Am 7. Juni 2011 wurde das Putzritzgemälde vom Kloster Altzella zur Landesausstellung nach Naumburg transportiert.
Foto: Andreas Weihs
Auer müssen länger auf ihr Putzritzbild warten
Ältestes Kunstwerk des Erzgebirges kehrt 2012 nicht wieder in seine Heimat zurück
Aue/Dresden. Ein wenig enttäuscht ist Hans Beck, Vorstandsmitglied der Kirchgemeinde Aue-Zelle, schon. Immerhin sollte dieses Jahr das älteste Kunstwerk des Erzgebirges, das Putzritzgemälde aus dem Klösterlein, zurückkehren. "Es gab kurz vor Weihnachten eine Besprechung, bei der entschieden wurde, das dies erst 2013 klappt", so Beck. Ein Grund: fürs Klösterlein muss noch eine Alarmanlage angeschafft werden. Nicht auszudenken, wenn die Kostbarkeit aus dem 13. Jahrhundert gestohlen oder beschädigt würde.
Des einen Leid ist des anderen Freud. Professor Thomas Danzl, er leitet an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden die Fachklasse für die Restaurierung von Wandmalerei, kann sich nun länger damit beschäftigen. "Man kann die Bedeutung des Kunstwerks gar nicht hoch genug einschätzen", so der 50-Jährige. "Immerhin ist es das erste signierte Wandbild aus dem 13.Jahrhundert, das wir kennen." Vergleichbar sei das Bild bestenfalls mit der Fassadenmalerei am Magdeburger Domhof.
Einer von Danzls Schülern soll sich nun innerhalb einer Diplomarbeit intensiv mit dem Werk befassen. Eine Hauptfrage: Wie hat das Putzritzbild sein aufregendes Leben verkraftet? Wiederentdeckt wurde es 1881 beim Erneuern des Außenputzes des Gotteshauses. 50 Jahre zierte es den Ostgiebel der Klosterkirche. Wegen drohender Umweltschäden wurde es 1934 abgenommen. Eine Zeit lang war es in Freiberg. Mitte der 1990er-Jahre wanderte es ins Kloster Altzella bei Nossen und voriges Jahr war es eine der Hauptattraktionen des Landesausstellung "Naumburger Meister".
Bislang hat Thomas Danzl noch keine gravierenden Probleme festgestellt. Dies ist alles andere als selbstverständlich. Immerhin hatte der Künstler, ein "Meister Martin", ursprünglich direkt auf den Putz der Außenfassade des Klösterleins gemalt. Als 1934 die obersten drei bis vier Millimeter Putz samt Malerei abgenommen wurden, war dies eine kitzelige Angelegenheit. "Da hätte viel schiefgehen können", sagt der Professor. "Mit 20 bis 30 Prozent Verluste durch Risse und andere Beschädigungen muss man selbst dann rechnen, wenn absolute Fachleute am Werk sind. Aue hat damals sehr viel Glück gehabt."
Auch sonst sei der Zustand des Kunstwerks stabil. Die Farbe ist fest mit dem Putz verbunden. Dennoch wollen die Fachleute die ein oder andere Sanierung vornehmen. "Kleine Arbeiten, mit denen man große vermeiden will", so Danzl. Damit der Zustand so gut bleibt, wird sein Schüler für die Auer Kirchgemeinde Ratschläge ausarbeiten, welche Bedingungen im Klösterlein herrschen müssen, wenn das Putzritzbild dort ab 2013 wieder hängt. So spielen Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine große Rolle.


