Betreuungsassistentin Heike Schönherr bereitet mit Dieter Hanitzsch (l.) und Heinz Schreiter einen leckeren Obstsalat zu. Die soziale Betreuung und Alltagsgestaltung ist einer von vier Schwerpunkten bei der Bewertung der Qualität von Pflegeeinrichtungen. Foto: Brigitte Streek
Verhaltene Freude über gute Pflege-Noten
Annaberg-Buchholzer Heim "St. Anna" und Haus "Adam Ries" schneiden bei Pflege-Tüv überdurchschnittlich gut ab - Trotzdem Zweifel am System
Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Beim so genannten Pflege-Tüv haben zwei Annaberg-Buchholzer Seniorenpflegeeinrichtungen überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Das Haus "Adam Ries" des kommunalen Wohn- und Pflegezentrums Annaberg (WPA) erzielte eine Gesamtnote von 1,4; das Altenpflegeheim "St.Anna" der Caritas die Note 1,5. Der Landesdurchschnitt liegt nach der Bewertung von gut 300 Heimen bei 1,9. Die Prüfergebnisse weiterer stationärer Einrichtungen im Raum Annaberg liegen noch nicht vor.
Dennoch hält sich die Freude bei den Leitern der Einrichtungen in Grenzen. Grund dafür ist das als mehr oder weniger fragwürdig erachtete Prüf- und Bewertungsverfahren. "Ich kenne richtig gute Häuser, die richtig schlecht abgeschnitten haben", relativiert "St. Anna"-Heimleiter Gerhard Hilbig. "Meines Erachtens läuft da etwas gehörig schief." Deshalb wolle er das gute Ergebnis seines Hauses nicht überbewerten. "Zufriedene Bewohner und gute Mund-zu-Mund-Propaganda sind uns eigentlich wichtiger."
Wie ihr Kollege ärgert sich auch WPA-Chefin Karin Berghäuser trotz des Erfolgs über schlechte Noten in einzelnen Punkten, weil Details der vorgeschriebenen Dokumentation nicht die von den Prüfern gewünschte Form hatten. "Wir legen viel Wert auf eine individuelle Pflege und dokumentieren alle Leistungen ausführlich. Das jedoch ist zum Teil mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden, der folglich in der direkten Versorgung unserer Bewohner fehlt", sagte sie.
Die Annaberg-Buchholzer Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch (CDU) - oberste Vertreterin der Stadt als alleiniger Gesellschafterin der WPA-Betreiber-GmbH - zeigte sich gleichwohl erfreut. "Die langjährige Zusammenarbeit mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau, die strengen Qualitätskriterien und der große Einsatz der Leitung und der Mitarbeiter haben Früchte getragen", meinte sie. "Wir können zurecht sagen: Unser Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-Buchholz ist eine erste Adresse der Seniorenpflege in Deutschland."


