Wiesenbader Gemeinderäte monieren Pläne für B-95-Brücke

Kritik gegen Überlegungen zur Anbindung - Konzeption des Straßenbauamtes abgelehnt

Thermalbad Wiesenbad. In teils hitzigen Äußerungen hat sich Thermalbad Wiesenbads Bürgermeister Heinz Fischer zur Ratssitzung am Dienstagabend gegen die Entwürfe für die geplante Zschopautalbrücke ausgesprochen. Damit ist die Umverlegung der Bundesstraße 95 zwischen Schönfeld und Annaberg-Buchholz gemeint. 12 der 13 Räte schlossen sich seiner Meinung an. In einem zweiseitigen Schreiben an das Straßenbauamt Plauen wollen die Bürgervertreter nun ihre Bedenken zu dem Projekt kundtun.

Das Kernproblem wird in der Anbindung der Bahnhofsstraße in Wiesa gesehen. "Laut der Pläne wird es künftig nicht mehr möglich sein, von Chemnitz kommend nach links ins Wiesaer Gewerbegebiet abzubiegen. Genauso wenig ist vorgesehen, von dort in Richtung Annaberg zu fahren. Wir werden abgekoppelt", so Fischer, der daher eine Verlagerung des Verkehrs auf die Talstraße befürchtet.

Diese bisherige Kreisstraße, die nahe dem Schönfelder Gewerbegebiet in die B 95 mündet, soll zwar zur Staatsstraße hochgestuft werden. Die Breite schwanke aber zwischen viereinhalb und fünf Metern. "Wenn zwei Lkw aneinander vorbei sollen, sind jedoch sechs Meter nötig", formulierte Fischer seine Anforderungen an eine Staatsstraße.

Ein weiterer Knackpunkt liegt in der Änderung des S-Kurven-Bereichs unmittelbar nach der Zschopautalkreuzung. Er soll schmaler werden "und wird wohl nur für den ÖPNV gebraucht", vermutet der Ortschef. Ihm sei der Erhalt dieses Stücks als Wirtschaftsweg ausreichend, zumal die Gemeinde dann nur einen eingeschränkten Winterdienst leisten müsste. "In den Plänen des Straßenbauamts ist jedoch von einer 3,50 Meter breiten Ortsstraße die Rede. Die würde dann in unsere Verantwortung fallen", so Fischer.

"Die Planung füllt sechs Aktenordner", beschreibt der Bürgermeister die Dimension, die das Projekt bereits angenommen hat. "Jeder Lurch, jeder Vogel und jedes Eichhörnchen wird betrachtet - nur der Mensch nicht", ereiferte er sich und verwies auf fehlende Angaben zu Wegen für Fußgänger oder Radfahrer. Trotz aller Diskrepanzen haben die Räte das Brückenbauvorhaben aber nicht gänzlich abgelehnt.

Fakten zum Brückenbau übers Zschopautal

Ziel: Die Kreuzung zwischen Schönfeld, Annaberg-Buchholz, Tannenberg und Frohnau soll entschärft werden. Zugleich würden die Steigung unmittelbar nach der Zschopautalkreuzung aus der Hauptachse ausgeklammert, dadurch die Abgasbelastung reduziert und zudem noch der Verkehrsfluss erhöht.

Umsetzung: Beginnend am Ortsausgang Schönfeld (im Bereich Gasthof zum Löwen) soll dabei auf einer Länge von 1,3 Kilometern der Trassenverlauf der B 95 geändert und mit einer etwa 375 Meter langen und 30 Meter hohen Brücke das Zschopautal überspannt werden. Die Verkehrsanbindungen nach Frohnau, Tannenberg und Wiesa (Talstraße) sollen mittels Ab- und Auffahrten gewährleistet werden.

