Die Fichtelbergauffahrt bald nur noch für Fußgänger? In Oberwiesenthal ist ein heftiger Streit darüber entbrannt. Die Fichtelbergauffahrt bald nur noch für Fußgänger? In Oberwiesenthal ist ein heftiger Streit darüber entbrannt.

Foto: Wolfgang Thieme/Archiv

Stadtplaner will Fichtelberg für Autos sperren

Vorschlag löst kontroverse Debatte in Deutschlands höchstgelegener Stadt aus

Oberwiesenthal. Die Straße zu Sachsens höchstem Berg soll für den Individualverkehr gesperrt werden. Das jedenfalls hat jetzt Stadtplaner Björn Teichmann vorgeschlagen. Derzeit fahren viele Einheimische und Touristen schnurstracks per Auto oder Krad hinauf zum 1215 Meter hohen Gipfel. Künftig jedoch soll ihr Weg nach oben zunächst an den Geschäften und touristischen Angeboten von Oberwiesenthal vorbeiführen. "Damit kann das Stadtzentrum belebt werden", meint der Leipziger Teichmann, der das Stadtentwicklungskonzept für den Kurort im Erzgebirge bis zum Jahr 2020 erarbeitet hat.

Bei René Lötzsch, dem Geschäftsführer der Fichtelberg-Schwebebahn, rennt er mit diesem Vorschlag offene Türen ein. Würde doch die Schwebebahn davon profitieren. Deshalb plädiert Lötzsch zumindest für eine eingeschränkte Befahrbarkeit. Zu DDR-Zeiten sei die Straße im oberen Bereich auch gesperrt gewesen und es habe sich keiner darüber aufgeregt, sagt er. Ähnlich argumentiert Nadja Rauscher, Geschäftsführerin der Liftgesellschaft Oberwiesenthal: "Ich befürworte eine Sperrung." Nicht nur, weil die Betreiber der Liftanlagen davon profitieren würden, sondern unter anderem auch des Naturschutzes wegen.

Hoteliers lehnen Vorschlag ab

Bei den betroffenen Hoteliers und Gastronomen stößt der Vorschlag dagegen auf breite Ablehnung, zum Beispiel in der Sachsenbaude. Für Jörg Schorr von der Direktion stellt die "bequeme individuelle Auffahrt" sogar ein Alleinstellungsmerkmal dar, was aus seiner Sicht sogar noch viel stärker beworben und nicht vernichtet werden sollte. "Je nach Gestaltung der Sperrung der Auffahrt würden Gäste bei uns komplett ausbleiben", prophezeit er. Zumal das Haus über keine andere Zugangsmöglichkeit verfüge - wie etwa vergleichsweise die Schwebebahn zum Fichtelberghaus. Was seitens des Unternehmens dagegen als "absolut sinnvoll" erachtet wird, ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 oder gar 30 Kilometer pro Stunde.

"Sollte uns die verkehrstechnische Basis für unseren Wirtschaftsbetrieb genommen werden, hätte dies für uns existenzielle Auswirkungen", bringt es Ria Meinel, Geschäftsführerin des Fichtelberghauses, noch deutlicher auf den Punkt. Letztlich sei die offene Straße sogar eine wichtige Voraussetzung dafür gewesen, dass ein Pachtvertrag mit dem Landkreis zu Stande gekommen ist und inzwischen mehr als 600.000 Euro Investitionen getätigt wurden. Mittlerweile seien im Fichtelberghaus 30 Mitarbeiterinnen, 10 Lehrlinge und 2 Praktikanten beschäftigt.

Landkreis will Auffahrt behalten

Angesichts der vorgebrachten Argumente mahnt auch der Stadtplaner zu einer sorgfältigen Abwägung. Wenngleich seiner Einschätzung nach die befürchteten finanziellen Einbußen durch entsprechende Ausnahmeregelungen für die Hotelgäste sowie für Busse und Motorradfahrer abgefangen werden könnten. Und Björn Teichmann kennt auch die Reaktionen aus der Verwaltung des Erzgebirgskreises auf seinen Vorschlag, in deren Eigentum sich sowohl die Straße als auch das Fichtelbergplateau befinden: "Die Bedeutung der Fichtelbergauffahrt und ihr Ausbauzustand schließt Betrachtungen für eine Sperrung, auch für einzelne Verkehrsarten, grundsätzlich aus", betont Annerose Lühr, zuständige Referatsleiterin.

Dennoch findet das Ansinnen durchaus auch auf dem Gipfel Befürworter - einer davon ist beispielsweise Enrico Högen vom Restaurant Himmelsleiter. Gäste seines Hauses würden sich durchaus kritisch zu dem teilweise hohen Verkehrsaufkommen auf dem Berg äußern, wo sie doch eigentlich die Ruhe suchen. Café-Betreiber Frank Weber aus dem Stadtzentrum führt noch ein ganz anderes Argument ins Feld: "Der Landkreis verschenkt Einnahmen", sagt er. Ob eine Sperrung der Fichtelbergauffahrt allerdings mehr Gäste in die Innenstadt von Oberwiesenthal bringen würde, dazu wagt er keine Prognose.

