Aue-Schwarzenberg: Erzgebirgsschnellweg sorgt für heftigen Schlagabtausch

Ein Vorschlag der IHK-Regionalversammlung hat die Debatte neu angeheizt

Aue-Schwarzenberg. Das Thema schien durch zu sein, schon allein wegen verwaltungsrechtlicher Gegebenheiten. Der Erzgebirgsschnellweg, der von Aue durchs Schwarzwassertal nach Schwarzenberg führen sollte, ist nicht machbar, weil die Trasse zwangsläufig durch das Flora-Fauna-Habitat (FFH) "Schwarzwassertal und Burkhardtswald" bei Lauter führen würde, ein Naturschutzgebiet, zu dessen Schutz sich Sachsen gegenüber der Europäischen Union verpflichtet hat.

Dies war gesetzt. Bis die IHK-Regionalversammlung Erzgebirge vorige Woche einen radikalen Lösungsansatz in den Raum stellte: Wenn das Naturschutzgebiet ein Hindernis darstellt, sollte man es beseitigen. So drastisch drückte es Roland Richter, der Vorsitzende des Arbeitskreises Verkehrsinfrastruktur der Regionalversammlung nicht aus. Richter sagte, man müsse unkonventionelle Lösungen prüfen. Konkret will die Regionalversammlung an Sachsens Umweltministerium schreiben, das seinerseits abklären soll, ob es rechtlich machbar ist, das FFH-Gebiet bei Lauter wieder aufzuheben. Falls ja, soll ein Antrag bei der EU gestellt werden.

Das alles ist also noch sehr vage. Trotzdem reichte die Ankündigung aus, um die in der Vergangenheit hitzig geführte Diskussion aufs Neue anzuheizen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) feuerte ein klares Stopp in die Debatte. Landesgeschäftsführer Wolfgang Riether nannte den Schnellweg einen "Irrweg von Provinzpolitikern". Ganz anders sehen das die Jungsozialisten (Jusos) Erzgebirge, die der IHK diese Woche ihre Unterstützung zusicherten. Die Trasse sei für die ökonomische Entwicklung der Region von herausragender Bedeutung, erklärte Jusos-Vorstandsmitglied Tobias Andrä. "Die Fixierung auf ein Erzgebirge als großflächiges Biotop ohne Fortentwicklung der Infrastruktur bietet den Menschen keine ausreichende Zukunftsperspektive", erklärte er. Die Jusos forderten die Bürgermeister der betroffenen Kommunen auf, sich zur Idee der IHK-Regionalversammlung zu bekennen.

Lauters Bürgermeister Thomas Kunzmann (Freie Wähler) tat das prompt. "Ein interessanter Vorschlag", sagte er. "Naturschutz können wir nur machen, wenn die Wirtschaft stark ist." Der Schnellweg soll den Firmen im Westerzgebirge eine schnellere Anbindung an die Autobahn bringen - und Lauter würde er vom Durchgangsverkehr entlasten. Erst im Dezember hatte der Stadtrat alle anderen Varianten für die Lauterer Ortsumfahrung abgelehnt.

Schwarzenbergs Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU) bleibt bei ihrem Nein. "Die vorgeschlagene Trasse würde im Ortsteil Neuwelt auf ein städtebaulich intaktes Gebiet treffen", sagt sie. "Eine Sportanlage, ein Gewerbegebiet und die Zentralkläranlage des ZWW würden zerschnitten. Für den Schnellweg ist also überhaupt kein Platz." Die Grafik links veranschaulicht die Schwarzenberger Sorge: Allein im Betriebsgelände des Zweckverbands Wasserwerke Westerzgebirge müssten mehrere Anlagen weichen. Nach Berechnungen des ZWW haben diese einen Wert von 32 Millionen Euro. (mit stl)

 
erschienen am 25.04.2012 ( Von Mario Ulbrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 28.04.2012
    11:05 Uhr

    torschro: @finnas dich entsetzt diese Aussage? Herzlich Willkommen in der grausamen Realität...ich verrate dir mal ein Geheimnis: wirtschaftliche und politische Interessen gehen schon immer vor Naturschutz.

    0 0
     
  • 27.04.2012
    16:39 Uhr

    finnas: Bei allem Verständnis für die Probleme, die den Bürgermeister der Stadt Lauter umtreiben, entsetzt mich die Aussage, daß wir uns Naturschutz nur leisten können, wenn es und wirtschaftlich gut geht. Das ist ein völlig falscher, kurzsichtiger Ansatz. Bleibt nur zu hoffen, daß das nicht zur allgemeinen politischen Maxime wird.

    0 0
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Aue
Mo

18 °C
Di

17 °C
Mi

16 °C
Do

15 °C
Fr

7 °C
präsentiert von
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
Neu

Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

>> Zum Facebook-Auftritt

 
Wählen Sie den Erzistar 2013!
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schwarzenberger Straße 3
Telefon: 03771 594-0


Öffnungszeiten:
Mo. bis Do. 9.00 - 17.30 Uhr, Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
Blumen versenden

Traumhafte Frühlingszeit

Machen Sie einem lieben Menschen eine Freude und überraschen Sie ihn mit schönen Frühlingsblumen.

weiter lesen