Regionalversorger stellt sich der Konkurrenz

Envia M wirbt um Fortsetzung der Konzessionsverträge für Strom

Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Der Markt wird kleiner, der Wettbewerb härter. Das hat dieses Jahr auch Stromversorger Envia M zu spüren bekommen. Der Platzhirsch unter den regionalen Energieversorgern in Ostdeutschland hatte beim Abschluss neuer Konzessionsverträge im Erzgebirgskreis erstmals in mehreren Kommunen das Nachsehen, indem der Zuschlag Wettbewerbern erteilt wurde. Das sind konkret die beiden Stadtwerke Annaberg-Buchholz und Schneeberg. Während die Kreisstädter künftig Thermalbad Wiesenbad, Tannenberg, Bärenstein, Königswalde und Schlettau betreuen, gewannen die Schneeberger die Ausschreibung im Stadtteil Lindenau sowie in Bad Schlema.

Emotionale Entscheidung

Thilo Schröter, Leiter Konzessionen bei Envia M, bedauert es natürlich, wenn sich eine Kommune nicht wieder für "sein" Unternehmen entscheidet. Auf der anderen Seite weiß er, dass das in der Marktwirtschaft ein ganz normales Prozedere ist. "Als Erstes schauen die Stadt- oder Gemeinderäte auf die finanziellen Konditionen, die ihnen die Stromunternehmen anbieten. Weil es da aber kaum mehr große Unterschiede gibt, sind es am Ende rein emotionale Dinge, die den Ausschlag für den einen oder anderen Anbieter geben", ist Schröter überzeugt.

Apropos Geld: Auf Grundlage des Energiewirtschaftsgesetzes müssen Stromunternehmen, die den Zuschlag für die in der Regel auf 20Jahre befristeten Verträge erhalten haben, an die Kommunen die sogenannte Konzessionsabgabe zahlen. Das ist die Gegenleistung dafür, dass die Städte und Gemeinden dem Stromversorger öffentliche Wege zum Verlegen von Leitungen zur Verfügung stellen. Diese Abgabe - inzwischen zahlen alle Anbieter Höchstsätze - wird laut Schröter anhand der Kilowattstunden (KWh) berechnet, die durch das jeweilige Ortsnetz fließen. Damit man eine Vorstellung davon bekommt, um welche Größenordnung es sich dabei handelt, nennt der Leiter Konzessionen die Zahl von 6,8 Millionen Euro. Diese Summe habe Envia M im Jahr 2008 an alle Kommunen im Erzgebirgskreis zusammen ausgeschüttet. Dazu kommt noch die Gewerbesteuer, die Envia M nicht nur an ihrem Firmensitz, sondern auch in jedem Ort zahlt, mit dem ein Konzessionsvertrag besteht. Bei der Berechnung werde ebenfalls der Verbrauch an KWh zu Grunde gelegt. "Das können bei Kommunen mit etwa 2000 Einwohnern im Jahr weitere rund 10.000 Euro an Einnahmen sein", sagt Schröter. Die Zahlung der Gewerbesteuer vor Ort war bislang ein Alleinstellungsmerkmal von Envia M und damit ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Die Stadtwerke Annaberg-Buchholz etwa haben inzwischen aber angekündigt, ebenfalls ähnliche Zahlungen zu leisten.

7,2 Millionen Wertschöpfung

Wo "Goliath" Envia M allerdings gegenüber "David" punkten kann, ist bei der Wertschöpfung in der Region. Durch vielfältigste Baumaßnahmen, in die Planungsbüros ebenso eingebunden sind wie ausführende Firmen bis hin zu Kabellieferanten, "sind 2008 weitere 7,2 Millionen Euro in den Erzgebirgskreis geflossen. Wenn es zum Beispiel um den Netzausbau geht, dann machen wir das nicht mit Betrieben von weit her, sondern arbeiten mit Firmen von vor Ort zusammen", verdeutlicht der Leiter Konzessionen bei Envia M. Zudem seien die Kommunen mit 40Prozent am Unternehmen beteiligt und verfügten über eine sogenannte Sperrminorität. Das bedeutet, die Städte und Gemeinden können, obwohl stimmenmäßig in der Minderheit, wichtige Entscheidungen bei Envia M stoppen.

60 Kommunen in Zugzwang

Dieses und nächstes Jahr steht in insgesamt 60 der 70 Gemeinden des Erzgebirgskreises die Unterzeichnung neuer Konzessionsverträge auf dem Programm. Envia M habe bereits in 17 Fällen den Zuschlag erhalten. In weiteren 14 Städten und Gemeinden der Region werde das Pendel ebenfalls in Richtung des großen Stromversorgers ausschlagen, weil keine Mitbewerber existieren, sagt Schröter. Allerdings könnten noch weitere Kommunen zu den sechs plus jenem einen Ortsteil hinzukommen, die Envia M schon verloren hat. Als solche gelten Jöhstadt und Sehmatal, die beide im Einzugsgebiet der Stadtwerke Annaberg liegen.

 
erschienen am 17.03.2010 ( Von Thomas Wittig )
 
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