Ein Foto von der aktiven Schatzsuche im Poppenwald: Der Leipziger Dietmar Reimann (rechts) und sein Freund Heiko Buder sichten Bilder, die eine Untertagekamera aus einem Bohrloch sendet. Reimann, der im April verstorben ist, war der einzige Privatmann, der offiziell graben durfte.
Foto: Uwe Mann (Archiv)
Die Rätsel des Waldes bleiben ungelöst
Bad Schlema wird keine Grabung im Poppenwald organisieren - Private Schatzsucher sind trotzdem auf dem Gelände - illegal
Wildbach. Es sind Geschichten, die faszinieren. Der geheime Transport des Bernsteinzimmers ins Westerzgebirge. Der herrenlose Zug auf den Gleisen der Bahnstrecke Zwickau-Aue, der im April 1945 Teile des Hohenzollernschatzes in die Region gebracht haben soll. Ein unterirdischer Freimaurertempel, der zum Kunstgutdepot ausgebaut wurde ...
Und alle Geschichten haben eines gemeinsam: Sie sollen sich im Poppenwald abgespielt haben, einem 80 Hektar großen Areal bei Wildbach, zwischen Bad Schlema und Hartenstein. Was ist Legende, was Tatsache? Diese Frage wird vielleicht niemals beantwortet werden.
"Wir haben der Kirche diese Woche mitgeteilt, dass wir weder das Geld noch die personelle Kapazität für eine Suchaktion haben", informierte Bad Schlemas Bürgermeister Jens Müller. Die Nicolaikirche Zwickau ist die Eigentümerin des Waldstücks. Die Kommune hatte erwogen, einer der rätselhaften Geschichten auf den Grund zu gehen.
Die Spur der Organisation Todt
Es ging um ein Kommando der Organisation Todt, der Bautruppe des Dritten Reichs, das am Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Stollen am Muldenufer gearbeitet und diesen danach fachmännisch getarnt haben soll. Heute liegen Felsen und eine dicke Schicht Müll auf dem infrage kommenden Gelände. Die Gemeinde wollte die Stelle von ABM-Kräften beräumen lassen. Selbst ohne sensationellen Fund wäre das ein nützliches Werk gewesen. "Die wenigen ABM-Leute, die wir noch haben, brauchen wir jedoch für Arbeiten im Ort", sagte Müller.
Für Pfarrer Frank Bliesener, den Vorstandsvorsitzenden der Nicolaikirche, ist dies das Ende aller Schatzsucheraktivitäten: "Mit der Kommune gemeinsam etwas zu machen, war eine reelle Möglichkeit. Da hätten wir Ross und Reiter gekannt." Privaten Schatzsuchern will die Kirchgemeinde keine Erlaubnis zum Graben mehr geben.
Zwölf Jahre lang hatte der Leipziger Dietmar Reimann ganz offiziell buddeln dürfen. Er fand viele Indizien dafür, dass im Poppenwald bei Kriegsende eine Geheimoperation stattgefunden hat. Einen Schatz fand er nicht. Nach Reimanns Rückzug wollten fast zehn Schatzsucher weitermachen. Die Kirche sprach mit mehreren, entschied dann jedoch, nur noch staatliche Stellen suchen zu lassen. Das Angebot der Gemeinde Bad Schlema, die Aufsicht über eine private Aktion zu übernehmen, hat Bürgermeister Müller jetzt ebenfalls zurückgezogen.
Raubgräber unterwegs
Manfred Teumer aus Schneeberg, der als Kind die Bausoldaten der Organisation Todt im Wald beobachtete und nun eine Suche mithilfe der Kommune anschieben wollte, ist enttäuscht. "Es ist schon kurios, dass niemand in der Lage sein will, mal so ein Loch aufzumachen", sagte er. "Aber Ruhe werden sie dadurch nicht reinkriegen."
Inzwischen arbeiten offenkundig einige Schatzsucher ohne Genehmigung im Poppenwald. Ortskundige entdeckten in diesem Sommer frische Raubgrabungen am Muldenhang, im Bereich des Adventsweges und am Wildbacher Waldsportplatz. Die Geschichten sind eben nicht totzukriegen.


