Wintersportmuseum bleibt auf der Kippe

Auch eine zweite Abstimmung im Oberwiesenthaler Stadtrat brachte keine Entscheidung

Oberwiesenthal. Das politische Kräftemessen am Fichtelberg geht weiter: Auch die zweite Abstimmung zum Millionenprojekt Wintersportmuseum endete mit einem Patt: Sieben Befürwortern von FDP und Bürgern für Wiesenthal standen sieben Ablehnungen aus den Reihen der CDU und der Alternativen Freien Wählervereinigung Oberwiesenthal gegenüber.

Allerdings ging es auch in dieser etwa einstündigen Diskussion wieder um grundsätzliche Dinge. Der eigentliche Inhalt des Beschlusses - die Vergabe der Planungsleistungen - blieb im Hintergrund. Nachdem Bürgermeister Mirko Ernst (FDP) nach der analogen Abstimmung in der vorangegangenen Sitzung bereits Widerspruch eingelegt hatte, ist nach dem gescheiterten zweiten Versuch nun die Rechtsaufsicht im Landratsamt gefordert. "Eine entsprechende Information wird umgehend erfolgen", kündigt er an.

Denn er sieht bei einem Scheitern des bereits im Dezember 2010 mehrheitlich befürworteten Vorhabens, für das die Sächsische Aufbaubank in Dresden auch schon rund drei Millionen Fördermittel bewilligt hat, große finanzielle Risiken für die Stadt. Neben möglichen Schadenersatzforderungen der bereits beteiligten Firmen stehen solche auch vonseiten des tschechischen Partners Ostrov im Raum. Dort sollte im Rahmen des gemeinsamen Projektes zum weiteren Ausbau des grenzüberschreitenden Tourismus ein Teil des Schlosses restauriert werden. Deshalb steht etwa eine Million Euro Fördermittel den Nachbarn zu. Erste Aufträge seien auch schon ausgelöst. Dementsprechend mahnte Stadtrat Karl-Ludwig Taulin (FDP): "Ob wir wollen oder nicht, über Ostrov entscheiden wir mit."

Argumente, von denen sich die Gegenseite nicht beeindrucken lässt. Ihr von Anfang an schwerwiegendster Kritikpunkt: der Standort. Beide Fraktionen vertreten die Meinung, "dass das vorliegende Projekt am derzeit festgelegten Standort den kommunalen Haushalt unverhältnismäßig hoch und langfristig belastet", geht aus einem vorliegenden Positionspapier hervor. Zudem wird kritisiert, dass "das geplante Objekt mit dem neuen Anbau optisch den Planungsbereich überfrachtet und das derzeitige Ortsbild negativ beeinträchtigt". Ihr Alternativvorschlag: das Gebäude der ehemaligen Grund- und Mittelschule an der Peripherie der Innenstadt. Darüber sei diskutiert, das Ansinnen aber mehrheitlich im Rat verworfen worden. Unter anderem auch, weil die Betriebskosten dort deutlich höher wären, wie Karl-Ludwig Taulin vermutet. Der Kritik an den "zu hohen Betriebskosten" hält der Bürgermeister entgegen, dass diese "keineswegs zu hoch" seien, jedoch vorsichtig kalkuliert wurden. An den Gesprächen dazu seien sowohl Planer als auch Vertreter des Kulturraumes Erzgebirge beteiligt gewesen, die über ein umfassendes Wissen zum Betrieb solcher Einrichtungen verfügen.

 
erschienen am 07.06.2012 ( Von Antje Flath )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
3
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  • 08.06.2012
    18:39 Uhr

    arzgebirgde: Ich kann meinen Vorgängern nur Recht geben. Was in dieser Stadt seit Jahren passiert ist eine Schande für das Erzgebirge.
    Ich bin selber Gastronom und musste in den letzten Jahren den Verlust von vielen Gästen hinnehmen, die es Satt hatten mit den "Erzgebirgischen St. Moritz". Statt etwas für die Stadt und der Region tun, denkt man nur an seine Vorteile und vergisst dabei, das wir für unsere Urlauber da sind und wir von Ihnen Leben.
    Man kann sich anstrengen wie man will, um Gäste ins Erzgebirge zu holen, man sollte nur vermeiden, dass sie nach diesen Ort fahren. Schön ist es das es z.B. für Skifahrer Alternativen in Neudorf, Crottendorf und Jöhstadt gibt.
    Aber jede Stadt hat Ihre Volksvertreter die Sie verdient.
    An alle die diese Zeilen lesen, Oberwiesenthal ist nur ein kleiner Teil unseres wunderschönes Erzgebirges.
    Wir warten auf Euch, Urlauber und Freunde !

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  • 08.06.2012
    12:36 Uhr

    Arzgebirgwiebistduschie: Mein Vorredner hat leider recht. Die Grabenkämpfe verhindern den Fortschritt. Ideen gibt es genug aber es ist Zeit das die Verantwortlichen aufwachen und Taten folgen lassen. Nur so hat Othal hat alle Chancen weiterhin ein beliebtes Urlaubsziel zu bleiben. Was will man allerdings erwarten von einem "Kurort", in dem es den Gastronomen verboten ist bei schönem Wetter die Touristen im Freien zu bewirten, weil Stühle und Tische vor den Gaststuben den Gehweg blockieren könnten. Lächerlich und traurig!

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  • 07.06.2012
    22:40 Uhr

    Zwickauer1982: So geht es nicht weiter! Der Tourismus ist die einzige Zukunftschance für Oberwiesenthal. Da müssen einfach mal alle an einem Strang ziehen und sich nicht ständig gegenseitig behindern. Angefangen beim Wintersportmuseum, Ausbau der Pisten und Lifte bis hin zur richtigen Zusammenarbeit mit den tschechichen Nachbarn. Auf Webseiten des Nachbarn liest man von Ideen, Planungen und Verwirklichungen eines gemeinsamen Skiareals. Auf deutscher Seite ließt man lediglich von einem gemeinsamen Skipass - das Interesse fehlt. Oberwiesenthal hat nur eine Chance wenn kräftig in ein gemeinsames Skizentrum investiert wird. Dafür können auch Schulden gemacht werden, sonst verliert man den Anschluss und Touristen gehen lieber auf den Keilberg wo seit letztem Jahr durch große Investitionen die Wintersportbedingungen besser sind als in O-Thal. Übrigens gehört zu einem Skizentrum auch ein Spaß- Hallen- und Freibad! Hat sich da schonmal jemand Gedanken gemacht? Um noch mal auf den eigentlichen Zeitungsartikel zurück zu kommen: Wenn ihr Oberwiesenthaler die Fördermittel für das Museum verstreichen lassen würdet, wäre dies das dümmste was man machen kann.
    Fazit: Eine straffe Hand, gute Planung und Engagement fehlen - schade.

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