Meister Bernd Rühe sowie die Gesellen David und Enrico Fuhrig (von links) machten sich unter den Augen von Simone Fuhrig als Chefin der Bäckerei Weiß in Aue ans Stollenteig-Kneten.
Foto: Lars Rosenkranz
Bäcker kneten 1,50 Meter großen Stollen
Das riesige Backwerk wird am Samstag auf dem Auer Raachermannelmarkt angeschnitten
Aue. Der Spiralkneter dreht sich und dreht sich. Er sieht aus wie eine Wäschetrommel. Doch in ihm befinden sich keine Kleidungsstücke, sondern kiloweise Hefe, Teig und Rosinen. In der Bäckerei Weiß an der Zschorlauer Straße in Aue wird der Riesenstollen für den diesjährigen Auer Raachermannelmarkt zubereitet. Zwei Stunden später ist das süße Stück mit den stolzen Maßen fertig. Der Stollen ist 1,50 Meter lang und wiegt zehn Kilogramm. Am Samstag gegen 15 Uhr wird er von Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl angeschnitten.
Früher Anschnitt galt als Sünde
Früher wäre das in weiten Gebieten des Erzgebirges undenkbar gewesen. Stollen kam jahrhundertelang erst am Heiligen Abend auf den Tisch. "Es galt als Frevel, schon vorher Stollen zu essen", erklärt der bekannte erzgebirgische Heimatforscher und Autor Manfred Blechschmidt. Dies war ein ungeschriebenes Gesetz, das heute nur noch wenige kennen. Blechschmidt, der 85 Bücher veröffentlicht hat: "Demnach wurde der Stollen zum ersten Mal kurz vor der Weihnachtsmette am 24. Dezember angeschnitten und nach der Rückkehr von der Feierlichkeit aufgezehrt." Alles andere war eine Sünde. Doch dieses Tradition hat nicht überlebt.
Das ist nicht das einzige Politikum, das sich im Freistaat und Erzgebirge um die Geschichte des berühmtesten und beliebtesten Weihnachtsgebäcks rankt. Papst Innozenz VIII. hat extra wegen der genussfreudigen Sachsen sogar die Gesetze geändert.


