Turmkugel Berndt Thomas Möckel setzt die Keramik-Kugel vorsichtig auf dem Boden ab. Noch ist die Spannung groß ...

Foto: Ralf Wendland

Aue: Tempelsaal blieb für Frauen tabu

Feuerwehrleute haben die Turmkugel der alten Freimaurer-Loge heruntergeholt

Wie einen Schatz setzt Berndt Thomas Möckel die schwere Keramikkugel auf dem Boden ab. Kein Mensch weiß, ob oder was sich in ihr befindet, da ist Vorsicht geboten. 100 Jahre befand sich die Kugel, ungefähr zehn Kilogramm schwer, auf dem Dach der früheren Freimaurer-Loge in Aue, in deren Gebäude in der DDR der Clemens-Winkler-Klub untergebracht war.

Am Donnerstag haben zwei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Aue zusammen mit dem Archivar und Historiker Berndt Thomas Möckel aus Annaberg-Buchholz die Turmkugel vom Dach des baufälligen Gebäudes geholt. "Es war anzunehmen, dass die Freimaurer beim Bau ihrer Loge 1911 zeitgenössische Unterlagen und Dokumente, die uns heute neue Erkenntnisse über ihre Geschichte bringen könnten, in der Turmkugel verstaut haben", erklärt Berndt Thomas Möckel den Grund für die Aktion. Dazu nennt er außerdem noch den 100. Jahrestag der Einweihung des Gebäudes, denn ein Jahr nach dem Baubeginn, 1912, war das markante Haus fertig. Die Spannung war groß, als Möckel am Donnerstag das Rohr aus der Turmkugel zog, mit dem sie verschlossen war, und sich ein Blick ins Innere ergab. Doch außer ein paar abgebröckelten Scherben war nichts in der Kugel. "Dann müssen sich die Unterlagen im Fundament des Gebäudes befinden", mutmaßt Möckel jetzt. Die Turmglocke ist dennoch ein wichtiges Zeitzeugnis und soll voraussichtlich einen Platz im Stadtmuseum finden.

Dabei hat der Archivar in den vergangenen Monaten große Fortschritte bei der Erforschung der Geschichte der Auer Freimaurer-Loge gemacht. "In der dritten Etage des Hauses befand sich der sogenannte Tempelsaal", erläutert er. In dem fast 150 Quadratmeter großen Raum hatten nur die Brüder, also die Mitglieder der Loge, Zutritt. Frauen war es prinzipiell verboten, dieses Zimmer zu betreten, das als großer Arbeitsraum diente, in dem aber auch neue Mitglieder aufgenommen wurden. Möckel erklärt: "Dazu wurden sie mit verbundenen Augen hereingeführt. Erst hier wurde ihnen die Binde abgenommen." 1935 verbot Hitler die Freimaurer. Erst nach 1990 entstand in der Region wieder eine Loge: in Chemnitz.

Loge Mit der Drehleiter holten zwei Feuerwehrleute die Turmkugel von der Freimaurer-Loge an der Bundesstraße 169 in Aue.

Foto: Ralf Wendland

Der Anfang vom Ende: Haus-Besitzer wechseln häufig

Vom einstigen Glanz des 1911 errichteten Hauses der Freimaurer-Loge "Zu den drei Rosen im Erzgebirge" ist nichts übrig geblieben. Nach 1990 hat ein Eigentümer nach dem anderen wegen des desolaten baulichen Zustands die Flinte ins Korn geworfen.

Den ersten Wiederbelebungsversuch unternahmen die Logen-Brüder aus dem Westen. Sie holten 1994 das Haus in den eigenen Besitz zurück. Und kapitulierten vor dem Sanierungsaufwand. 2002 überließen sie dem Verein Deutsches Freimaurer-Museum in Bayreuth die Immobilie. Der wiederum war froh, das Gebäude 2006 für 2500 Euro an einen Schneeberger loswerden zu können.

Der machte sich mit dem Haus auch nicht lange voll und verscherbelte es noch im gleichen Jahr bei einer Versteigerung an den Niederländer Antonie Pieter Wewer. Der hielt immerhin bis 2011 daran fest. Dann gab auch er auf. Neuer und vermutlich letzter Eigentümer ist jetzt die Stadt Aue. Die ersteigerte die Immobilie Ende vorigen Jahres für 24.000 Euro. Jetzt das Signal aus dem Rathaus: Für die Loge läuft alles auf Abriss hinaus. (trö)

 
erschienen am 14.06.2012 ( Von Erik Kiwitter )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Aue
Do

34 °C
Fr

26 °C
Sa

24 °C
So

21 °C
Mo

20 °C
präsentiert von
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
Neu

Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

Zum Facebook-Auftritt

 
Wählen Sie den Erzistar 2013!
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schneeberger Str. 17
Telefon: 03771 594-0


Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
aok
chursächsische