Rund 50 Feuerwehrleute aus Lößnitz und Aue waren damals ausgerückt, um den Brand zu löschen.
Foto: Publicpix (Archiv)
Angeklagter schiebt Lößnitzer Feuer auf einen Unfall
Mutmaßlicher Brandstifter vor Gericht
Aue. Die Zeugin erinnert sich noch genau an den Morgen des 22. Dezember 2010. Es war zwischen halb neun und um neun, gleich wollte sie zur Arbeit gehen. "Ich habe das Fenster geöffnet, um noch kurz die Wohnung zu lüften", berichtete die 48-Jährige am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Aue. "Auf der Straße standen Leute und starrten auf unser Dach. Ich wunderte mich und dachte, die schauen sich die Eiszapfen an. Dann sagte jemand: Da oben brennt's!"
Die Frau rannte die Treppen hoch zum Dachboden. Dort sei schon überall Qualm gewesen, sagte sie: "Wie eine schwarze Wand."
Das Feuer war in einer Dachgeschosswohnung ausgebrochen und griff rasch auf die Nachbarwohnung, den Dachstuhl und das Treppenhaus über. Die Feuerwehr löschte den Brand innerhalb einer Stunde, aber das Haus war unbewohnbar geworden. Alle Wohnungen hatten danach zumindest Löschwasserschäden. Mieter berichteten, ihre Möbel seien komplett unter einer Schicht Ruß verschwunden. 170.000 Euro hätte es gekostet, das Gebäude wieder instandzusetzen, erzählte der Eigentümer dem Gericht. Ein Aufwand, vor dem er scheute. Just am Mittwoch sei es ihm endlich gelungen, die Immobilie zu verkaufen. Das Haus steht bis heute leer, alle Mieter sind fortgezogen.
Als Ruhestörer verrufen
Wenn man der ehemaligen Hausverwalterin glaubt, so wurde damals nicht nur ein Dachstuhl, sondern auch eine intakte Hausgemeinschaft zerstört. "Wir waren wie eine große Familie", sagte die Frau. "Nur mit einem gab es immer wieder Probleme." Sie meinte den Mieter der Dachgeschosswohnung, in der das Feuer ausgebrochen war, einen heute 36 Jahre alten Mann, der von der Staatsanwaltschaft Chemnitz als Brandstifter angeklagt worden ist. Er sei durch Lärm und "rebellisches Verhalten" aufgefallen, berichtete die Verwalterin. Auch andere Mieter sprachen von wiederholten Ruhestörungen. Schon damals, gleich nach dem Brand, verdächtigten sie den Drogensüchtigen aus dem fünften Stock, das Feuer gelegt zu haben.
Eine Frau will gesehen haben, wie er sich das Feuer von der gegenüberliegenden Straßenseite aus angesehen hat: "Er hatte eine Flasche Bier in der Hand, auf seinem Gesicht lag ein leichtes Grinsen." Als Motiv vermuten die Mieter, dass der unbeliebte Hausbewohner an jenem Tag seine Kündigung erhalten hatte und sich rächen wollte. Tatsächlich hatte ihm der Hausbesitzer aber nur eine Abmahnung geschickt, die er Recherchen der Polizei zufolge noch gar nicht bekommen hatte.
Zwei Brandherde
Der Angeklagte erklärte das Feuer am Mittwoch mit einem Unfall. In seiner Anbauwand habe eine brennende Kerze gestanden. Er sei kurz fortgegangen, um Bier und Zigaretten zu kaufen. "Meine Wohnungstür war kaputt, die ging nicht richtig zu", sagte er. "Weiß nicht, ob da ein Luftzug oder so in die Wohnung kam."
Die Brandursachenermittler der Kripo freilich wollen zwei Stellen ausfindig gemacht haben, an denen das Feuer ausgebrochen ist: Eine Ecke neben dem Sofa und einen Pappkarton neben einem Schrank. Die Anbauwand gehörte nicht dazu. "Das kann nicht stimmen", meinte der Angeklagte. "Das ganze Dach war ja komplett durch, an der Stelle, wo die Kerze gestanden hat."
Staatsanwalt Jörg Richter vermochte er nicht zu überzeugen. "Ich gehe derzeit eher von Vorsatz als von Fahrlässigkeit aus", erklärte der Ankläger. Am Montag soll der Brand- Experte der Kripo gehört werden.

