Fischkontor in Aue an der Erdmann-Kircheis-Straße Das alte Fischkontor in Aue an der Erdmann-Kircheis-Straße stammt aus der Zeit kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts.

Foto: Katja Lippmann-Wagner

Abbruch in Aue: Fischkontor soll noch dieses Jahr weichen

Debatte um Schutz historisch wertvoller Gebäude entfacht

Aue. Wenn man aus Richtung Lößnitz kommend über die Bahnhofsbrücke fährt und rechts nach unten schaut, fällt der Blick auf ein markantes Haus. Es ist das ehemalige und seit langem leer stehende Verwaltungsgebäude des Fischkontors, das seit vielen Jahrzehnten das Stadtbild von Aue mitprägt.

Noch in diesem Jahr soll der stattliche Bau aus der Zeit kurz nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert von der Bildfläche verschwunden sein, teilte Baumamtsleiter Immo Rother am Montag der "Freien Presse" mit. Am Dienstag findet ein Gespräch mit den Planern statt, am Mittwoch soll mit dem Eigentümer eine Vereinbarung getroffen werden. Im April hatten die Auer Stadträte bei zwei Gegenstimmen über außerplanmäßige Ausgaben im aktuellen Haushalt für das Jahr 2012 entschieden, die dem Abriss jenes Gebäudes an der Erdmann-Kircheis-Straße dienen sollen. Der Betrag beläuft sich auf rund 60.000 Euro, wobei 75 Prozent der Summe höchstwahrscheinlich als Fördermittel zur Verfügung gestellt werden, die der Freistaat aus dem Topf eines dafür geeigneten Programms gewährt.

Der Abriss von historisch vermeintlich wertvollen Gebäuden ist in Aue ein heißes Thema, die Wogen schlagen hoch. Erst vorige Woche hatten Mitglieder des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen an einem Bauzaun an dem ebenfalls leer stehenden Gebäude der ehemaligen Freimaurerloge an der Bundesstraße 169 ein Protest-Plakat aufgehängt, mit dem sie sich für den Erhalt des abrissgefährdeten Hauses starkmachen wollen. Die Bündnisgrünen werfen der Stadt in dem Zusammenhang eine Politik der Abrissbirne vor, obwohl die Stadt noch nach einem Nutzungskonzept für das einstige Freimaurerdomizil sucht und noch gar nicht definitiv entschieden ist, ob der Komplex abgerissen wird. Jetzt könnte mit dem geplanten Abriss des Fischkontors die Diskussion um erhaltenswerte, aber leer stehende Gebäude in der Stadt neu entfacht werden.

Das Fischkontor stammt aus dem Jahre 1906 und wird architektonisch tatsächlich als relativ herausragend in diesem städtischen Bereich eingeschätzt. "Es ist aber leider auch herausragend, was den schlechten Zustand seiner Bausubstanz angeht. Und was die Nutzung betrifft, gibt es eine schlechte Prognose", sagt Bauamtsleiter Rother. Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) hatte im Stadtrat den geplanten Abriss des ehemaligen Verwaltungsgebäudes damit begründet, dass dies aus städtebaulicher Sicht dringend erforderlich wäre. Das Gebäude stelle eine wesentliche Störung des Stadtbildes im Bereich des Bahnhofsvorplatzes dar.

 
erschienen am 16.07.2012 ( Von Erik Kiwitter )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 17.07.2012
    16:46 Uhr

    finnas: In Bezug auf historische Bausubstanz wird Aue zunehmend eine gesichtslose Stadt. Die Weichen dafür sind aber schon vor Jahren gestellt worden, als sich Beauftragte des Denkmalschutzes Dresden in der Stadt nach erhaltenswerter evtl. unter Denkmalschutz zu stellender Bausubstanz umgesehen haben. Damals wurden diese Leute gar nicht überall hingeführt, wo es interessant gewesen sein könnte, denn Schutz von Bausubstanz kann Ärger für Baubehörden und Besitzer bedeuten. Da will einer die Andreaskreuze an seinem Haus überputzen, ein anderer Besitzer ein ganzes hochinteressantes im Verfall befindliches Mühlengut abreißen und ein Spekulant nicht die Mittel einsetzen um bewahrenswerte Bausubstanz im Original zu erhalten. Das ist Aue.
    Aber es gibt auch Lichtblicke: Klösterlein und Herrenhaus, dank der Fördervereine und staatlicher bezw. kommunaler Zuwendungen und wohl auch einiger Sponsoren.
    Was aber seit vielen Jahren den Bach hinunter gelaufen ist, ist wohl nicht mehr zu stoppen. So wohlhabend ist Aue nicht, und was sollen Investoren mit Gebäuden, die sie nicht in ein Unternehmen integrieren können oder für die sich keine wirtschaftliche Nutzung anbietet ? Die jetzige Stadtführung kann alte Versäumnisse nicht mehr nachholen.

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