Unfallstatistik im Erzgebirge: Mehr Tote, mehr Verletzte
Polizeisprecher Frank Fischer: Die Dunkelziffer ist sicher hoch
24 Menschen haben 2011 auf den Straßen des Erzgebirgskreises ihr Leben verloren, 1330 wurden verletzt. Ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Dabei hatte es 2010 öfter gekracht -aber weniger heftig. Warum das nicht so leicht zu erklären ist, analysiert Frank Fischer von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Die Fragen stellte Frank Hommel.
Freie Presse: Herr Fischer, was ist die wichtigste Erkenntnis aus der neu veröffentlichten Verkehrsstatistik für 2011 im Erzgebirge?
Frank Fischer: Die Entwicklung spiegelt im Wesentlichen den Trend wider, der auch landes- und bundesweit zu verzeichnen ist. Hauptunfallursachen bleiben ungenügender Sicherheitsabstand, unangepasste Geschwindigkeit und Nichtbeachten der Vorfahrt. Leider bleibt auch der Anteil der sogenannten Unfallfluchten relativ hoch. Bei rund einem Fünftel aller Unfälle hat mindestens einer der Beteiligten pflichtwidrig die Unfallstelle verlassen. Jeder, der mit diesem Gedanken spielt, sollte wissen, das ist eine Straftat, die zum Beispiel in Annaberg, Marienberg und Stollberg zu rund 50 Prozent aufgeklärt wird.
Freie Presse: Die Unfallzahlen sind gegenüber 2011 gesunken. Ist das eine statistische Momentaufnahme oder ein längerfristiger Trend?
Frank Fischer: Langfristig gibt es sicher einen rückläufigen Trend. Aber zwischen den Jahren gibt es Schwankungen, die von nicht zu beeinflussenden Faktoren abhängen, aber natürlich tolerierbar sein müssen.
Freie Presse: Trotz weniger Unfällen kamen mehr Menschen ums Leben und es wurden auch mehr verletzt. Augenscheinlich nimmt die Schwere der Unfälle zu. Wieso?
Frank Fischer: Mit dieser Fragen werden sich sicher Verkehrswissenschaftler beschäftigen. Bei allem Leid, das hinter Unfällen mit Toten oder Verletzten steht: Nicht jede Entwicklung kann ohne Analyse sofort erklärt werden, umso weniger, wenn die absoluten Zahlen relativ niedrig sind. Nur als Beispiel: Im Jahr 2008 gab es in den Revierbereichen Annaberg, Marienberg und Stollberg 28 Verkehrstote. Dann sank die Zahl bis auf 13. Nun gab es wieder einen Anstieg.
Freie Presse: Und welche Rolle hat das Wetter mit dem schneereichen Winter 2010/2011 gespielt?
Frank Fischer: Sicher nehmen bei winterlichen Fahrbahnbedingungen auch die Unfälle in den Gebirgslagen zu. Allerdings nicht so dramatisch wie in den niederen Lagen unseres Direktionsbereiches. Die Erzgebirger sind Winter gewöhnt und können sich offenbar schneller auf entsprechende Fahrbahnverhältnisse einstellen.
Freie Presse: Die Rolle von Alkohol hat sich augenscheinlich nicht dramatisch verschärft?
Frank Fischer: Man sollte das Problem Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr aber nicht verniedlichen. Die Zahl der Trunkenheitsfahrten ist stabil hoch, die Dunkelziffer sicher ebenso und die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss angestiegen. Dahinter stecken nicht nur Beulen im Blech, sondern bei Verlust des Führerscheins stellen sich auch existenzielle Fragen. Nicht zu vergessen, die Tragik bei Personenschäden.
Freie Presse: Fahren Erzgebirger eigentlich eher rücksichtsvoller als andere oder neigen sie zur Raserei?
Frank Fischer: Aus Sicht der Polizei machen die Revierbereiche im Erzgebirge keinen Unterschied zu anderen Regionen. Es gab und gibt die rücksichtsvollen Fahrzeugführer, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Und es gibt die Rücksichtslosen, die in Wild-West-Manier unterwegs sind. Letztere sind glücklicherweise in der Minderheit.
Freie Presse: Welche Schlüsse ziehen Sie daraus in Bezug auf Kontrolle und Prävention?
Frank Fischer: Die Präventionsaktivitäten werden fortgesetzt. Alkohol- und Geschwindigkeitskontrollen bleiben an der Tagesordnung. Denn es gilt, Raser und betrunkene Autofahrer vor sich selbst, vor allem aber unbeteiligte Dritte zu schützen.

