Ein schöner Pfad führt durch das Steinbachtal bei Johanngeorgenstadt.
Foto: Frank Hommel
Teil 11: Wo Trolle mit Felsbrocken Murmeln spielen
Johanngeorgenstadt /Weitersglashütte. Kaum zu glauben, aber wahr. Alles hat ein Ende. Selbst die Bratwurst vom Imbiss. Und wer nur weit genug läuft, lässt irgendwann auch das Erzgebirge hinter sich. So weit bin ich nicht. Noch nicht. Die elfte Etappe des Kammwegs Erzgebirge-Vogtland von Johanngeorgenstadts Ortsteil Steinbach nach Weitersglashütte ist die letzte auf rein erzgebirgischer Flur, bevor es ins Vogtländische hinüber geht.
Erst noch der Auersberg. Zu Sachsens zweithöchstem Gipfel leitet die weiß-blau-weiße Kammweg-Markierung durchs verwunschene Steinbachtal. Als das Erzgebirge noch Miriquidi hieß, murmelten Trollkinder hier mit Granitbrocken. Dann brachen nach Silber hungernde Menschen in den dunklen Wald. Erschrocken rannten die Trollkinder davon. Ihre zurück gelassenen Felsbrocken hat seitdem ein Teppich aus Moos eingeschlossen.
Sauschwemme und Berlusconi
Wie meine Gedanken nach links ins Gelände abbiegen, wird mir bewusst, dass mir das Laufen zur Gewohnheit geworden ist. Ich lasse Fichten und Kiefern und Disteln an mir vorüber ziehen. Noch immer zahle ich der Berge Tribut in Schweiß. Aber ich lausche dabei dem Ächzen der Bäume, dem Brummen der Insekten. Der Wald spricht seine eigene Sprache. Hin und wieder lässt er mich "Im Frühtau zu Berge" anstimmen. Im Geiste. Ein Ohrwurm, dessen Noten mir irgendein Holzwurm in die Gehirnrinde geritzt haben muss. Und schon habe ich die Sauschwemme passiert.
Sauschwemme. Warum heißt der Ort so komisch? Das "Sau" im Namen hat laut einer Tafel nichts mit grunzenden Tieren zu tun, sondern mit einem Wort namens "Sey" für sumpfiges Gelände. Welche Sprache das sein soll, verrät das allwissende Internet nicht: Wer nach Sey und Sumpf sucht, erfährt lediglich Interessantes über Silvio Berlusconi und Dominique Strauß-Kahn. Der Suchkonzern unterstellt mir ungefragt, ich suchte nach einem "Sex-Sumpf". Aus "Rechtsgründen" muss er mir leider vier der 459.000 Suchergebnisse vorbehalten. Von Sauschwemme zu Berlusconi kommen: Vielleicht ist das Netz doch schlauer als man glaubt.
Auf dem Auersberg treffe ich einen Bekannten: Andreas Körner, Radler aus Lichtenstein, kreuzte schon auf dem Hirtstein meinen Weg. Und ich treffe Anthony Dole aus Melbourne. Ein Australier auf dem Auersberg? Das ist wohl so selten wie ausgedehnte Fichtenbestände auf dem fünften Kontinent. "Ich mag das Grün. In Australien haben wir nicht allzu viel davon", sagte er.

