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"Fuftsch Minuten Verspätung" heisst das neue Mundart-Theaterstück der Hormersdorfer.

Foto: Christof Heyden

Wird die Bahnstation ausrangiert?

Das Erzgebirge ist einzigartig - auch wegen der Sprache. "Freie Presse" hat den Leuten aufs Maul geschaut. Heute: Das Erzgebirgische Mundarttheater Hormersdorf startet in seine 24. Spielsaison.

Von Christof Heyden
erschienen am 20.03.2017

Hormersdorf. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er etwas erzählen. Im Sinne des Volksmundes nimmt der Erzgebirgische Theaterverein Hormersdorf sein Publikum mit auf eine heitere Bühnentour. Die Akteure wissen in ihrer jüngsten Inszenierung Lachmuskeln strapazierend jenes Geschehen zu erzählen, wenn die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesenen Haupthelden gar nicht erst aus dem Heimatort hinauskommen. Heiter-dramatisch thematisieren die Vereinsfreunde in dem Vierakter in heimischer Mundart die Pannen des Dienstleistungsunternehmen Eisenbahn, aber auch die Reaktionen der Reisenden werden ins kabarettistische Visier genommen.

Die kleine, an einer Nebenstrecke liegende Station namens Dorfchemnitz ist im Zeitalter der Deutschen Reichsbahn in den 1980er-Jahren der Schauplatz des rund zweistündigen Aufenthalts für Schauspieler und Publikum unter dem Titel "Fuftsch Minuten Verspätung". Was heutige Bahncardbesitzer und reiselustige Zeitgenossen aus eigenem Erleben berichten, ist keine neue Erfindung: Zugverspätungen waren auch schon zu DDR-Zeiten ein Ärgernis.

Im Warteraum des von der Schließung bedrohten, weil unrentablen Bahnhofs kommen Befindlichkeiten ins Signallicht. Stationsvorsteher Petzold (Michael Bucks) und Kioskbesitzerin Grete (Birgit Fichtner) halten den Dienstbetrieb am Laufen, trotz des befürchteten betriebswirtschaftlichen Aus. Aufopferungsvoll bemühen sie sich, den Dienst am Kunden serviceorientiert zu organisieren. Ein jeder im Saal vermag sich in die Familie Thea (Antje Unger) und Otto (Michael Ullmann) zu versetzen, die im Hochgefühl der beginnenden Urlaubsreise nicht aus dem Bahnhofskabuff herauskommen: Sie müssen den Schnellzug in Karl-Marx-Stadt erreichen, weil ihr Flieger von Dresden-Klotzsche nach Barth nicht warten wird. Der Ostsee-Urlaub droht ins Wasser zu fallen. Als schließlich auch Dagmar (Gudrun Drummer) und Christa (Monika Hilpert) vom VEB Stola um ihren lang geplanten Betriebsausflug nach Meißen zur Beschaffungstour von Bück-Dich-Ware fürchten müssen, sehen alle Betroffenen Rot. Und dann kommt obendrein noch der Reichsbahninspektor zur Kontrolle.

Mit Routine verstehen die Gastgeber ihr Publikum unter der Spielleitung von Birgit Fichtner und Peter Uhlmann zu begeistern. Klar, dass auch das Bühnenbild und die Technik in Eigenregie gestaltet und betreut werden. Zudem übernimmt ein Team das Catering. Strickerin, Krankenschwester, Hörgeräteakustikerin, Bankkauffrau, Angestellter, Lehrer, Schüler und Azubi legen sich für ihr liebstes Hobby mächtig ins Zeug. "Die Schauspielerei ist ein willkommener Ausgleich zum Alltag. Es macht allen riesigen Spaß, ein aufgeschlossenes Publikum zu unterhalten", sagt Antje Unger, die der Truppe sei t 2008 die Treue hält. Ausverkaufte Häuser sind den Hormersdorfern gewiss. Seit der ersten Inszenierung 1993 hat sich das Ensemble, in dem der Jüngste in dem 84 Mitglieder zählenden Verein 13 Jahre ist und die erfahrenste Akteurin die 70 Lenze überschritten hat, einen Namen für vergnügliches Schauspiel erarbeitet. "Neun Vorstellungen finden statt, alle sind sie ausverkauft", sagt Vereinschef Michael Ullmann. Die Premiere stand am Sonnabend auf dem Plan. Bereits nach dem Sommer werden die Hormersdorfer, Günsdorfer, Jahnsdorfer und Auerbacher in die bevorstehende 25. Jubiläumssaison starten.

 
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