Terminsuche bei regionalen Augenärzten nahezu aussichtlos
Situation bei Fachärzten im Altkreis Annaberg ist prekär
Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Gesetzlich krankenversicherte Patienten müssen durchschnittlich sechs Tage länger auf einen Arzttermin warten als privat versicherte. Laut einer repräsentativen Umfrage unter 6000 Bundesbürgern erhalten erstere im Schnitt erst nach 20 Tagen einen Termin zu Routineuntersuchungen, Privatversicherte dagegen schon nach 14 Tagen. Soweit die Statistik. Doch im Altkreis Annaberg stellt sich die Situation weitaus prekärer dar - zum Beispiel bei den Augenärzten. Dort bekommen neue Patienten gar nicht erst einen Termin.
Drei Ärzte - kein Termin
"Wegen eines gesundheitlichen Problems bekam ich Anfang April von meinem Hausarzt eine Überweisung zum Augenarzt. Ich versuchte, bei den drei Augenärzten in Annaberg, bei einem in Buchholz und bei einem in Ehrenfriedersdorf einen Termin zu bekommen. Bei allen drei Ärzten erhielt ich die gleiche Aussage: Wir nehmen keine weiteren Patienten auf", schreibt beispielsweise Kassenpatient Roy Hübner aus Jöhstadt. Als Privatpatient hätte er dagegen noch in der gleichen Woche einen Termin bekommen. Als Tipp erhielt er, sich in der Augenklinik in Aue zu melden - Wartezeit dort: drei bis vier Monate. "Erst nach mehrmaligem Bitten und nochmaliger Schilderung meines Problems bekam ich sofort einen Termin - am gleichen Tag des Anrufes", schildert Hübner.
Liste mit 99 Praxen
Über ähnliche Erfahrungen berichtet auch Lisa Schulze aus Annaberg-Buchholz. "Mein Mann hat trotz Überweisung seines Hausarztes keinen Termin bei einem Augenarzt bekommen", ist ihrem Schreiben zu entnehmen. Daraufhin hatte sich die Familie Hilfe suchend an ihre Krankenkasse gewandt, die sich wiederum mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen in Verbindung setzte. Das Ergebnis: Die Familie erhielt eine Liste mit den Adressen von insgesamt 99 Augenärzten - alle aus dem Direktionsbezirk Chemnitz. Dementsprechend reicht die Liste von Leisnig und Döbeln über Wilkau-Haßlau bis Brand-Erbisdorf. Für Lisa Schulze "eine Zumutung, ja sogar eine Frechheit", schimpft die Seniorin in ihrem Brief.
Schlechte Erfahrungen
Ebenfalls schlechte Erfahrungen mit Fachärzten im Altkreis Annaberg - speziell mit Augenärzten - haben auch Bernd Richter und seine Frau gesammelt. Bernd Richter beispielsweise wurde unter anderem wegen einer abgelehnten Augeninnendruckmessung "ziemlich unter Druck gesetzt".
"Diese Messung muss vom Patienten bezahlt werden. Da ja (angeblich) für alle medizinisch notwendigen Untersuchungen die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden, muss man also annehmen, dass die erwähnte Messung medizinisch nicht notwendig ist", begründet er seine Ablehnung. Als er ein Jahr später die Messung bei einem kostenlosen Gesundheitscheck einer Krankenkasse hatte durchführen lassen, bekam er ebenfalls "was zu hören". Seit zwei Jahren lässt er sich nun beim Augenarzt im Klinikum in Aue behandeln und ist zufrieden.