Kosten: Knapp 15 Millionen sind veranschlagt. Die Finanzierung für das Großprojekt ist laut Straßenbauamt aber noch nicht gesichert. (tka/met)

 
erschienen am 12.10.2011 ( Von Thomas Kaufmann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
3
(Anmeldung erforderlich)
  • 14.10.2011
    07:26 Uhr

    Deluxe: Auch diesmal werden unsere erzgebirgischen Kommunalpolitiker wieder nur eins erreichen: daß am Ende womöglich GAR nichts mehr gebaut wird - schon gar nicht die längst überfällige und bitter nötige Brücke über die mittelalterliche Zschopautalkreuzung.
    Sollte am Ende tatsächlich nur der angedachte Kreisverkehr statt der großen Lösung Brücke kommen, dann gute Nacht. Das wäre das Ende aller weiteren B95-Ausbaupläne und der Grundstein für kilometerlange Staus in alle Richtungen - denn wie üblich wäre auch dieser Kreisverkehr von LKW überfordert.
    Daß es für die Zufahrten nach Wiesa eine bessere Lösung geben muß, bleibt unbestritten. Aber meine Befürchtung ist, daß die Verantwortlichen die Brücke im Ganzen nicht wollen. Und das wäre ein weiterer Sargnagel für die Anbindung des Raums Annaberg-Buchholz an die Region. Und diese Anbindung ist nach wie vor unzureichend und entspricht dem Infrastrukturniveau der frühen 50er Jahre. So kann und darf es nicht bleiben - der Raum Annaberg ist die letzte Erzgebirgsregion, für die anbindungstechnisch seit der Wende nichts passiert ist. Die Räume Marienberg, Aue, Schwarzenberg, Stollberg haben alle mehr oder weniger gute neue Anbindungsmagistralen Richtung A72 und Chemnitz. Nur die Annaberger tuckern mühevoll wie vor 50 Jahren durch Dörfer und Kleinstadtzentren in Richtung Oberzentrum. Das bekommt der Region nicht, den Menschen nicht, und der allzu oft vorgeschobenen Umwelt auch nicht.
    Liebe Lokalpolitiker: denkt bitte weiter als bis zu Euren Ortsschildern oder Eurem persönlichen Ruhebedürfnis in der erzgebirgischen Abgeschiedenheit! Es hängt hier weit mehr an diesem Bau als es auf den ersten Blick scheinen mag! Es geht um die Region - um unser aller Region und damit auch um Eure Wähler.

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  • 13.10.2011
    19:35 Uhr

    wundesknie: der fischer heinz ist wie wein , je älter je besser, und er denkt mit.

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  • 13.10.2011
    07:26 Uhr

    berggeist196: Sehr geehrte Damen und Herren,

    das hier durch den Artikel der FP erzielte Hauptaugenmerk auf die Brücke sollte nunmehr auf die bis dahin fungierenden Provisorien gerichtet werden.
    Eine in den 70er Jahren errichtete 80 cm starke Spannbetonbrücke mußte zwei Behelfsbrücken weichen.

    Wie lange werden diese Provisorien wohl halten müssen?

    Anstatt diese Stahlbrücken in der gleichen Fahnbahnführung der B95 einzuordnen, haben die Planer des SBA den Stahlfachwerkbrücken, vorerst der bergabführenden Spur, eine ganz neue Lage zugeordnet, mit aus meiner Sicht schwerwiegenden Nachteilen und Gefahren im Verzug.

    Die aus Wiesa auf die B 95 Auffahrenden werden aufgrund des längeren Weges über die Bergabspur der B95 und dem fehlendem Sichtkontakt durch 3 x Stahlfachwerk mit Maschendraht und Leitplanke
    es sehr schwer haben gefahrenfrei die Fahrbahn nach Annaberg ohne Angstschweiß im Gesicht zu erreichen.

    Zum Befahren des Brückenbauwerkes bergabwärts wird es schon einiger Fahrkünste bedürfen
    um das Bauwerk im wahrsten Sinne des Wortes zu treffen und die vorgegebenen Radien in Richtung Zschopautal zu fahren.

    Wie sich dies im Winter gestalten wird, daran wage ich nicht zu denken.

    Dieses Thema sollte nun durch die FP aufgegriffen werden, um die Fachbehörden aufzurütteln und zu einer gefahrlosen Lösung zu animieren, zumal dieser Zustand bis zum Bau der Brücke B 95 über das Zschopautal so belassen bleiben soll.

    Provisorien müssen erfahrungsgemäß sehr lang halten, wenn nicht für immer!

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