In Aue lässt der Zast derzeit Abwasserkanäle im Bereich Brunnenstraße erneuern. Kanäle für Kleingruppenkläranlagen in Albernau aber sind dem Verband zu teuer. Das empfinden viele im Dorf als ungerecht.
Foto: Nils Bergauer
Dorf fühlt sich im Abwasserstreit benachteiligt und hintergangen
Uneinigkeit sorgt für vergiftete Atmosphäre
Albernau. Albernau. Ulrich Busch ist frustriert: "Wir fühlen uns zweieinhalb Jahre lang betrogen." Die Bürgerinitiative Albernau und ihr Vorsitzender Busch ringen mit dem Zweckverband Abwasser Schlematal, kurz Zast, darum, wie in Albernau künftig Abwasser entsorgt wird. Zwar hat die Initiative erreicht, dass die Verbandsräte das Thema in der kommenden Woche nochmals diskutieren. Auch, weil Egbert Herr zuletzt vor diesem obersten Gremium seinem Ärger mit deutlichen Worten Luft gemacht hatte. Die Erfolgsaussichten scheinen aus Sicht Albernaus dennoch ungewiss. Die Atmosphäre zwischen Dorf und Verband ist vergiftet.
In Sachen Abwasser war in Albernau nicht viel passiert, als der Freistaat Fördermöglichkeiten zusammenstrich. Der Zast stufte das Dorf daraufhin als dezentral ein. Notgedrungen, sagt Geschäftsführer Lothar Marohn. Ein schwacher Trost. Dezentral heißt: Jeder darf selbst zusehen, wie er sein Abwasser reinigt. "250 Klärgruben für 600 Albernauer", schimpft Busch. "Irrsinn in einer Zeit, in der die Welt nach umweltfreundlichen Lösungen schreit."
Solidarität eingefordert
Ein solidarischer Verband würde dafür sorgen, dass die Albernauer nicht mehr Lasten tragen müssen als Bewohner des übrigen Verbandsgebiets. Busch weiß, dass Albernau für den Anschluss an ein Klärwerk zu abseits liegt. Seine Bürgerinitiative plädiert für Kleingruppenkläranlagen: Mehrere Haushalte lassen ihre Abwässer zusammen reinigen. Das funktioniere anderswo gut und käme langfristig billiger. Zwar wären auch dann Sammelkanäle nötig. Diese könnten, um Geld zu sparen, durch privaten Grund führen.
Laut Busch stimmt Albernau dem zu. Nicht aber der Zast. Er würde zwar die Anlagen betreiben, scheut jedoch Investitionen, die Kredite bedürfen. Also müssten die Albernauer ihre Kanäle selbst bauen lassen. Der Verband nennt das einen Kompromiss. Für die Bürgerinitiative ist es unannehmbar. "Der Zast will nur Zeit gewinnen", sagt Steffen Herrmann. Die Uhr tickt, weil der Gesetzgeber Druck macht.
Unlautere Kostenvergleiche
Bis 2015 müssen Kleinkläranlagen vollbiologisch arbeiten. Das, argwöhnt die Initiative, nutzt der Zast aus. In dem er mit der Initiative verhandele, aber hintenrum eine ganz andere Taktik verfolge. In Albernau kursieren Geschichten, wie Zast-Vertreter unangekündigt klingeln und Hausbesitzer anhand unlauterer Kostenvergleiche überreden, ihre Anlagen vollbiologisch aufzurüsten. Selbst Zschorlaus Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU) schloss sich dem Vorwurf an und beschwerte sich beim Verband über verfälschte Argumentation.
Auf Anfrage bestätigte Zast-Geschäftsführer Lothar Marohn lediglich, dass es in Albernau Gespräche gab. Die Bürgerinitiative hofft nun, dass die Verbandsräte - Vertreter der Mitgliedsorte Aue, Lößnitz, Schneeberg, Zschorlau, Bad Schlema, Bockau und Sosa - den Geschäftsführer anweisen, ihren Vorschlag zu prüfen. Gleichzeitig fürchten sie, dass die Front der Albernauer bröckelt. Denn wer seine Anlage für eine vierstellige Summe vollbiologisch aufgerüstet hat, ist als Kämpfer für eine Gruppenlösung, die nochmals kosten würde, verloren.


