Der Klostergarten am Samstag: Neben mittelalterlicher Musik lockten am Wochenende Gaukelei und historische Handwerkskunst Tausende nach Annaberg-Buchholz.
Foto: Bernd März
Reste des Annaberger Franziskanerklosters ein Besuchermagnet
Etwa 5000 Gäste zählten die Veranstalter des diesjährigen Klosterfestes
Annaberg-Buchholz. Sieben Tage war anno 1512 in der neu gegründeten Stadt Annaberg die Einweihung des Franziskanerklosters gefeiert worden - drei Tage dauerte die Jubiläumsfeier 500 Jahre später. Von Freitag bis Sonntag fand auf dem einstigen Gelände der sakralen Anlage, wo heute Amtsgericht und Finanzamt stehen, ein großes Spektakel mit Musik, Gaukelei und historischer Handwerkskunst statt. Annähernd 5000 Besucher lautete die Bilanz der Organisatoren.
Wer es zum Klosterfest ganz authentisch wollte, der konnte neben der Ruine einen erhaltenen Keller besichtigen und sich von Männern in braunen Kutten in die Zeit der Franziskaner zurückversetzen lassen: 2003 haben Berndt Thomas Möckel und seine Mitstreiter die Gruppe "Fleur de Lys" gegründet - benannt nach dem Liliensymbol, mit dem auch das Klosterfest wirbt. "Wir recherchieren zur Geschichte des Annaberger Klosters und wollen sie weitergeben", so der 31-Jährige.
Rene Fehmer, Berndt Thomas Möckel und Rene Ebert (von links) führten als Franziskanermönche die Besucher fachkundig durch den Klosterkeller.
Foto: Bernd März
Ihr jüngstes Forschungsergebnis stellten die sieben "Mönche" aus der Region und aus Tschechien in einer Kopie vor: ein Schreiben der Franziskanermönche aus dem böhmischen Kaaden anno 1503. Darin beschweren sie sich beim Dechant der Prager Kirche darüber, dass die Annaberger Brüder über ihr zulässiges Gebiet hinaus Almosen sammeln. "Zwischen Kaaden und Annaberg gibt es viele Verbindungen", weiß Berndt Thomas Möckel, der auch ehrenamtlich Gäste durchs ehemalige Kaadener Kloster führt. So waren beispielsweise Annaberger Mönche nach der Auflösung ihres Klosters im Zuge der Reformation 1540 auch zu ihren Brüdern ins Böhmische geflüchtet.
Trotz hochsommerlicher Temperaturen trugen der Buchholzer und seine Kollegen tapfer ihre langen Kutten. Auffällig: die helle Kordel mit den drei Knoten: "Diese sogenannten Franziskanerknoten stehen für das Grundideal des Ordens: Armut, Keuschheit und Gehorsam", weiß der ausgebildete Archivar.
Auch historische Handwerkskunst gehörte zum Klosterfest: Jan Münch (rechts) zum Beispiel schmiedete und Zdenek Brezina schlug Holz ab.
Foto: Bernd März
Links neben dem Amtsgericht führten einige Stufen hinab in die Ordensgeschichte: Der große kühle Kellerraum mit seinem Tonnengewölbe stammt aus Zeiten der Franziskaner und ist sonst nur zu besonderen Stadtführungen zu sehen. Noch kurz vor den Feierlichkeiten hat die Stadt für rund 5000 Euro den oberen Teil des Zugangs durch eine neue Metalltreppe ersetzt.
Barbara Seidel und Marika Pötzsch genossen die besondere Stimmung auf historischem Boden: "Wir kommen immer gern zum Klosterfest. Das Flair und die Musik sind fantastisch. Und die Spielleute sprechen so schön", finden die Seniorinnen aus Annaberg.