 

TED: Parallel zu unserer Online-Abstimmung können sich Leser auch telefonisch an der Umfrage beteiligen.

Soll die Auffahrt zum Fichtelberg für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden?

Ja: 0137 660304-0

Nein: 0137 660304-1

Die Leitungen sind bis Sonntag, 12 Uhr geschaltet. Ein Anruf kostet 25 Cent aus dem Festnetz der Deutschen Telekom. Andere Netze können davon abweichen.

 

 
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erschienen am 13.07.2012 (Von Antje Flath)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
10
(Anmeldung erforderlich)
  • 15.07.2012
    07:16 Uhr

    Deluxe: Das wird sicher interessant, wenn die Hotelgäste des Fichtelberghauses in Zukunft ihre Koffer und Taschen mit der Schwebebahn - oder noch besser mit dem Sessellift nach oben schleppen.
    Schönen Urlaub!

    0 2
     
  • 13.07.2012
    15:43 Uhr

    Steffen: Irgendwie ist das typisch für O'thal. Die Touristen sollen gezwungen werden mit der Gondel nach oben zu fahren um Kasse zu machen. Vielleicht kommen die Touristen dann aber gar nicht erst oder nur einmal. Zum Glück kann der Kunde nicht gezwungen werden nach O'thal zu fahren. Er kann ja ganz einfach in ein anderes Gebiet fahren. Ich glaube in einem bayrischen Touristenzentrum würde keiner auf so eine merkwürdige Idee kommen.

    1 1
     
  • 13.07.2012
    14:37 Uhr

    809626: Unfall am Fichtelberg: http://mtwv.de/wordpress/?p=4757

    0 0
     
  • 13.07.2012
    14:31 Uhr

    809626: Oberwiesenthal will Fichtelbergauffahrt für den Verkehr sperren , http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Stadtplaner-will-Fichtelberg-fuer-Autos-sperren-artikel8040687.php

    Ich bin ja dafür, jede nur denkbare (und vor allem wirkungsvolle) Möglichkeit zu schaffen, daß das Tempo rausgenommen werden muß. Denn nicht alle halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder. Aber die Auffahrt zu sperren hieße, auf Besucher bewusst zu verzichten. Nichts gegen die Schwebebahn oder den Fichtelberg als Wintersportgebiet. Aber mich reizt der Fichtelberg im Frühjahr/Sommer/Herbst als Motorradausflugsziel. Und da wir eher "Motorradwandern" als Verkehrsrowdytum bestreiten, muß ich mich für diese Art des Heimattourismus auch nicht entschuldigen.

    Auf meiner Tourenwebsite www.mtwv.de bedanke ich mich auch bei den Verantwortlichen Betreibern für die offene Zufahrt, ich ermahne meine Website-Besucher zu rücksichtsvollem Benehmen und bewerbe die offene Zufahrt damit eigentlich sogar - was die Fichtelbergbetreiber oder die Stadt O´thal nicht fertig bringen.
    Anstatt Kapital daraus zu schlagen, daß Besucher den Berg im Erzgebirge (unter anderem auch) befahren dürfen, will man die Auffahrt sperren. Besser wäre es doch, eine Möglichkeit des Kompromisses aller Interessen zu finden.

    Wird die zufahrt gesperrt, verliert der fichtelberg mich als Besucher, zumindest als spontanen Tagesgast. Denn ich laufe nicht in einer Motorradkombi den Berg hinauf. Wer das von mir erwartet, hat keine Ahnung. Im Winter ist der Fichtelberg für mich reizlos, ich bin kein Wintersportler. Allenfalls als Fotofreak würde ich den Berg im Winter besuchen, aber da wäre mir der wintersportliche Massenauflauf zu groß.

    Fazit: Auffahrt gesperrt, Motorradfahrer fort - und vielleicht noch viele andere ......

    0 0
     
  • 13.07.2012
    13:33 Uhr

    Arzgebirgwiebistduschie: Also bevor sich jetzt hier wieder alle den Kopf einschlagen- würde ich mich auch mal für einen Kompromis aussprechen. Die schöne Schwebebahn muss gerettet werden- deswegen die nachvollziehbare Idee von Herrn Teichmann aber die Auffahrt völlig dicht zu machen, wo die Strecke,insbesondere bei Motorradfahrern,so beliebt ist, wäre wohl zu drastisch. vielleicht findet sich ein Mittelweg um allen Beteiligten ein bißchen entgegen zu kommen. - Die Belebung der Innenstadt könnte einfacher, z.B. durch die Genehmigung von Straßencafés, erreicht werden.

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