Im Gewerbegebiet Alberoda ist nur noch eine Parzelle frei. Aber nicht mehr lang: Dort soll eine Anlage bald Müll in Diesel verwandeln.
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Auer Firma will Müll in Diesel umwandeln
17 Millionen Euro sollen in Hightech-Anlage investiert werden
Aue. Klingt das zu schön, um wahr zu sein? Der Auer Unternehmer Reiner Lang will im Gewerbegebiet Alberoda künftig täglich 48 Tonnen Plastik-Müll in 27.000 Liter Diesel umwandeln. Drucklose, katalytische Verölung heißt das Verfahren, das mit Hitze und Vakuum dieses scheinbare Wunder bewirken soll.
Die Mitarbeiter im Auer Rathaus sind dafür Feuer und Flamme. "Wir freuen uns darüber sehr", sagt Wirtschaftsförderin Doris Berchter. Investor Lang habe fundierte Unterlagen vorgelegt. Und Stadtsprecherin Jana Hecker verweist darauf, dass nicht nur der Diesel sprudeln, sondern auch kräftig Gewerbesteuer in die Stadtkasse fließen wird. "Das Schlimmste, das uns passieren könnte, wäre eine Investruine. Das Risiko für die Stadt ist relativ gering."
Im Gegensatz zum Risiko Langs. 17 Millionen Euro will der gelernte Automatisierungstechniker mit seiner eigens gegründeten KDV GmbH investieren. Und das ist keine Zukunftsmusik. Denn die Auer Stadträte hat er von dem Konzept bereits überzeugt. Der Stadtentwicklungsausschuss hat diese Woche den vorzeitigen Baubeginn bewilligt, der Verwaltungsausschuss den Antrag auf Kauf des Grundstücks am Marksteig im Gewerbegebiet Alberoda.
Noch fehlen einige Genehmigungen vom Landratsamt, doch Lang geht davon aus, dass im Herbst mit dem Bau begonnen werden kann. Sein Fahrplan: Probebetrieb im Spätsommer nächsten Jahres, Beginn der Produktion Ende 2013. Dabei sollen in Aue bis zu 15 Arbeitsplätze für Mechatroniker, Anlagenfahrer und Elektriker entstehen.
"Wir werden ausschließlich Wertstoffe aus dem Erzgebirge verarbeiten", erklärt der 60-Jährige. Eine regionale Recyclingfirma stehe bereit, die Lieferungen zu übernehmen. Etwa zwölf Prozent des gewonnenen Diesels sollen in vier firmeneigenen Blockheizkraftwerken verbrannt werden, um Strom und Wärme für die Produktion zu erzeugen. Der Rest gehe an den Mineralölgroßhandel. "Sie werden diesen Diesel an der Zapfsäule tanken, ohne zu merken, dass er nicht aus Erdöl hergestellt worden ist", sagt Lang. "Den Preis für den Autofahrer wird unser Kraftstoff zwar nicht drücken, aber wir erschließen eine alternative Energiequelle und nutzen dafür in der Region anfallende Ressourcen."
Fünf Jahre hat Lang benötigt, um die Finanzierung zu stemmen. "Alle wollen Innovationen, aber keiner möchte Risiken eingehen", schildert er Probleme bei der Geldbeschaffung. Keine Bank in Deutschland sei bereit gewesen, das Projekt zu finanzieren. Die 17 Millionen Euro würden nun durch private Investoren, Unterstützer und mithilfe von Bankbürgschaften aufgebracht.
Dass das vom Erfinder Christian Koch entwickelte Verfahren keine Luftnummer ist, beweist Kochs Firma Alphakat, die in Eppendorf (Kreis Mittelsachsen) seit acht Jahren eine Versuchsanlage betreibt. Hier werden Komponenten hergestellt und Monteure in alle Welt geschickt. Alphakat beschäftigt heute zwölf Mitarbeiter und genießt im Ort einen ausgezeichneten Ruf. "Wenn die Firma nicht seriös wäre, hätte sie sich nicht über einen so langen Zeitraum gehalten", sagt Bürgermeister Helmut Schulze (CDU).

