Passionsspiel "Es soll alles möglichst authentisch sein."

Foto: Nils Bergauer

Alle fünf Jahre wieder: Ein Dorf trägt Bart

160 Zschorlauer gehen zu Ostern ihrer Passion nach- Bis zu 6000 Besucher zu Laienspiel erwartet

Zschorlau. Zschorlau. Schlosser Matthias Groß hat ihn, Elektromeister Reinhard Teubner auch und Rechtsanwalt Dieter Schürer sowieso. Viele Zschorlauer lassen seit Monaten ihre Bärte sprießen, und auch das Haupthaar hat schon länger keine Schere mehr gesehen. "Das ist eine Art Symbol geworden", sagt Dieter Schürer stolz. Denn die Zschorlauer führen zu Ostern zum vierten Mal ihr Passionsspiel auf. Rund 160 Mitglieder aus der Ev.-Luth. und Ev.-Meth. Kirche sowie der Landeskirchlichen Gemeinschaft spielen mit. Fast alle männlichen Darsteller tragen Vollbart. "Nur die Römer nicht", erklärt Schürer, der den Text für die 2000 erstmals gezeigte Bibelgeschichte rund um die letzten Abschnitte im Leben Jesu Christi geschrieben hat und dem eigens gegründeten Passionsspielverein Zschorlau vorsteht.

Zwar gäbe es bei den Mondputzern noch keinen Barterlass wie bei traditionsreichen Passionsspielorten, etwa Oberammergau. Aber künstliche Bärte und Perücken seien dennoch tabu. "Es soll alles möglichst authentisch sein", sagt Schürer. Mit seinem stattlichen Haarwuchs falle er mittlerweile nicht mal mehr bei Gericht auf, sagt der Anwalt. "Die wissen alle Bescheid." Andere Berufsgruppen eckten mit ihrem Äußeren eher an. "Durch meinen Schlips wirke ich noch seriös."

Dabei steht der 57-Jährige gar nicht selbst auf der Bühne. Sondern bei ihm laufen als Organisator alle Fäden zusammen. Aus Sympathie lässt er seinen Bart trotzdem seit Ostermontag des Vorjahres stehen. Notfalls müsse er auch einspringen können, falls einer der Darsteller ausfällt. Die Texte kann er inzwischen sowieso fast alle auswendig. Die 17 Szenen beruhen vor allem auf den Evangelien sowie dem Roman "Jesus von Nazareth" des polnischen Schriftstellers Roman Brandstetter. Kirchenvorstand Schürer war die Orientierung an der klassischen Bibelübersetzung und die jüdische Sichtweise wichtig. "Wir wollen alles so rüberbringen, wie es sich hätte abspielen können." Schon als Jugendlicher wirkte er gern in Krippenspielen mit, doch ihm schwebte ein umfassendes Verkündigungsspiel vor. Den entscheidenden Anstoß lieferte der Besuch eines Passionsspiels in Tirol. Schürer war fasziniert: "Das Dorf war noch kleiner. Alles hing mit dem Spiel zusammen."

Inzwischen ist auch das Zschorlauer Passionsspiel über Sachsen hinaus bekannt. Zu den acht Aufführungen, die ab Karfreitag in der Sporthalle über die Bühne gehen, werden bis zu 6000 Besucher erwartet. Die meisten Vorstellungen sind schon fast ausverkauft. Auch die Partnergemeinde Dietenhofen aus dem mittelfränkischen Landkreis Ansbach hat sich mit 50 Vertretern samt Bürgermeister angesagt.

Seit September proben die Spieler etwa einmal wöchentlich in der Zschorlauer Kirche, in der kleinen Turnhalle oder im CVJM-Haus in Albernau. Viele sind bereits das vierte Mal dabei, meist ganze Familien. Auch Schürers Frau Christine ist als Sprecherin und Teil des Volkes mit von der Partie. Damit die hohen Erwartungen erfüllt werden können, zieht das ganze Dorf an einem Strang - ganz so, wie sich das die Initiatoren gewünscht haben. Örtliche Handwerker sorgen für das leibliche Wohl. Die Feuerwehr sichert die Vorführungen ab. Der ehemalige Zirkuspfarrer Klaus-Jürgen Meyer gibt Regieanweisungen. Und Schneidermeister Rudolf Bleyl entwirft sämtliche Kostüme. Nur die Römer tanzen auch hier wieder aus der Reihe. Für sie hat der Verein jetzt Uniformen gekauft - "mit original römischen Schilden", betont Schürer. Allerdings vorzugsweise aus Leder. "Blech klappert zu sehr."

Nicht nur logistisch ist das Passionsspiel ein Kraftakt. Auch jede einzelne Aufführung zerrt mit mehr als drei Stunden Spielzeit an den Energiereserven. Deshalb will der Verein auch am Fünf-Jahres-Turnus festhalten. "Öfter wäre das gar nicht zu stemmen", sagt Schürer. "Und so freuen sich alle richtig darauf."

Passionsspiel Zschorlau

Aufführungen: Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag, Ostermontag sowie 10. und 11. April 13 bis 16.30 Uhr; 7. und 8. April 18 bis 21.30 Uhr in der Sport- und Spielhalle Zschorlau, Schulstraße 2

Kartenvorverkauf: im Pfarramt Zschorlau, August-Bebel-Straße 46, Telefon 03771 2543852

www.passionsspiel-zschorlau.de

 
erschienen am 10.03.2010 ( Von Susann Oertel )
 
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