Preßnitztalbahner haben Europa zu Gast
Für drei Tage gesellen sich jetzt kleine Lokomotiven zu den Großen auf schmaler Spur dazu
Jöhstadt. Einmal im Jahr trifft sich die Arbeitsgemeinschaft Schmalspur bei einer im Betrieb befindlichen Schmalspurbahn in Deutschland oder Österreich. In diesem Jahr sind die Mitglieder der Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn in Jöhstadt die Gastgeber für das dreitägige Spektakel, zu dem Modellbahner und Eisenbahnliebhaber aus ganz Deutschland, Tschechien, Österreich und den angrenzenden Ländern erwartet werden.
Von Sonnabend bis Montag präsentieren sie in der Fahrzeughalle in Schlössel Anlagen in Baugrößen zwischen TT und 1.13 aus allen Bereichen der Schmalspur, kündigt Peter Höhn an, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. "Das Hauptaugenmerk der Modulanlagen und Schaustücke wird voraussichtlich bei Vorbildern aus Deutschland und Österreich liegen", geht er ins Detail. Parallel dazu würden amerikanische und osteuropäische Vorbilder für internationales Flair sorgen.
Die Arbeitsgemeinschaft existiert seit knapp 30 Jahren. "1983 fanden sich in Hannover fast 30 Anhänger schmalspuriger Eisenbahnen zusammen - Modelleisenbahner, Journalisten, Historiker, Fachhändler und andere", blickt Peter Höhn auf die Anfänge zurück. Das sei gewissermaßen die Gründungsversammlung gewesen, auch wenn die Registrierung als eingetragener Verein erst zehn Jahre später erfolgte.
Das Interesse der Mitglieder gilt allen Facetten schmalspuriger Eisenbahnen - Werks- und Museumsbahnen genauso wie Feld-, Wald- und Wiesenbahnen sowie schmalspurigen Eisenbahnen im Personennahverkehr, erklärt der Dresdener. Und das treffe sowohl auf die Originale als auch auf die Modelle en miniature zu. "Uns begeistert die fortschrittlich ausgestattete Alpenbahn genauso wie der gute alte, pannengeplagte Dschungelexpress", sagt Peter Höhn. Zudem werde bei den Schmalspurbahnern geforscht und dokumentiert, publiziert und experimentiert, restauriert und fabriziert, gehandelt und getauscht, diskutiert und gespielt.
Entsprechend breit gefächert sei denn auch die Interessenlage der mittlerweile mehr als 350 Mitglieder des Vereines, die europaweit agieren. "Sie finden unter unseren Mitglieder wissenschaftlich arbeitende Schmalspur-Historiker, fleißige Museumseisenbahner, entspannte Genießer, betriebsorientierte Modellbahner, individuelle Modellbau-Künstler und gemütliche Garteneisenbahner", zählt der Vereinsvorsitzende auf.
Ein Stück dieser Vielfalt wird auch am Wochenende in Jöhstadt zu spüren sein, unter anderem im Seminarprogramm mit Vorträgen und Filmvorführungen. Spezialisierte Händler und Hersteller bieten Eisenbahnmodelle, Ausstattungsteile und Baumaterialien, aber auch themengebundene Bücher, Zeitschriften, Filme und anderes an.
Zeitgleich wird eines der großen Vorbilder von den Preßnitztalbahnern präsentiert: die Dampflokomotive Aquarius C, die normalerweise auf der Insel Rügen bei der Rügenschen Bäderbahn im Einsatz ist. Seit Mitte August ist die blaue Schlepptenderlok aber im Preßnitztal zu Gast, wo die Schmalspurtraditionen bis in das Jahr 1892 zurückreichen. Deshalb steht bereits im nächsten Jahr ein neuer Höhepunkt ins Haus: 120 Jahre Schmalspurbahn zwischen Wolkenstein und Jöhstadt.


