Zu wenig Lehrer, zu große Klassen
In zwei Grundschulen der Region werden im nächsten Schuljahr geltende Regeln außer Kraft gesetzt.
Wiesa/Kühnhaide. Wiesa/Kühnhaide. Die Regel ist klar: 25 Schüler sollen höchstens zusammen in einer Klasse lernen. Jedenfalls wenn integrativ beschulte Kinder dabei sind, denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss - aus welchen Gründen auch immer. 26 ist dann die magische Zahl, der Klassenteiler. Nur gilt diese sachsenweite Regel offenbar nicht in Wiesa und in Kühnhaide. Dort soll es an den Grundschulen laut aktuellem Plan bald Klassen geben, die größer sind. Der Grund: Es gibt zu wenig Lehrer. "Deshalb wird dort geltendes Recht durch Einschüchterung der Eltern ausgehebelt", regt sich Kreiselternratsvorsitzender Bernd Dieckmann auf. Denn die Eltern haben sich sowohl in Wiesa als auch in Kühnhaide bereiterklärt, die Situation hinzunehmen. Zähneknirschend. "Ich werde das dennoch dem Kultusministerium mitteilen. Es kann nicht sein, dass Kinder drunter leiden, dass keine Lehrer da sind", betont Dieckmann.
Beispiel Wiesa: Dort soll es ab September 2011 eine erste Klasse geben, die 26 Schüler zählt. Mit dabei: vier Integrativkinder. Zwar sei das nicht ganz konform mit den Verwaltungsvorschriften, aber unumgänglich, heißt es dazu aus der Sächsischen Bildungsagentur. Wenn die Eltern auf zwei Klassen beharrt hätten, wäre zu überprüfen gewesen, ob die vier integrativ zu beschulenden Kinder an andere Schulen geschickt werden können. "Da haben die Eltern zugestimmt", so der Kreiselternrats-Chef. Bedingung sei, dass es im Einzelfall Hilfe gebe und für genügend Lehrpersonal gesorgt werde.
Auch in Kühnhaide an der Grundschule "Am Schwarzwasser" haben sich die Eltern geeinigt, eine große Klasse mit 27 Schülern zu akzeptieren, darunter ein Integrationskind und zwei tschechische Schüler. Obwohl die Eltern sich zunächst gewehrt haben. "Stellen Sie sich bitte vor, Sie arbeiten in einem Raum mit 26 Kollegen mit unterschiedlichen Temperamenten und Interessen zusammen und sollen sich konzentrieren", heißt es in einem Brief an die Sächsische Bildungsagentur. Mit der Bitte um nochmalige Prüfung der Entscheidung. Die Antwort: Falls das so nicht möglich sei, müssten eben die tschechischen Kinder an andere Schulen wechseln, dann bliebe der Klassenteiler gewahrt.
"Eine effiziente Klassenbildung nach den Verwaltungsvorschriften ist unabdingbar, um eine bedarfsgerechte Lehrerversorgung zu garantieren", sagt Heike Scherf von der Sächsischen Bildungsagentur dazu. Solange Pädagogen und Kinder ihre großen Ferien genießen, wird dort mit Hochdruck daran gearbeitet, jeder Schule genügend Personal zur Verfügung zu stellen. Nur scheint das bereits jetzt schon manchmal nicht mehr möglich zu sein.


