Gegrilltes Dach: die demolierte Wanderhütte "Dörfler Höhe"
Foto: PF
Vandalen machen Schlettau zu schaffen
Eine verwüstete Wanderhütte markiert das jüngste Kapitel einer Reihe von Vorfällen
Schlettau. Auf ihrem Computer hat eine Mitarbeiterin des Schlettauer Rathauses einen Ordner angelegt, der sich schnell mit neuen Bildern füllt. Das jüngste Foto zeigt eine völlig demolierte Wanderhütte. Der Name des Ordners, "Beschädigte und gestohlene Sachen 2012", ist bezeichnend für ein Problem, das die Stadt Schlettau in diesen Tagen beschäftigt. "In den Sommermonaten haben wir verstärkt mit Vandalismus und Diebstahl zu kämpfen", sagt Organisationsleiter Jochen Meyer. "Geschädigt werden immer zwei: die Stadt als Eigentümer und der, der es nutzen wollte."
Vier Anzeigen hat Meyer allein im August bei der Polizei erstattet. Inhalt der Schreiben ist die denkwürdige Bilanz der letzten Wochen. Den traurigen Höhepunkt markierte die Zerstörung der Wanderhütte an der "Dörfler Höhe". Unbekannte rissen Teile des Dachs des Holzblockhauses ab und verfeuerten die Sparren im steinernen Grill nebenan - der bereits zuvor auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe "zurückgebaut" wurde.
Mehrere demolierte Wegweiser und Papierkörbe an Wanderpfaden ergänzen das wüste Bild im Schlettauer Umkreis. Weiterhin klauten unbekannte Täter erneut massive Holzbänke, die an Wanderwegen als Raststelle gedacht waren. Auch vor einem städtischen Bauwagen im Stadtwald machten Diebe nicht Halt. Ihre Beute: eine teure Motorsense. Als besonders ärgerlich empfindet Schlettaus Organisationsleiter, dass die Diebe einen Rettungsring am Weiher entwendet haben. "Obwohl der Wert nicht so hoch ist, ist die Tat viel höher zu bewerten. Damit werden Menschenleben gefährdet."
Dass es das Problem zerstörter Rastplätze und Wegweiser nicht nur in Schlettau gibt, bestätigt Wolfgang Stiehler vom Erzgebirgsverein. "Einige Zweigvereine haben immer wieder mit Vandalismus zu tun, das tritt in Wellen auf", berichtet der Pressesprecher. Wegewarte leisteten mit ihrem Ehrenamt viel für den Tourismus. Das werde mit Füßen getreten. Darum dürften solche Zerstörungen nicht als Kavaliersdelikt betrachtet werden. "Und seien wir mal ehrlich", so Stiehler weiter, "welcher Tourist fährt denn wo hin, wo alles demoliert ist?"
Auf den Schäden, die Schlettaus Organisationsleiter Meyer auf insgesamt mehrere Tausend Euro beziffert, bleibt die Stadt zunächst sitzen. Versicherungsbeiträge für derartige Dinge fielen "unverhältnismäßig hoch" aus, so Meyer. Die Chancen, die Unbekannten zu fassen, seien zudem eher gering. Ob eine oder mehrere Gruppen, einen konkreten Verdacht habe er nicht. Jedoch vermute er, "dass die Täter kaum kilometerweit anreisen".
Indes will die Stadt Schlettau angesichts der Zerstörungen nicht resignieren. "Wir haben uns jetzt entschieden, die Hütte nicht zu liquidieren", erklärt Jochen Meyer. Der Unterschlupf soll repariert werden, um Gästen wieder einen Rastplatz zu bieten. "Das Grundgerippe hält noch", so Meyer. Darauf werden Bauhofmitarbeiter Ende August ein neues Dach anbringen sowie den Grill wieder aufmauern. Als Tische und Stühle sollen künftig Steinblöcke dienen. Meyer: "Die kann keiner so leicht wegtragen oder zerstören."

