Der 55-jährige Ralph Wedekind vor der traditionsreichen Kürschnerei in Aue. Nach 80 Jahren macht das Geschäft Ende des Monats zu. Weil so gut wie keine Kunden mehr kommen, verbringt Wedekind die meiste Zeit des Tages auf einer Bank vor dem Laden.
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Der kleine Mann auf der Bank am Postplatz hat aufgegeben
Der letzte Kürschner der Region schließt seinen Laden ab
Aue. Wie weit ist es vom Postplatz in die Vergangenheit? Die Frage hat einen reellen Hintergrund - und sie ist so ziemlich genau zu beantworten. Die Entfernung vom Postplatz zurück in die Vergangenheit: Sie beträgt nur ein paar Meter ...
Kürschner Ralph Wedekind sitzt auf einer Bank vor seinem Laden. Das altehrwürdige Geschäft befindet sich am Postplatz, einem pulsierenden Lebensmittelpunkt der Stadt. Wedekind, ein kleiner Mann mit Glatze und Brille, Mitte 50, ist nicht mehr oft im Laden drin. Das ist auch nicht notwendig. Verirrt sich doch einmal ein Kunde hinein, hat ihn Wedekind im Blick, und er springt sofort hinterher. In dieser Woche waren es gerade einmal acht Leute. Aus einer Hosentasche zieht Ralph Wedekind einen Notizzettel, auf dem er die Einnahmen der letzten fünf Tage vermerkt hat. "Ungefähr 150 Euro", sagt er. Und er weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll.
Das Geschäft im Jahre 1956.
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Der Kunde, der sich im Laden wiederfindet, entsteigt einer Zeitmaschine. Hier drin ist die Vergangenheit zuhause. Im Laden ist seit den 1950er-Jahren nichts mehr gemacht worden. Geschäftsgründer und Wedekinds Großvater Hermann wollte das klassische Kürschnerhandwerk so ursprünglich wie möglich erhalten. Die letzten Näherinnen, die hier arbeiteten, sind 1992 raus. In der Werkstatt stehen verwaiste Dreibeinschemel, auf denen die Näherinnen saßen. Rustikale Stücke mit Sammlerwert. An den Nähmaschinen aus den 1950er-Jahren sitzt Wedekind nur noch selten. Zur Zeit hat er einen einzigen Auftrag für eine Reparatur. Nur die Kuckucksuhr, die vom Großvater stammt, bringt einmal stündlich Leben in die Bude.
Wedekind, der letzte Kürschner der Region, hat aufgegeben. Nachdem sein Großvater vor 80 Jahren die Kürschnerei gegründet hatte, läuft jetzt bis 31. August der Ausverkauf. 150 Pelze sind noch auf Lager. Die gibt es jetzt zu Schleuderpreisen. "Aber es ist ein Ende mit Anstand", sagt Wedekind. Er hat keine Schulden, bis zuletzt von seinen Ersparnissen gelebt. Dabei hatte das Haus auch gute Zeiten. Die Wismut-Kumpel haben ihr Geld vor 30 oder 40 Jahren nicht nur in die Kneipen gelassen, sondern auch in die Kürschnerei gebracht. Ein Persianer-Mantel kostete in der DDR 6500 Mark. Die Bergleute konnten sich die Stücke leisten. Zwölf davon stellten die Wedekinds in einem Jahr her. Bei Reparaturen mussten die Kunden eineinhalb Jahre warten, so viel gab es zu tun. Jetzt kann sich Wedekind mit dem einen Auftrag Zeit lassen. Das Haus hat er inzwischen verkauft. Bis Ende August hat er noch seinen Stammplatz auf der Bank vor der Kürschnerei und sieht das Leben an seinem Laden vorbeiziehen.


00:56 Uhr
Beobachter1: Die Haut, die er hier verkaufte, gehörte nicht ihm. Sie stammte aus endlosen Qualen der Tierhaltung, grausamen Tod und sollte lediglich Profit bringen auf Kosten der armen Kreaturen, die von Menschenhand gehäutet wurden, damit sich alte oberflächliche Weiber damit einhüllen konnten. Es ist längst an der Zeit, derartige Machenschaften zu beenden. Pelz zu tragen ist peinlich. Und Pelzverarbeiter und Verkäufer sind unverantwortliche Parasiten.
21:14 Uhr
chrissie: Schade um jedes alteingesessene Geschäft, weil immer ein Stück Indivdualität einer Stadt verloren geht. Allerdings muss man bei aller Traditionsliebe doch ab und zu etwas am Sortiment und an den Serviceleistungen ändern, wenn der Geschäftsgang so deutlich zurückgeht. Auch ich führe in dritter Generation ein über 80 Jahre altes Einzelhandelsgeschäft, und habe die Erfahrung gemacht:
"Nichts ist beständiger als der Wandel".
00:57 Uhr
SillyK: Gut so! Einem Geschäft, das auf derartigem Tierleid aufgebaut ist, weine ich keine Träne hinterher!