Norbert Lötzsch (rechts im Bild) ist einer der Touristen-Führer, die Interessierten im Besucherbergwerk "Im Gößner" die Geschichte des Bergbaus nahe bringen.
Foto: Brigitte Streek
Über Strickleitern ging es in eine unberührte Welt hinab
Am Mittwoch vor 15 Jahren wurde das Besucherbergwerk "Im Gößner" eröffnet - Ein Zufallsfund im Hof des Erzgebirgsmuseums brachte die Sensation
Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Die Unterwelt der Kreisstadt beginnt mitten im Stadtzentrum. Direkt im Erzgebirgsmuseum, in unmittelbarer Nachbarschaft der altehrwürdigen St.-Annen-Kirche, geht es hinab. Oder besser: Hinein in den Berg. Hinein in das Besucherbergwerk "Im Gößner".
Am 25. August vor 15 Jahren wurde der Stollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem haben mehr als 200.000 Besucher die Gelegenheit genutzt, einmal ins Innere von Annaberg vorzudringen und so eine kleine Zeitreise zu unternehmen. Denn der Gößner ist in etwa genauso alt wie die Stadt.
"Experten schätzen, dass das Bergwerk etwa von 1498 bis in die Jahre 1510 oder 1520 zum Silberabbau genutzt wurde", erklärt Jörg Nicklaus vom Erzgebirgsmuseum. Ein besonderes Glück sei es, dass der Stollen seit dieser Zeit fast unberührt blieb. Denn über Jahrhunderte war der Gößner praktisch unbekannt und einem Dornröschenschlaf überlassen.
Erst 1985 wurde im Keller des Hauses Kupferstraße 12 eine offene Bergbaustrecke gefunden. Eine Entdeckungsbohrung im Hof des Erzgebirgsmuseums im Jahre 1992 förderte schließlich die "Sensation", wie Jörg Nicklaus sie bezeichnet, zu Tage. "Das war schon etwas Einmaliges. Mitten im historischen Stadtkern konnte man auf einmal mit Strickleitern 13 Meter tief in eine bizarre unberührte Welt hinabsteigen."
Dabei mussten die ersten Entdecker des neuen alten Bergwerkes - nämlich Arbeiter der Bergsicherung Schneeberg und Mitarbeiter des Bergamtes Chemnitz - in den 1990er-Jahren fast so zu Werke gehen wie ihre Kollegen, die Bergmänner vor 500 Jahren. "Um das Geröll bei Seite zu schaffen, war harte körperliche Arbeit notwendig. Oft musste mit bloßen Händen gearbeitet werden. Man konnte die moderne Technik im Stollen einfach nicht so einsetzen, wie es nötig gewesen wäre", erinnert sich Jörg Nicklaus.
Am 19. November 1992 beschloss die Stadtverordnetenversammlung schließlich, ein Besucherbergwerk einzurichten. Nachdem im Oktober 1993 für dessen Bau von der Europäischen Union und der Bundesrepublik drei Millionen D-Mark bereitgestellt wurden, konnten die Arbeiten beginnen. Sie wurden bis zum Juni 1995 abgeschlossen und das Besucherbergwerk "Im Gößner" am 25. August feierlich eröffnet.
Heute bietet ein ausgebauter Rundweg den Gästen die Möglichkeit, sich über die Geschichte des Silber-Bergbaus in der Region zu informieren. Im Bauch des Berges lassen die Spuren von Schlägel und Eisen die Besucher erkennen, welche körperlich schwere Arbeit der Bergbau war. Einzelne Erzgänge sind dort ebenso zu sehen wie farbenprächtige Minerale und die Standorte alter Förderanlangen. "Alles ganz so wie vor 500 Jahren", freut sich Jörg Nicklaus. Er schränkt aber ein: "Nur auf die Entdeckung von Silber müssen die Gäste verzichten. Das ist bis auf das letzte Gramm aus dem Berg ausgebeutet worden."
Seinen Namen verdankt das Bergwerk Andreas Gößner. Der Schwiegersohn des ersten Annaberger Bürgermeisters war der Besitzer des Grubenfeldes, zu dem das heutige Besucherbergwerk gehörte.


