Sicherheitsanforderungen reagiert habe. Der Betrieb solcher Anlagen zahle sich für die Kommunen aus: Sie könne mit Einnahmen aus Pachtzahlungen und Gewerbesteuer rechnen. Außerdem entstünden Arbeitsplätze in der Region.
Erste Meinungsäußerungen im Gemeinderat von Crottendorf lassen jedoch Skepsis gegenüber dem Vorhaben erkennen, vor allem mit Blick auf den Tourismus. Jürgen Schmiedgen (CDU) beispielsweise erinnert an das Beispiel Oberwiesenthal. Dort hatten die auf tschechischer Seite errichteten Windräder für massive Proteste gesorgt, weil sie zum einen das Landschaftsbild stören, zum anderen durch Schlagschatten und Geräuschentwicklung Probleme befürchten ließen.
Sollte der Entwurf des Regionalplanes die Errichtung von Windenergieanlagen zwischen Walthersdorf und Sehma vorsehen, könnte mit der Errichtung in etwa zwei Jahren begonnen werden. Entscheiden muss darüber der Gemeinderat im Einvernehmen mit Sehmatal, denn zwei der Windräder sollen auf Sehmaer Flur gebaut werden. Im dortigen Gemeinderat ist die Meinungsbildung dazu aber auch noch nicht abgeschlossen: "Wir verfolgen mit Interesse die Entwicklungen zum Thema Windenergienutzung. Es existieren unsererseits jedoch noch keine konkreten Planungen", sagt Michael Rosenthal (CDU), Leiter des örtlichen Energieteams.
Die einzig bestätigte Fläche im Altkreis Annaberg, auf der bislang Windkraftanlagen gebaut werden durften, ist der Windpark Jöhstadt. Dort stehen 14 Anlagen. Eine Erweiterung sei nicht möglich, sagt Jan Schreiter, kaufmännischer Geschäftsführer der Windpark GmbH. Eine Kommune aus dem Vogtland habe diesbezüglich bereits nachgefragt. Noch nichts kann Schreiter zu den Plänen sagen, die Anlagen durch neue, leistungsfähigere zu ersetzen. "Wir müssen warten, welche neuen Regelungen der künftige Landesentwicklungsplan trifft".
In Mildenau will die Kommune möglicherweise selbst auf Windkraft setzen. Wo genau die Anlagen hinkommen könnten, will Bürgermeister Konrad Vogel (CDU) noch nicht verraten. Auch, ob im künftigen Regionalplan entsprechende Flächen in der Gemeinde vorgesehen sind, ist offen. (mit af/met/tw)

